Ich bin Fan von Gabriella Wollenhaupt und habe schon einige Bände aus der Grappa-Reihe gelesen. Jedesmal wieder gefallen mir der schnoddrig bis ironische Erzählstil und die toughe Hauptperson Maria Grappa- ein journalistisches "Schlachtross", d.h. eine, die schon lange im Geschäft ist und die weiß, wie der Hase läuft. Ich kann mich über diesen Büchern sehr gut entspannen. Sie verlangen nicht meine absolute Konzentration, sind amüsant, unterhaltsam und dennoch durchdacht. Die 224 Seiten hatte ich an zwei Tagen ausgelesen.
Bierstadt steht Kopf: Die Talentshow "Wir suchen dich, Superstar" ist zu Gast und veranstaltet ein großes Casting. Polizeireporterin Maria Grappa ist allerdings wenig begeistert. Ihr neuer Chef hat ausgerechnet sie auserkoren, über die Veranstaltung zu berichten. Lieber würde sie den Machenschaften der Kirche der Erleuchteten , die vor den Toren der Redaktion ihren Werbestand aufgebaut haben, auf den Zahn fühlen. Als jedoch der unsympathische Chefjuror von WSDS, Pitt Brett (der immer alle Bohlen im Zaun hat), entführt wird, findet Grappa schlagartig auch die Show äußerst spannend.
Ganz klar - manche Anspielungen sind hier so deutlich, dass sie vermutlich jeder versteht: mit Pitt Brett ist Dieter Bohlen gemeint und WSDS anstelle von DSDS ist nun auch nicht so besonders originell. Dennoch - wie Gabriella Wollenhaupt den Schlagerproduzenten in ihre Story einbaut, das kommt schon irgendwie gut rüber: er ist so, wie er ist - alle Welt regt sich über ihn auf, weil er seine ehrliche Meinung sagt und die kids in der Sendung nicht mit Glacéhandschuhen anfasst.
Doch nicht nur mit dem Pop-Titan muss Maria Grappa kommunizieren, sondern auch mit ihrem neuen Chef, Dr. Berthold Schnack, der aus dem Bierstädter Tageblatt eine Heimatzeitung machen will. Und das Grappa, die nun einmal die journalistische Aufklärungsarbeit liebt und dazu auch noch den Hauptkommissar Kleist, mit dem sie eine gelegentliche Beziehung führt - living apart together. Als witziges Element in dieser offenen Beziehung kommt Grappas Eifersüchtelei gegenüber einer früheren Arbeitskollegin von Kleist hinzu.
Das ernste Element in diesem Krimi sind die dubiosen Machenschaften der Kirche der Erleuchteten - einer Sekte, die aus den USA stammt. Dabei kann Maria Grappa tatsächlich einige Ungereimtheiten näher beleuchten und mit Hilfe ihrer guten persönlichen Kontakte zur Polizei aufdecken. Es geht um Abhängigkeiten, Kopfwäsche und um Machtmissbrauch.
Ich mag den schnoddrigen Erzählstil der Autorin und die dominante Art von Maria Grappa sehr und kann den Krimi allen Frauen im mittleren Alter wärmstens empfehlen. Ich halte das Buch nicht für ganz außergewöhnlich, daher gebe ich auch keine fünf Punkte, aber für einen weiteren gelungenen Band aus der Grappa-Reihe.