Endlich einmal ein Buch, das sich dem Thema Arbeitsmigration von einer anderen Seite nähert: von einer unterhaltsamen, eloquent und stilbewusst geschriebenen. Und von einer sympathischen, ohne jegliches Anbiedern. Und dabei voller unbekannter Details. Mit einem unaufdringlichen Gespür für die Pointe und für das passende Timing. Also hinreißend formuliert bis zum Schluss. Nichts wird's mit Langeweile!
Doch von Anfang an: Rechtzeitig zum 50. Jahrestag des Anwerbevertrags zwischen Deutschland und Italien wird die Geschichte einer gelungenen Integration von "Gastarbeitern" aufgerollt. Die Italiener kamen nach Deutschland. Und mit ihnen so allerhand Neues. In über 20 kurzen Kapiteln wird dieser Geschichte nachgegangen, ohne sie vom Katheder herab zu dozieren. Anhand von Kapiteln zu Pasta, Pizza und Knoblauch, zu Vespa, Dolce far niente oder dem Italo-Western, zu Fußball, Espressomaschinen und dem Bocciodromo wird Geschichte in das zerlegt, was sie im Grunde ist: eine Fülle von Ereignissen, bunt gewürfelt, mit all ihen Absonderlichkeiten, Absurdidäten, mit Komik, Sentiment und einer gehörigen Portion politischem Engagement. Die Genres der Kapitel bewegen sich zwischen Feuilleton und Erzählung, zwischen historischer Anekdote und Reportage. Gastbeiträge von anderen Autoren sorgen für Abwechslung. Und das Eingangsgedicht von Fritz Eckenga wird seinen Platz in der Hochlyrik gewinnen. Ich bin sicher, man wird keine Eisdiele mehr betreten können, ohne an dieses Buch denken zu müssen. Und das wird kein Schaden sein.
Wenn man dem Buch überhaupt etwas vorwerfen kann, dann, dass es nicht länger geworden ist.