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Grashalme (Reclams Universal-Bibliothek) Taschenbuch – 1986

4.2 von 5 Sternen 20 Kundenrezensionen

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Produktbeschreibungen

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Grashalme
OT Leaves of Grass OA 1855 (erweitert 1891) DE 1889 (Ausw.)Form Gedichtsammlung Epoche Transzendentalismus
Grashalme von Walt Whitman ist die Initialzündung der selbstständigen US-amerikanischen Lyrik und einer der berühmtesten Gedichtzyklen der englischsprachigen Literatur.
Entstehung: Whitman veröffentlichte 1855 im Selbstverlag die ersten zwölf Gedichte anonym; durch Umarbeitungen, Erweiterungen und Korrekturen in den folgenden 36 Jahren wuchs das Werk auf fast vierhundert Gedichte an und erfuhr acht weitere Auflagen. Einige Gedichtgruppen erschienen zunächst in Einzelbänden. Durch die komplizierte Text- und Editionsgeschichte dauerte es bis 1980, bevor erstmals eine definitive kritische Ausgabe erschien.
Inhalt: In seinen Gedichten stilisiert Whitman sich selbst als poeta vates und Nationaldichter, als Sänger des amerikanischen Volkes, der amerikanischen Demokratie und des modernen Menschen. Er preist zugleich das große Ganze und das Individuelle; der einzelne Mensch ist Vertreter der gesamten Menschlichkeit und ebenso wie die Natur eine Offenbarung des Göttlichen. Dazu gehört auch die bis dahin in der Lyrik unerhörte Offenheit bei der Schilderung von Sinnlichkeit und Sexualität (Ich singe den Leib, den elektrischen), die Whitman im puritanischen Amerika einige Schwierigkeiten einbrachte. Unter dem Einfluss von Ralph Waldo Emerson (1803–82) entwickelte Whitman eine pantheistische Naturmystik, in der Körper und Geist, das Selbst und der Kosmos eine untrennbare Einheit bilden. Besonders die frühen Gedichte sind durch eine freudige Selbstbejahung und einen kraftvollen Optimismus in Bezug auf den zu erwartenden evolutionären Fortschritt der Menschheit geprägt.
In seinem Credo Gesang von mir selbst entwickelt Whitman das Bild der Grashalme als zentrales Natursymbol. Es ist »Taschentuch Gottes«, »ein Kind«, »eine einzige große Hieroglyphe«, »Haar von Gräbern« – Zeichen des ewigen Kreislaufs der Natur, des göttlichen Rätsels und Stellvertreter des Kosmos: »Ich glaube, ein Grashalm ist nicht geringer als das Tagwerk der Sterne«.
Whitmans spätere Gedichte stehen unter dem Einfluss des Bürgerkriegs (Der Wundpfleger) und der Ermordung Lincolns (O Käpten! mein Käpten!), sind melancholischer und weniger optimistisch im Ton. Dennoch gehören gerade einige diese Texte (Aus der ewig schaukelnden Wiege; Als jüngst der Flieder blühte) zu den bekanntesten der Grashalme.
Aufbau: Whitmans Lyrik ist gekennnzeichnet durch die starke Expressivität und Bildlichkeit der Sprache, den musikalischen Rhythmus und die zahllosen Wiederholungen und Variationen, die den berühmten Whitmanschen »Katalogstil« erzeugen. Durch die freien Verse (Stichwort R S. 1148) ist die Grenze zwischen Prosa und Lyrik fließend. Der Stil ist zugleich hymnisch und episch, orgiastisch und litaneihaft und entspricht so Whitmans Absicht, die »amerikanische Religion« der Demokratie zu verkünden und zu feiern.
