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Eines Tages erhaelt Pip die Nachricht, dass ein unbekannter Wohltaeter ihm jaehrlich 500 Pfund zur Verfuegung stellt (eine nach damaligen Vorstellungen horrende Summe) um ihn in London das Leben eines Gentleman zu ermoeglichen. Pip vermutet, dass es sich bei dem Spender um die geheimnisvolle Miss Havisham handelt, die seit Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen hat und dort ihr einsames und verbittertes Dasein fristet. Pip glaubt weiterhin, dass Miss Havisham ihn fuer ihre Adoptivtochter Estella bestimmt hat, in die er sich unsterbluch verliebt hat.
Schon bald behandelt Pip seine alten Weggefaehrten, allen voran Joe, mit Arroganz und Verachtung, da er sich fuer sein einfaches frueheres Leben schaemt. Erst als der wahre Wohltaeter seine Identitaet preisgibt erkennt Pip, worin wahrer Reichtum besteht.
Wie auch schon bei einem seiner ersten Romane, Oliver Twist, bleibt Dickens Titelfigur seltsam blass und konturlos. Sicher, Pip entwickelt sich vom einfachen Arbeiterjungen zum hochnaesigen Snop und wieder zurueck, aber diese Entwicklung wirkt doch arg konstruiert und somit wenig ueberzeugend.
Den Reiz von "Great Expectations" macht vor allem die Figur der Miss Havisham aus. Schon ihr erster Auftritt im Roman (Kapitel 8) laesst den Leser erschauern:
"Do you know what I touch here", she said lying her hands [...] on her left side.
"Yes, ma'am."
"What do I touch?"
"Your heart."
"Broken!"
Seitdem sie vor Jahren am Tage ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten sitzengelassen wurde, hat Miss Havisham ihr Haus nicht mehr verlassen. Noch immer traegt sie ihr Hochzeitskleid, noch immer ist der Tisch fuer die Feierlichkeiten gedeckt. Verbittert durch diese Enttaeuschung hat sie Pip auserkoren, um sich an der gesamten Maennerwelt zu raechen.
Fazit: Streckenweise durchaus fesselnd und faszinierend, streckenweise aber auch sehr zaeh und langweilig. Dickens Sprache bleibt aber, bei aller Kritik, bewundernswert.



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