Nach ihrem für mich eher enttäuschend passivem Part im letzten Krimi "Grappa fängt Feuer", dreht Grappa hier im sechsten Buch wieder zu ihrer gewohnten Stärke auf. Das ist allerdings auch wirklich nötig, denn hier bekommt sie es mit einem Profikiller zu tun, der seine Opfer nie verfehlt. Er behauptet zwar, keine Frauen und Kinder zu töten, aber trotzdem wird auf Grappa geschossen. Wer Grappa kennt, weiß, dass sie das natürlich weder einschüchtert, noch davon abhält, weiter auf eigene Faust zu ermitteln. Denn einerseits ist sie als Reporterin immer hinter einer spannenden Story für ihre Zeitung her und andererseits kann sie einfach nicht anders, als sich in alles reinzuhängen, was nach einem Verbrechen aussieht. Schon gar nicht, wenn ihr die Opfer vor die Nase fallen und der Killer sie regemäßig anruft, um ein bisschen mit ihr zu plaudern.
Der Fall hat mir wieder richtig Spaß gemacht. Grappa war wieder in Hochform und ich habe mich köstlich amüsiert. Ihre gepfefferten Dialoge mit dem ermittelnden BKA-Beamten ließen Schadenfreude aufkommen, ihre Gespräche und Zusammentreffen mit dem Killer El Lobo hatten fast etwas Vertrauliches, ihre "Zusammenarbeit" mit der Polizei ist immer wieder ein Vergnügen, denn Grappa entscheidet immer noch selbst, wann sie welche Informationen weitergibt. Da regt sich sogar der örtliche Ermittler mittlerweile nicht mehr drüber auf. Gegen Grappa kommt er sowieso nicht an und er ist sicher froh über jedes Häppchen, das er von ihr bekommt. Ihr journalistisches Geschick, mit den richtigen Fragen oder dem richtigen Zeitungstext für Unruhe unter den Verdächtigen zu sorgen, ist vielleicht nicht immer ungefährlich, aber meist hilfreich. Überhaupt ist sie auch hier wieder nicht auf den Mund gefallen und zusammen mit ihrer gefährlich spontanen Entscheidungsfreudigkeit tappt sie von einer haarsträubenden Situation in die nächste.
Natürlich sind die Handlung und die Figuren auch hier wieder überspitzt und man fragt sich, wie das zu dem ernsten politischen Thema Waffenschmuggel, Vertuschung und Beteiligung passt. Aber gerade das finde ich bei diesen Krimis immer wieder gelungen. Die Autorin, selbst Journalistin, greift brisante Themen auf und verpackt sie in temporeiche, teils skurille Geschichten, die trotz des Witzes den Ernst dahinter nicht vergessen lassen.