Man vergebe mir, wenn ich den Anschaffungspreis als kleinen, persönlichen Kritikpunkt verbuche. Der hohe Preis, der Filtern dieses Durchmessers leider generell zu Eigen ist, war es aber, was mich seit Monaten davon abgehalten hat, das Produkt zu kaufen. Diese Entwicklung betrifft jedoch (leider) das gesamte Fotozubehörsegment und die Produkte waren schon vor Einführung des Euro verhältnismäßig teuer.
Das wäre aber auch schon das einzige, negative Kriterium gewesen. Der Filter wird in einer soliden, aufklappbaren Plastikbox geliefert, in die eine haltbare Schaumstoffeinlage integriert ist mit einem passgenauen Ausschnitt für den Filter.
Der B+W Graufilter 1000x F PRO 110 weist eine "einfache" Vergütung auf, die aber so manchen preisgünstigen
"multicoating No-Name-Filter" alt aussehen lässt. Es gibt den 1000x-Graufilter von B+W auch in einer MRC-Version, die allerdings nochmal um die Hälfte teurer ist.
Da eine Mehrschichtvergütung bei einem Graufilter imho keinen sicht- bzw. feststellbaren Vorteil bringt, habe ich mich für die günstigere F-Pro-Version entschieden.
Der Filter selbst weist eine hohe Fertigungsqualität auf und vermittelt eine solide Konstruktionsweise. Erste Testaufnahmen zeigen sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Dass bei Aufnahmen mit diesem Filter so gut wie immer ein solides Stativ Pflicht ist, liegt nahe.
Es empfiehlt sich auch bei guten Lichtverhältnissen ohne vorgesetzten Filter "scharf zu stellen", den AF dann zu deaktiveren und den Filter erst dann anzubringen, da in vielen Fällen der AF nicht mehr funktionieren dürfte (weil zu dunkel) bzw. auch der Blick durch den Sucher nicht viel offenbart, wenn der Filter bereits montiert ist.
Wer richtig experementieren möchte, wird einen Kabelfernauslöser benötigen, um Belichtungszeiten jenseits der 30 Sekunden zu ermöglichen. Testaufnahmen mit meiner Nikon D300 und dem Sigma AF 10-20/4,0-5,6 bringen einen scheinbar menschenleeren Stadtpark bei Sonnenschein und eine verkehrslose Straße hervor (abgesehen von geparkten Wägen).
Die Aufnahmen zeichnen sich durch einen deutlich warmen Farbton aus. Dieser resultiert aus dem Umstand, dass der Rotanteil des Lichts ab 660 nm einen höheren Transmissionswert erreicht. Je länger die Belichtungszeit (bei einem Graufilter mit Verlängerungsfaktor x1000 ...), desto höher - im Verhältnis zu den übrigen Farben - der Rot-Anteil des Lichts, das auf den Film/Chip gelangt.
Dieser "Warmstich/Rotstich" ist aber weder sonderlich störend, noch unkorregierbar. Ein simples Ändern der Farbtempereatur per zB. Bildbearbeitungssoftware reicht aus, um ihn zu beseitigen.
Allerdings stellen sich bei meiner Kamera (wohl bedingt durch die Erwärmung des Sensors infolge der langen Belichtungszeiten) nach einer gewissen Anzahl von Aufnahmen mit Belichtungszeiten von zwei bis drei Minuten scheinbar Pixelfehler ein, die allerdings erst beim expliziten Suchen auffindbar sind.
So habe ich an zwei Stellen bei maximaler Ausschnittsvergrößerung "kreuzförmige" (5 Pixel) Fehlabbildungen, jedoch keine Hotpixel, es sieht eher nach einer fehlerhaften Farbdarstellung aus. Es könnte sich hierbei um die Pixel handeln, die im Zuge eines Sensorremappings angepasst worden sind. Entsprechende Tests werde ich noch durchführen.
Dies stellt jedoch keinen produktspezifischen Mangel, sondern eine aufnahmebedingte Folgeerscheinung dar, die bei "normalen" Betrachten des Fotos nicht auffällt.
Alles in allem ein absolutes Top-Produkt, das interessante und nicht alltägliche Aufnahmemöglichkeiten erschließt.
Ein kleiner Tipp am Rande: Wer mehrere Objektive mit unterschiedlichen Filterdurchmessern besitzt, kann mittels Reduktionsring den 77mm-Filter auch an den Linsen mit geringeren Durchmessern verwenden und erspart sich somit eine allfällige Zweitanschaffung.
Eränzend möchte ich anführen: Daumen rauf für die D300! Diese von mir bereits beschriebenen "kreuzförmigen Fehlabbildungen", die ich an zwei Stellen der Aufnahme ausmachen konnte, sind AUSSCHLIESSLICH am JPEG ersichtlich. Die entsprechende RAW-Datei weist diese Fehlabbildungen NICHT auf. (Ich fotografiere meistens in der Einstellung RAW+ JPEG FINE). Ich kann's zwar nicht erklären, vermute aber, dass infolge der unverhältnismäßig langen Belichtungszeit da beim kamerainternen Konvertieren/Komprimieren was daneben gegangen ist.
Absolut begeistert bin ich aber von dem Umstand, dass selbst bei der 3-Minuten-Belichtung in der RAW-Aufnahme kein einziger Hot-Pixel erkennbar ist.
Möglicherweise resultiert die "Fehlabbildung" auch aus der "aktivierten Rauschunterdrückung", wäre ein zusätzliche, mögliche Ursache.
Filter selbst ist jedenfalls Top und das Fotografieren damit macht eine Menge Spaß.