Gabriella Wollenhaupts Stil ist durchdrungen von einer beißenden und stellenweise fast zu offensichtlichen und etwas platten Ironie, weshalb ich das Buch anfangs beinahe weggelegt hätte. Doch als sich Maria Grappa im schwarzen Lack-Leder-Kostüm als Sklavin in das o.g. "Chez Justine" begibt und sich heftigste Dialoge mit dem blasierten Wichtigtuer Dr. Armin Lika liefert, musste ich einfach weiterlesen. Und wurde nicht enttäuscht.
Frau Wollenhaupt lässt kein gutes Haar an dreisten Schreiberlingen, aufgeblasenen Profilneurotikern und weiblichen Profithaien. Sie zieht gerne alles, aber am liebsten ihre Protagonistin Maria Grappa durch den Kakao, was z.B. dieses Zitat verrät:
"Du siehst so komisch aus, Grappa", musterte Jansen mich. "Ist irgendwas? Bist du krank?"
"Ich bin ungeschminkt", knurrte ich. "Außer meinen Katzen und dem Milchmann hat mich noch nie jemand in diesem Zustand gesehen."
"Und ich dachte immer, deine Katzen seien eines natürlichen Todes gestorben", wunderte er sich. "Und wie geht es dem Milchmann?"
Also Männer, Vorsicht - hier wird scharf geschossen! Doch Frau Wollenhaupt kreiert durchaus auch positive männliche Charaktere, wie den Redaktionsleiter Peter Jansen oder den Kollegen von der Konkurrenz Tom Piny. Auch Frauen kriegen bei G.W. ihr Fett ab, wie Oberstaatsanwältin Dr. Cora (Gräfin?) Cosel oder Gerlinde (Gerry) Smart, erfolgreiche Software-Entwicklerin und OB-Kandidatin der CDU.
Freilich gibt es auch wieder einen geheimnisvollen Mann in Marias Umfeld, den Bosnier Nazmi, den alle des Mordes verdächtigen (alle, bis auf Grappa natürlich!) und wir erfahren viel Wissenswertes über den Tod, die Lasterhaftigkeit und die Wolllust ... Der Krimi streift die Themen Bosnienkrieg, Kriegsverbrechen und Vergewaltigung von Frauen und die Frage, wer nun eigentlich im Sado-Maso-Spiel der wirkliche Gefangene ist.
Mein Fazit: locker-freche Schreibe mit ernstem Hintergrund. Wer diese Art von Ironie nicht versteht, den warne ich eindringlichst vor dieser Lektüre.