Der Fotoband "Grand-X Nudes" von Jean-Paul Four aus der Edition Skylight enthält auf 120 Bildseiten etwa 140 Schwarzweiß-Fotos von spärlich bekleideten jungen Damen, einzeln oder zu zweit, mit starkem Fetisch- und BDSM-Charakter.
Bei Fours Fotos ist ein großes Format wichtig und von entscheidender Bedeutung für den Bildeindruck. Wie schon bei seinen früheren Bänden "Erotic X-Treme" und "My Erotic X-Files" ist das Layout der "Grand X-Nudes" aus der Sicht des Betrachters jedoch unvorteilhaft und hätte sich diesmal bei gleicher Anzahl Seiten und Fotos leicht besser gestalten lassen. Nur 54 Fotos im Hochformat sind etwa auf Seitengröße gebracht, weitere 21 im Querformat sind auf je einer Seite mittig angeordnet. 7 wohl nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Querformate sind doppelseitig angedruckt, mit teils recht störendem Buchfalz dazwischen, die 60 übrigen nehmen nur ein Viertel einer Seite (6x9 oder 8x12 cm) bzw. 5 davon sogar nur ein Achtel (4x6 cm) ein. Hätte man auf die doppelseitigen Andrucke verzichtet und je zwei Querformate untereinander angeordnet, dann wäre bei gleicher Seitenzahl Platz genug gewesen, um fast alle Hochformate ganzseitig auszuvergrößern.
Jean-Paul Four bleibt seinem Stil treu und verbindet auch weiterhin in seinen Fotos klassischen Akt, künstlerische Pornografie (Porn-Art) und Fetisch-Elemente, insbesondere Fesselung. Letzteres nur selten in ausgeprägtem japanischem Bondage-Stil, sondern meist (nach meinem Empfinden) zur unterstützenden, die Muskeln des Modells entlastenden Fixierung des weiblichen Körpers in besonders ästhetisch anmutenden Posen, häufig hängend, wobei auch der eine oder andere dunkle Trieb des Betrachters durchaus befriedigt werden mag. Die von Amazon bereit gestellten Beispiel-Fotos sind diesbezüglich repräsentativ, wenn auch die Mehrzahl der Bilder im Buch weitaus Expliziteres zeigt. Neben weit Aufgespreiztem in Leder und Nylon sowie Dildos in Vagina und Anus findet man in diesem Band Nippelklammern, Strap-On, Augenbinden/Masken, aber auch Brautschleier und Cocktailkleid und als vielleicht besondere Attraktion bzw. Provokation ein Foto mit einem hochschwangeren Modell.
All das klingt martialisch und ist es wohl auch, gleichwohl kann sich der geübte Betrachter der Faszination jedes einzelnen Bildes nicht entziehen. Man sollte schon einmal Fesselungs-Fotos und Pornografie gesehen haben, um die Kunst in Jean-Paul Fours Bildern angemessen würdigen zu können. Auch empfiehlt es sich nicht, sich allzu sehr in die Modelle hinein zu versetzen, die manche für sie unbequemen Posen sicher länger als gesundheitlich zuträglich auszuhalten hatten. Herausgekommen sind jedoch wunderbare Bilder, die ungeachtet aller sittlichen Provokation dem ästhetischen Empfinden und dem künstlerischen Auge schmeicheln, oder andersherum zeigen, dass selbst sittlich Provokantestes bei entsprechender künstlerischer Überhöhung als schön empfunden werden kann, insbesondere wenn es bestimmte natürliche Schlüsselreize in sich trägt. Jean-Paul Four selbst schreibt in seinem Vorwort dazu (in der englischen Übersetzung, die deutsche finde ich nicht so gelungen), ich zitiere: "I am not merely interested in taking pictures of erotic, scantily clad women in high heels, a kind of <<chic fetishism>> with a minimum of background, and I am not interested in producing commercial, elegant portraits of desirable females. My aim is to establish a kind of sexual awareness that is almost religious." (Zitat Ende.)
Fazit: Eine würdige Fortsetzung der extravagant-provokativen, ebenso expliziten wie hoch ästhetischen Fetischkunst des Fotografen. Leider enthält auch dieser Band wie bereits seine Vorgänger etwa zur Hälfte viel zu kleinformatige Bilder. Dem Genießer sei in diesem Zusammenhang Fours großformatiger Band "On Stage" ans Herz gelegt, dessen Farbdruck allerdings wiederum das Pornografische der Arbeiten stärker betont. Weniger martialisch, aber besser im Layout, ebenso explizit und neben aller Kunst wohl auch erotischer für den Mainstream-Geschmack sind die Fotobände von Didier Carre oder Dirk Krauzig aus der gleichen Reihe.