Inhalt:
Eddie Russett, Sohn eines Mustermanns (Heiler), folgt seinem Vater in die Randzone, wo sein Vater einen neuen Job und Eddie eine neue Aufgabe zugeteilt wurde. Er soll Demut zeigen und eine Stuhlzählung in Ost-Karmin durchführen. Doch schnell merkt Eddie, dass das Regelwerk Munsells in der Randzone nicht ganz so ernst genommen wird wie gewohnt und dann trifft er auch noch auf die schöne Jane, die allerdings nur eine Graue ist.
Denn was ist das wichtigste in einer Welt voller Regeln, Strukturen und vergessener Technik? Natürlich Farbe, denn erst dadurch definieren sich die Bürger und Eddie Russet hat ziemliche gute Chance weit aufzusteigen, denn seine Rotsicht scheint ziemlich hoch zu sein. Dennoch färbt die Randzone auf ihn ab und schneller als nötig hat Eddie plötzlich hohe Feinde und weiß plötzlich viel zu viel, denn die hübsche Jane behütet ein Geheimnis und geht dabei notfalls über Leichen '
Meinung:
'Grau' ist der Beginn der Eddie-Russett Trilogie, der neusten Reihe des Kultautors Jasper Fforde, dem auch wieder mit seinem neusten Roman ein kleines Meisterwerk gelungen ist. Der Roman ist eine Mischung aus Fantasyelementen und einer Dystopie, die mal ganz anders ist, als man es von den meisten Romanen gewöhnt ist.
In dem Roman geht es um eine völlig andere Welt, in der Farbe eine große Macht ausübt, denn die Technik und Forschung gerät unter Struktur, Regelwerk und strenger Führung regelrecht in Vergessenheit, sodass sich die Menschheit in einer gewissen Art und Weise wieder zurück entwickelt. Eddie Russett spielt hierbei die Hauptrolle. Er hat vor seinem Farbtest eine mittlere Position innerhalb des Systems, merkt aber, dass seine Rotsicht ziemlich ausgeprägt sein muss. Dennoch stehen andere Farbe, wie Purpur über ihn und diesen Purpurnen muss gedient werden, denn Regel ist immer dem zu helfen, der die höhere Farbsicht hat.
Diese ganze strukturiere und zwanghafte Gesellschaft versucht sich Eddie zu Beginn bestmöglich anzupassen. Er befolgt Regeln, übt sich in Diskretion und arbeitet an der Verbindung zu einer Oxblood, um seine Farblinie aufzuwerten. Doch dann, in der Randzone trifft Eddie auf Jane, einer Grauen, ohne Farbsicht und Wichtigkeit. Verhasst oder ersehnt verliebt sich Eddie in sie, obwohl Jane ihm immer wieder mit dem Tod droht, wenn er ihr und ihrem Geheimnis zu nahe kommt. Das schreckt Eddie jedoch nur bedingt ab, denn in der Randzone werden die Regel weiträumiger interpretiert und Eddie beginnt neugierig zu werden, Fragen zu stellen und hinter ein Geheimnis zu kommen, dass sein Weltbild verändern wird '
Den Inhalt aus 'Grau' dem Leser näher zu bringen fällt schwierig, da der Roman unglaublich komplex ist und vor lauter wirren, total verrückten Ideen und Plotwendungen nur so strotzt. Das Buch spielt auf jeden Fall in einer Zukunft/Welt, die sich niemand so vorstellen würde, denn in 'Grau' regiert wirklich nur das fragliche System und die Farben. Nicht jede Person sieht jede Farbe. Es gibt beispielsweise Graue, unwichtige Arbeitskräfte, die nur grau sehen können. Dies steigert sich bis zu den Grünen oder den Purpurnen, die schon alleine dank ihrer Farbwahrnehmung eine gewisse Macht zugesprochen bekommen.
Diese frische Idee kombiniert Jasper Fforde geschickt mit einer verrückten Welt, in der Tiere mit Strichcodes versehen werden, man pro Person nur noch einen Löffel mit seiner Kennung erhält und die eigene Postleitzahl in die Brust geritzt wird. Die Welt in 'Grau' wechselt zwischen genial und absurd, zwischen abstrakt und vollkommen natürlich und zwischen gewollter Sollerfüllung und der unglaublichen Macht der Neugier, denn 'Grau' ist nicht nur ein Fantasylesevernügen der besonderen Art, sondern auch hoch intelligent geschrieben, mit Witz und Sarkasmus, der nicht selten politische Grenzen sprengt und überdeutlich macht, dass man Neugier und Interesse nicht durch Struktur und hemmungsloser Ausübung von Gesetzen unterdrücken kann.
