Gabriella Wollenhaupt - Grappa macht Theater Krimi - GRAFIT Verlag, Dortmund 1994
Maria Grappa, die vorwitzige Heldin, ist freie Polizeireporterin beim Bierstädter Tageblatt und ein Mensch wie Du und ich. Sie schreibt Rezensionen schwülstigster Frauenbellestristik um sich über Wasser zu halten, geht aber viel lieber einer delikaten Pasta al Salvia beim Lieblingsitaliener oder ungewöhnlichen Kriminalfällen auf den Grund. Einer guten Flasche Wein ist sie nur sporadisch abgeneigt. Der aktuelle Fall beginnt mit einem saftigen Eklat an den städtischen Bühnen. Die Premiere einer Neuinszenierung Kleists zerbrochenen Krugs, gerät zum unbeschreiblichen Desaster. Das Publikum will keineswegs den „neuen künstlerischen Wegen" folgen, die der Regisseur forschen Schrittes einzuschlagen gedenkt. Der bekannte Theaterkritiker Nello von Prätorius ist ebenfalls Zuschauer. Während der ersten Pause, die Mehrzahl des Publikum hat bereits die Lokalität verlassen, wird Prätorius von einem verwirrten Verehrer der Hauptdarstellerin mit einer Pistole bedroht. Ein paar Tage später ist er verschwunden. Kurz darauf erhält Grappa ein Video, in dem Vermummte Nello dazu zwingen, Klassiker zu rezitieren und künstlerisch zu interpretieren. Der Kritiker bricht in Weinkrämpfen zusammen. Kurze Zeit später, wird er tot auf einer Müllkippe gefunden. Grappa nimmt die Fährte auf. Sie deckt gnadenlos Prätorius' Amouren mit der eher einfach strukturierten aber wohlproportionierten Beate Elstermann auf, deren Freund Nello im Theater mit dem Tode bedrohte. War sie die Mörderin, weil Prätorius sie in Grund und Boden geschrieben hatte oder war es sein Freund und künstlerischer Seelenverwandte Lazarus Beutelmoser, der es nach langer erfolgloser Zeit als Schriftsteller, auf Nellos Spätwerk „Die Geschichte von Adam und Eve", eine zweitklassige Abhandlung des maskulinen Alterns, abgesehen hat? Grappa findet heraus, daß alle namhaften Mitglieder des bierstädter Kulturgeschehens, Angehörige der „Loge" sind, einem undurchsichtigen Verein zu Förderung des Kulturguts. Die Situation spitzt sich zu, als Beate Elstermann erdrosselt aufgefunden wird. Mit ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und Unmengen italienischen Essens, gelingt es Grappa bravourös Licht in das Dunkel und sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.
Wollenhaupts 3. Episode der „Grappa"-Krimis zeichnet sich - wie die beiden Vorgänger - durch hintergründigen Witz, augenzwinkernden Feminismus und erstklassige Erzählkunst aus. Die Figur der Maria Grappa ist außerordentlich authentisch und in sich stimmig geschildert. Man lernt eine moderne Frau kennen, die nach ihren eigenen Wertvorstellungen lebt und diese auch gegenüber der Umwelt konsequent umsetzt. Daß sie dabei nicht frei von Fehlern ist, rundet das Gesamtbild ab. Der Roman ist anspruchsvoll witzig geschrieben. Besonders erholsam für den Leser ist die Natürlichkeit mit der die Autorin das Verhältnis Mann/Frau betrachtet. Keine Belästigung mit öden Elogen lila Gedankenguts findet statt. Wollenhaupt ist offensichtlich der Meinung, daß Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nicht zur Diskussion steht, da selbstverständlich (auch wenn das leider nicht flächendeckend anzutreffen ist)! Einzige Kritikpunkte sind der laue Schluß sowie die gewählte Namengebung, die sich eher auf Schülerzeitungsniveau bewegt.