Dies ist der fünfte Krimi aus der Reihe um Maria Grappa und von den sechs, die ich bisher gelesen habe, hat dieser mir am wenigsten gefallen. Ich war doch etwas enttäuscht. Maria war mir natürlich gleich wieder sympathisch, denn nach mehreren Grappas ist sie einem einfach vertraut und ich mag sie sehr. Allerdings fehlte mir hier das quirlige Tempo und der besondere freche Witz, den Grappa sonst mehr versprühte. Hier wirkte für mich alles etwas angestrengt und einseitig. Vielleicht lag es an der heißen griechischen Sonne, denn in der Umgebung Bierstadts, wo Grappa lebt und arbeitet, hat sie bisher mehr Fahrt gehabt. Die Reibungspunkte mit ihren Kollegen fehlten ihr hier wohl.
Aber vielleicht hielten sich ihre scharfe Zunge, ihr vorschnelles Handeln und ihre aufdringlichen Ermittlungen ja deshalb so zurück, weil sie so sehr dem Reiseleiter verfallen war. Sie wirft in jedem Krimi ein Auge auf das männliche Geschlecht, was auch immer wieder zu komischen Situationen führt, aber hier bekam es so viel Gewicht, dass ich teilweise das Gefühl hatte, einen Liebesroman zu lesen. Zusammen mit den recht häufigen Beschreibungen über die griechischen Ausgrabungen und Mythologie, trat der Krimi mir zu sehr in den Hintergrund. Grappas Liebesleben und die griechischen Götter verdrängten ihn fast, so dass der Fall sich am Ende wie von selbst auflöste. Und da das Buch sogar noch dicker war, als die vorher gelesenen, war mir das wirklich zu wenig Krimi. Das fand ich sehr schade.
Aber ich habe ja gerade den nächsten Krimi mit Grappa angefangen und der scheint bisher wieder das gewohnte Tempo und Format zu versprechen. Deshalb sehe ich diesen Krimi als bisher einmalige Enttäuschung und freue mich auf die nächsten.