Wirkung: Die Sammlung Grashalme hatte zunächst nicht die von Whitman erhoffte Wirkung, obwohl Emerson ihm nach der ersten Auflage einen anerkennenden Brief schrieb. Erst nach der zweiten Auflage fanden die Gedichte größere, wenn auch sehr ambivalente Beachtung. Sowohl die neue lyrische Form als auch der pathetische Ton, vor allem aber die unverhüllte Thematisierung der Körperlichkeit spalteten die Kritiker. Erst spät fand Whitman Anerkennung im eigenen Land, das ihm die Emanzipation der Lyrik von Europa verdankt.
Großes Ansehen genoss Whitman bei den englischen Dichtern Lord Alfred Tennyson (1809–92), Christina Rossetti (1830–94) und Charles Swinburne (1837–1909), auch in Deutschland und Russland war er sehr populär. Direkte Wirkung hatte sein Werk vor allem auf die Lyrik der Beat-Generation (Allen Ginsberg, 1926–97; Jack R Kerouac). Der Komponist Ralph Vaughan Williams (1872–1958) vertonte 1910 fünfzehn whitmansche Gedichte zu A Sea Symphony. E. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Geboren am 31.5.1819 in West Hills (Long Island), gestorben am 26.3.1892 in Camden (New Jersey), dort auf dem Harleigh-Friedhof begraben. Das Handwerk des Schreibens lernte er als Setzerlehrling am Setzkasten. Walt Whitman wurde Journalist, dann Chefredakteur, bis sein Engagement gegen die Sklaverei seine Karriere beendete. Er kehrte nach Brooklyn zu seinen Eltern zurück und half beim Zimmern. 1855 veröffentlichte er unter dem Titel ›Grashalme‹ zwölf Gedichte. Der Empörung der Kritiker und dem finanziellen Mißerfolg stand nur Emersons Enthusiasmus entgegen, der die Sammlung als 'außerordentliche amerikanische Probe von Geist und Wahrheit' begrüßte. Von Auflage zu Auflage wuchs die Zahl der aufgenommenen Gedichte auf fast 400, die Zahl ihrer Verehrer blieb bescheiden. 1873 verlor Whitman seine Arbeitsfähigkeit infolge einer Lähmung. Er zog nach Camden, wo er durch einen Kreis von Anhängern bis zu seinem Tode unterstützt wurde." -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Von Stefan Proust TOP 1000 REZENSENT am 20. Mai 2004
Format: Taschenbuch
In dem Film "Der Club der toten Dichter" wurde der Name Walt Whitman häufig genannt und ein paar seiner Gedichte zitiert. Grund genug für mich die "Grashalme "zu kaufen und zu lesen. Ich war begeistert. Es ist ein unerschütterlicher Lobgesang auf das Leben, die Natur, die Menschen und auch den Tod. Whitman, gemeinsam mit Thoreau und Emerson, die andere, bessere Seite Amerikas, wird wie kaum ein anderer Dichter mit den amerikanischen Tugenden identifiziert: Bodenständigkeit, Tapferkeit, Vaterlandsliebe, Ehrlichkeit und Demokratie("Widersteht viel, gehorcht wenig"). Er ist aber auch ein Verfechter des Individualismus, er wünscht sich eine Gesellschaft, in der jedes Individuum das Recht zur eigenständigen Gestaltung seines Lebens haben darf. Für Whitmann ist jeder Mensch "ebenso göttlich wie irgendeiner", er gesellt sich zu den Farmern, Fischern, Dieben, Matrosen und Handwerkern und ist mit ihnen glücklich. Männer und Frauen sind ihm gleicherweise willkommen, der nackte Leib göttlich und eine Freude. Und selbst der Tod hindert ihn nicht bei seinem Lied auf das Leben, denn die Unsterblichkeit ist ihm gewiss. Im Gedicht "Einem Sterbenden" sagt er "hier gibts nichts zu bejammern, ich bedaure dich nicht, ich wünsche diR Glück". Whitman ist "stürmisch, fleischlich, sinnlich, essend, trinkend und zeugend" und wer seine Gedichte lesen wird, wird nicht anders können als mit Whitman das Leben zu preisen und zu lieben.
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Format: Gebundene Ausgabe
Achtung: Wem diese Rezension zu lang/umfassend ist, der findet eine Kurzfassung im ersten Kommentar.