Schön finde ich auch die Art und Weise wie die Liebe in 'Grau' miteinbezogen wird, denn es gibt keinen großen Schnulz oder zu viel Gefühl. Die Liebesgeschichte zwischen Eddie und Jane wirkt trocken, eiskalt und irgendwie doch harmonisch. Dennoch erinnert die Idee der Hochzeit, dass man möglichst eine gute Partie macht und nicht nach Liebe geht, doch stark an vergangene Zeiten. Allgemein erinnert daran recht viel, denn es wird teils veraltetet Technik benutzt, da laut Regelwerk auf immer ältere Varianten zurück gegriffen werden muss. Dazu mischt sich dann eine wahrhaft neue Dystopie, da trotz genialer Ideen und irrwitziger Tiere und Technik die Menschen doch auf eine Art und Weise verharre bzw. es von einem großen Fortschritt zurück geht. Die Menschheit will zwar Stagnation vermeiden, doch irgendwie hat sich die Gesellschaft verschlechtert bzw. ist ins Stocken geraten und merkt das Unheil gar nicht näher kommen.
Der einzige Makel an 'Grau' war jedoch die Länge des ersten Romans. Obwohl die Idee genial und ausgefallen ist, zieht sich der Plot, dank endlosen belanglosen Dialogen, Gedanken, Ideen und Handlungen, die dem Leser im Grunde nur die abstrakte Art der neuen Welt verbildlichen soll. Auf eine Art und Weise gut und schön, aber dadurch liest man teilweise auch gut und lange an 'Grau'. Das Buch hat rund 490 Seiten und nicht jede Seite ist gefüllt mit Spannung und Action. Wenn man 'Grau' liest dann sollte man sich dessen bewusst sein, dass der Roman eher intelligent als spannungsreich ist, dass Gefühle eher eiskalt sind als herzerwärmend und dass der Schwerpunkt des Roman vor allem darauf liegt eine fiktive Welt zu kreieren, die nur auf den ersten Blick perfekt scheint
Die Charaktere wie Eddie, Jane, Tommo oder auch Violetta sind dementsprechend auch verrückt und abgedreht. Alle erhalten genug Tiefe um dem Leser jeden einzelnen Makel der Charaktere zu verdeutlichen. Es gibt noch viele weitere Charaktere, manche spielen auch nur eine kurze Nebenrolle. Insgesamt war mir Eddie immer wieder sympathisch, denn er hat, anders als andere Charaktere, eindeutig ein Gewissen.
Der Schreibstil in 'Grau' ist ein Gaumenschmaus. Verrückte Ideen, verrückte Wortwahl. Abgedroschene Dialoge und widersinnige Regeln, die allesamt 'Grau' zu dem werden lassen, was das Buch zu einem Lesevergnügen werden lässt. Mir haben auch immer wieder die unterschwelligen Formulierungen oder die formellen Dialoge gefallen, um Regel geschickt zu umgehen.
Das Cover ist schlicht, passt aber eindeutig. Allerdings finde ich den englischen Titel 'Shades of Grey, The Road to High Saffron' irgendwie aussagekräftiger als nur 'Grau'.
Fazit:
Trotz Überlänge ist 'Grau' ein geniales Lesevergnügen, zwar ohne andauernder Spannung und actionreicher Handlung, dafür mit gewollter Intelligenz, Sarkasmus und verrückter Ideen, die den Roman die typische Jasper Fforde Note verleihen. 'Grau' ist erst der Anfang und wenn man auf Lektüre mit Pfiff und Intelligenz steht, dann greift man bei 'Grau' zu einer passenden Mischung aus Fantasy und Dystopie, verrückter Ideen, einem politischen System, das nur auf den ersten Blick funktioniert, jeder Menge eiskaltem Humor und der Macht der Neugierde nach mehr.
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1. Eddie-Russett: Grau
2. In Arbeit
3. In Arbeit