Die schlurfenden Untoten sind immer noch ein Lieblingsthema der deutschen Amateurfilmer, vermutlich weil kaum ein anderes Genre so gute Chancen bietet dutzende Nahaufnahmen von blutigen Innereien zu präsentieren. So auch in GRAVEYARD OF THE LIVING DEAD, über den es gute und schlechte Nachrichten zu berichten gibt.
Die Guten zuerst: In den Händen hält man eine liebevoll gestaltete DVD im Pappschuber und mit Wendecover, die außerdem noch drei Postkarten als Bonus enthält. Der Film besitzt eine für eine Amateurproduktion ausgezeichnete Tonspur und auch das Bild kann sich sehen lassen.
Wenn man allerdings nach knapp 90 Minuten Laufzeit am Ende des Films angekommen ist, glaubt man sich in der Twilight-Zone, denn offenbar sind deutsche Amateurfilmer in einer Art Zeitschleife gefangen und drehen seit zwanzig Jahren (da erschien Schnaas' Zombiefilm) immer die gleichen, schlechten Zombiefilme.
Und hier beginnen die schlechten Nachrichten: Glaubt man Anfangs noch an eine Parodie, in der die beiden Wissenschaftler Paul und Henry aufgrund ihrer re-animatoresken Experimente in den Heizungskeller ihres medizinischen Instituts verbannt sind und schlecht sitzende Baumarkt-Overalls und gelbe Arbeitshandschuhe aus Mutters Putzeimer tragen, so wird man bald eines besseren (oder schlechteren?) belehrt. Denn GOTLD besitzt den Mut sich ernst zu nehmen. Und das mit Mainzer Dialekt.
Kein interessantes Drehbuch, keine neuen Ideen. Da hilft es nichts, dass literweise Blut fließt und minutenlang in Fleischresten gewühlt wird. Die Inszenierung bleibt unausgereift. Dabei sollte man erst gar nicht hinterfragen, was ein Grill auf einem alten Friedhof zu suchen hat. Oder damit zu beginnen Continuity-Fehler zu zählen, wie etwa Bierflaschen und Halsketten, die von einer Szene zur anderen verschwinden oder Zombies, die erlegt werden und in späteren Szenen munter wieder auftauchen.
Eher schon, dass man drei verschiedene Drehorte so schlecht zusammengeschnitten hat, dass es ganz offensichtlich wird. Und Flora und Fauna wechseln munter. Der Friedhof besitzt in erster Linie Buschwerk, der Garten Nadelhölzer (Der Kameramann gibt sich dort alle Mühe bei möglichst jeder Einstellung den Gartenzaun und die angrenzenden Nachbargebäude mit aufs Bild zu bannen.) und der Wald durch den die Zombies tappen ("Im Garten könnt ihr nicht mehr drehen, die Nachbarn gucken schon komisch!") hat nur Laubbäume.
Und der Gastauftritt von Szenestar Timo Rose als "alter Ben" (ha, ha, ha...) wertet den Film auch nicht auf. Obwohl: Die unvermeidlich jugendlichen Zombies dadurch zu erklären, dass es sich eine jüngst verunglückte Schulklasse handelt, ist schon clever.
Und da, wie bei Amateurfilmern üblich, man unglaublich stolz auf sein Produkt ist, darf man im Abspann auch die Namen der Macher lesen - und zwar circa 3788mal...
Also, einen Gnadenpunkt gibt es für die Mühe, die man sich mit der DVD gemacht hat und das "explosive" Ende. Ansonsten ist von der "New Dimension of Fear", die Infernal-Films so selbstbewusst ankündigen, herzlich wenig zu sehen.