"Bleibe nur diesen Tag und diese Nacht bei mir, und du
sollst den Ursprung aller Gedicht erfassen!
Du sollst das Gut der Erde und der Sonne haben (Millionen
von Sonnen sind noch übrig),
du sollst die Dinge nicht mehr aus zweiter oder dritter
Hand nehmen, auch nicht durch die Augen der
Toten sehen und dich nicht nähren von den
Gespenstern in Büchern;
Du sollst auch nicht mit meinen Augen sehen, noch die
Dinge von mir empfangen,
Du sollst Horchen nach allen Seiten und sie alle durch dich selbst filtrieren!"

Ein Freund von mir (danke Holger!) brachte mich dazu noch einmal nach langer Zeit zu diesem Werk zu greifen.

Borges meinte einmal, dass jeder große Schriftsteller ein Symbol geprägt habe und auch prägen müsse, weil es ansonsten ganz unerheblich sei, ob er gut schriebe oder nicht, er würde dann die Zeit nicht überdauern (nach Borges Meinung leider so geschehen mit Quevedo). Kafkas Labyrinthe; Cervantes Gestalt Don Quijote, mitsamt Gefährte Sancho Pansa und den Windmühlen; Melvilles weißer Wal Moby Dick. Doch Borges nennt stets auch ein Ausnahme, Whitman, der kein Symbol geprägt habe (außer vielleicht das Bild der Grashalme), sondern selbst zu einem geworden sei.

"Ochsen, die ihr mit dem Joch und der Kette rasselt oder
oder unter schattigem Blätterdach haltet, was ist es, das
ihr in euren Augen ausdrückt?
Es scheint mir weit mehr als alles Gedruckte, das ich in
meinem Leben gelesen.
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Format: Taschenbuch
Grashalme - ein Buch das den Titel als Programm hat, denn Walt Wihtmann versteht es die Verse, seine Grashalme zu einer Wiese der Poesie zusammenwachsen zu lassen. Das Buch ist zwar nicht einfach zu lesen, doch ist es, ich weiß nicht so recht wieso, einfach faszinierend. Vielleicht der Reiz des Unbekan-nten, doch denke ich, daß mehr dahintersteckt. Wer humanistisch - menschlichem Gedankengut ablehnend gegenübersteht der sollte das Buch stehen lassen. Oder sollte er es doch lesen, um sich von dem, der alle und alles gleichbehandeln möchte diese Gadanken austreiben zu lassen, denn von beiden handeln die Grashalme unter anderen. Der Leser wird in die unberührten Landschaften des Amerikas des 19. Jh. geführt. Diese ist der bessere Ort, so daß wir Städter am liebsten in der Wiese versinken mögen um Streß und hektik, wenigstens während der Zeit des Lesens der Grashalme zu vergessen. denn wer durch dieses Buch rasen möchte, für den ist es nicht. Es ist kein Roman, der sich von alleine liest. Aber wer Muße und Freude am Lesen mitbringt für den ist das Buch ein echter Gewinn.
Kommentar 43 von 46 haben dies hilfreich gefunden. War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein Feedback senden...
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
... das sind Walt Whitmans -Grashalme- in jedem Fall. Zudem bin ich so ziemlich der Letzte, der sich anmaßen darf über die Qualität dieses Werkes zu urteilen. Whitmans schriftstellerische Fähigkeiten, die er von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu dessen Ende entwickelte, sind über jeden Zweifel erhaben. Whitman, der hier zu Lande meist nur durch Schlagworte aus Filmen, wie z.B. das wunderbare "O Captain, mein Captain" aus dem Club der toten Dichter bekannt ist, hat Amerikas ursprüngliche Schönheit in seinen Texten besungen. Die Menschen, das Land, den Mut, die Abenteuerlust, aber auch die Religion und die Moral waren seine Themen. EIn der hier vorliegenden Ausgabe von -Grashalme- ist das Lebenswerk Whitmans zusammengefasst worden. Für Freunde dieser Lyriktexte ist der Band ganz sicher ein Gewinn.

Außerhalb der schriftstellerischen Qualität musste ich für mich allerdings festsellen, dass mir Whitmans Sprache heute fremd erscheint. Im Gegensatz zu einem Shakespeare Text kann ich mich in Whitmans übersetzte Texte nicht hinein finden. Sie sind für mich aus der Zeit. Vielleicht ist das im Original viel überzeugender, vermutlich sogar. So waren -Grashalme- für mich als Zeitdokument interessant, als Lesestoff jedoch schwierig und wenig begeisternd. Aber sie wissen ja: Das ist eine Einzelmeinung. Die Geschmäcker sind verschieden. Und sie entscheiden selbst, wie ihnen das gefällt. Viel Spaß dabei...
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