Seit Harper Connelly von einem Blitz getroffen wurde, kann sie nicht nur Tote finden, sondern auch ihre Todesursache erspüren. Zusammen mit ihrem Stiefbruder Tolliver reist sie durchs Land, um, gegen das entsprechende Honorar, nach verschwundenen Personen zu suchen. Ein Auftrag führt sie nach Sarne, einer kleinen Stadt in Arkansas, wo ein weiblicher Teenager vermisst wird. Alle Einwohner des Ortes sind eigentlich ganz zufrieden in dem Glauben, dass sie von ihrem Freund ermordet wurde. Harpers Untersuchungen rufen, genau wie ihre Fähigkeiten selbst, nur Misstrauen und Abneigung hervor. Und bald wird deutlich, dass jemand vor nichts zurückschreckt, um den wahren Tathergang zu verschleiern - auch nicht vor einem weiteren Mord ...
Mit Harper Connelly präsentiert Charlaine Harris eine weitere paranormale Serienheldin. Die Befürchtung, dass es sich bei ihr einfach um Sookie Stackhouse Nr. 2 handeln könnte, erweist sich dabei als unbegründet. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Krimihandlung, und es ist insgesamt langsamer, düsterer, schwerblütiger. Harper ist eine komplizierte, aber nicht unsympathische Heldin, mit körperlichen und psychischen Problemen, die dich nicht immer so einfach zur Seite schieben lassen. In diesem ersten Band gibt es noch keine Liebesgeschichte, aber durchaus Andeutungen, dass sich das im Laufe der Reihe ändern könnte. Mit seiner melancholischen Atmosphäre entspricht "Grave Sight" vielleicht nicht dem, was die Leserin heute typischerweise bei einem Paranormal erwartet, doch wer einmal genug von den ewig gleichen beinahe allmächtigen Kick-Ass-Heldinnen hat, die von einem Aktionszenario/Bett in das nächste fallen, sollte Harper Connelly eine Chance geben. (BL)