In dem Film "Der Club der toten Dichter" wurde der Name Walt Whitman häufig genannt und ein paar seiner Gedichte zitiert. Grund genug für mich die "Grashalme "zu kaufen und zu lesen. Ich war begeistert. Es ist ein unerschütterlicher Lobgesang auf das Leben, die Natur, die Menschen und auch den Tod. Whitman, gemeinsam mit Thoreau und Emerson, die andere, bessere Seite Amerikas, wird wie kaum ein anderer Dichter mit den amerikanischen Tugenden identifiziert: Bodenständigkeit, Tapferkeit, Vaterlandsliebe, Ehrlichkeit und Demokratie("Widersteht viel, gehorcht wenig"). Er ist aber auch ein Verfechter des Individualismus, er wünscht sich eine Gesellschaft, in der jedes Individuum das Recht zur eigenständigen Gestaltung seines Lebens haben darf. Für Whitmann ist jeder Mensch "ebenso göttlich wie irgendeiner", er gesellt sich zu den Farmern, Fischern, Dieben, Matrosen und Handwerkern und ist mit ihnen glücklich. Männer und Frauen sind ihm gleicherweise willkommen, der nackte Leib göttlich und eine Freude. Und selbst der Tod hindert ihn nicht bei seinem Lied auf das Leben, denn die Unsterblichkeit ist ihm gewiss. Im Gedicht "Einem Sterbenden" sagt er "hier gibts nichts zu bejammern, ich bedaure dich nicht, ich wünsche diR Glück". Whitman ist "stürmisch, fleischlich, sinnlich, essend, trinkend und zeugend" und wer seine Gedichte lesen wird, wird nicht anders können als mit Whitman das Leben zu preisen und zu lieben.