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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht." (Lukas 21,33),
Von
Rezension bezieht sich auf: Grasblätter (Gebundene Ausgabe)
"Ein schönes Werk von innen heraus zu bilden, es zu sättigen mit unseren eigensten Kräften,dazu bedarf's vor allem Ruhe und einer Existenz, die uns erlaubt, die Stimmung abzuwarten." (Eduard Mörike; 1804-1875) Für Walt Whitman (1819-1892) ist sein Amerika das Reich der Zukunft, der nicht fertigen, aber zusammenwachsenden Volksgemeinschaft. Als wenn er vom Goethe-Wort bestärkt werde, "Amerika, Du hast es besser" ist es dennoch der Blick auf Zukunft nicht allein, denn auch Whitman setzt auf Traditionen. Und zwar auf die ureigenen des Menschen: die Natur und das Selbst. So wie Blaise Pascal die Ungereimtheit des Menschen als ernsten Anlass zur Demütigung sah, so bekannte er doch, dass eben das Verhältnis des Menschen zur Natur wichtig sei und noch wichtiger sei zu erkennen, in welchem Verhältnis der Mensch zur Natur stehe (vgl. Pensées, 313). Whitman, inspiriert von den Schriften Ralph W. Emerson (1803-1882), bekennt sich zu diesen zwei großen Festen: das Ich und das Selbst in der Natur. "Ich singe das Selbst, den Einzelmenschen", so der erste Vers dieser zerbrechlichen Grashalme, dem folgend "Das Leben, unermesslich in Leidenschaft, Puls und Kraft, [...] Ich singe den modernen Menschen." Whitman steht für Aufbruch, steht für Gemeinsamkeit ("Ich höre Amerika singen, die vielerlei Lieder höre ich") aller Völker in einem Schmelztiegel, aller Berufe in einem Land, aller gebunden zu einem "kraftvollen Rundgesang". Auf die Zukunft hin gerichtet, "Nicht das Heute kann zeugen für mich, noch Antwort geben, wozu ich da bin, [...] Ihr aber, [...] Erhebt euch! Denn ihr müsst zeugen für mich." Und diesen Lesern, Hörern widmet er all seine Gesänge. Und doch ist es ein Gesang von ihm selbst (Gesang von mir selbst). "Ich feiere mich selbst und singe mich selbst" aber er ist nur Vorbild für einen kraftvollen Individualismus, wie ihn Amerika seitdem predigt. "Und was ich mir anmaße, sollst du dir anmaßen, [...] Natur ohne Zwang mit ursprünglicher Kraft". "Niemals war mehr Anfang als jetzt, Nie mehr Jugend und Alter als jetzt, [...] Immer der zeugende Drang der Welt. [...] Immer ein weben von Identität, ein Sich-Sondern," Wenn, wie Harold Bloom den Grund fürs Lesen ausmachte, das Lesen der Stärkung des Selbst dient, dann ist Whitman ein unverzichtbarer Dichter. Er verkörpert neben Emerson und Emily Dickinson die amerikanische Religion des uneingeschränkten Selbstvertrauen. Emersons Leitsatz: "Suche Dich nicht außerhalb Deiner selbst", heißt nicht mehr, als sich selbst zu trauen. Whitmans "Gesang von mir selbst" ist die perfekte Traute, das eigene Ich in die Welt zu setzen. Whitmans Gesänge sind somit zum Mit-Hören und Mit-Wissen, sie sind um zu erkennen, wie das Ich wirkt in dieser Welt. Die englische Sprache gebiert es dreifach: Me, myself and I und bei Whitman spürt man das "wirkliche Ich", "Ich selbst" und die Seele. "Ich glaube an dich, meine Seele; mein anderes Teil soll sich nicht erniedern vor dir, Noch du dich vor ihm". Ein italienischer Philosoph des späten 17. Jh., Giambattista Vico, konstatierte, wir können nur erkennen, was wir selbst gemacht haben. Whitman redet gern vom Selbst und vom Ich, da scheint er sich auszukennen; seine Seele scheint noch ein Rätsel, wie es auch die amerikanische Seele an sich ist, die vielleicht sich nur dort entfaltet, wo der Mensch allein ist. Und dort wird auch Whitman stark, der seine Seele als Element der Natur besingt: "Könnt ich nicht jetzt und immerdar aus mir selber den Sonnenaufgang entsenden, [...] Wir fanden uns selber, o meine Seele, in der Stille und Kühle der Morgendämmerung". Hier bewegt Whitman sein Innerstes, sein Ich und Selbst vereint mit der Seele im Wir. "Was ist Gras?" fragt ein Kind und Whitman findet keine Antwort, er weiß nicht mehr als ein Kind. Aus dieser Frage entstehen wunderbare Assoziationsreihen, die das Gras als frisches Grün zum "hoffnungsgrünen Stoff" machen und Whitman sich anlehnt an die Emersonsche Neuheit, den transzendentalen Zustrom von frischer spiritueller Energie, für Whitman all dieses im Wir, in der symbolischen Umarmung des vermuteten Selbst in mir mit der unbekannten Seele. "Grashalme", ein Tagwerk der Sterne, zu deuten als die Kürze eines individuellen Lebens, mit dem Bild aus Jesaja (Js 40,1-10) und Petrus (1Petr 1,24-25), dass alles Fleisch wie Gras ist, verletzend kurz in seinem Bestand. Diese Worte jedoch sind ewig, ist die a priori Unterstellung von Whitman gegenüber seinem Werk in biblischer Analogie (LK 21,33). Eine Welt, die immer amerikanischer wird, muss auch Whitman lesen, nicht um Amerika, sondern um Veränderung zu verstehen. Wenn Whitman noch auf die ungelösten Rätsel des amerikanischen Bewusstseins hinweist, dann muss man seinen Ausgangspunkt nochmals finden, so wie Obama sich an den Ausgangspunkt begab in seiner Antrittsrede, den Anfangspunkt der Gründungsväter Amerikas und insbesondere sich an Thomas Paines Common Sence erinnerte. Schopenhauer begründet so: "Der philosophische Schriftsteller ist der Führer und sein Leser der Wanderer. Sollen sie zusammen ankommen, so müssen sie [...] zusammen ausgehen: von einem Standpunkt, [...] der des uns Allen gemeinsamen, empirischen Bewußtseyns"; in: P&P II, Kap I, §5. Hesse schrieb im Jahre 1904: Der Verfasser der Grashalme ist nicht der literarisch begabteste, aber der menschlich größte von allen amerikanischen Dichtern. Und er hing nicht am europäischen Trödel (vgl Goethe) sondern mit allen Wurzeln auf amerikanischem Boden. Auf diesem erkennt er die ungeheuren Kräfte der Gegenwart und eine unermessliche, lachende Zukunft. ~~ Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
bertragungen,
Von Felix Dunkel (Aachen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Grasblätter (Gebundene Ausgabe)
Kann man eigentlich, und schon gar Lyrik, in der Form, übersetzen, übertragen? Eine Übertragung bleibt immer eine eigenständige Interpretation und kann in keinem Fall das Originalwerk widergeben. Ich mag die Übertragung nicht beurteilen, sie mag vielleicht auch in Ordnung sein. Ein großes Risiko bleibt es doch statt das Werk in Originalsprache herauszugeben, es von einem Übersetzer übertragen zu lassen. Viele greifen dann doch lieber zum englichen Original. Den Toten ist ohnehin nicht mehr damit gedient, schön ist es wenn zu Lebzeiten des Künstlers seine Werke in zwanzig Sprachen übersetzt werden.
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