Die Grand Theft Auto-Serie ist nun seit über einem Jahrzehnt bekannt für ihre spielerische Freiheit, eine unterhaltsame Geschichte mit witzigen Charakteren, einem tollen Gameplay aus Feuergefechten und Verfolgungsjagden sowie monatelangem Spielspaß. In der Complete Edition befinden sich neben dem Hauptspiel noch zwei Zusatzepisoden (The Lost and Damned, The Ballad of Gay Tony).
GTA IV erzählt die Geschichte von Niko Bellic, einem slawischen Bürgerkriegsveteran, der in die fiktive amerikanische Stadt Liberty City kommt. Zusammen mit seinem Cousin Roman, welcher seit Jahren in Liberty City lebt und Niko vom Amerikanischen Traum erzählt, möchte er ein neues Leben anfangen. Doch es kommt alles anders. Schon beim ersten Treffen merkt der Spieler, dass Roman längst nicht so wohlhabend ist und ein tolles Leben führt, wie er es Niko die ganze Zeit gesagt hat. Man weiß, dass eine Menge Arbeit ansteht, um sich einen großen Namen zu machen. Dieser Weg ist lang und steinig, führt den Spieler in einige schlimme Situationen und Niko muss sich fragen, ob es das Ganze am Ende wert war. In GTA IV gibt es Verrat häufiger als einem lieb ist. Als Spieler muss man in den sauren Apfel beißen und die Drecksarbeit für Jedermann erledigen, um die Chance auf ein besseres Leben zu haben. Und dann wäre noch Nikos Suche nach einer ganz bestimmten Person, welche er von früher kennt und den er zur Rechenschaft ziehen möchte.
Die Welt von GTA IV ist kompromisslos und zeigt, mit welch harten Bandagen im Gangsterdasein gekämpft wird. Allerdings ist das Spiel nie übertrieben brutal, sondern realistisch, passend zum rauen Umgangston. Teilweise hat man die Wahl, wen man am Leben lässt und wer sterben soll, was auch Konsequenzen auf das Ende hat oder für ein Wiedersehen einer Figur sorgt. Wendungen in der Handlung, gut geschrieben und glaubhaft vertonte Dialoge sowie eine gute Charakterzeichnung liefern Pluspunkte in erzählerischer Sicht. Der schwarze Humor, welcher ein Markenzeichen für die Grand Theft Auto-Reihe ist, existiert nach wie vor und die Entwickler trauen sich auch die amerikanische Gesellschaft zu kritisieren.
Gameplaytechnisch gibt es im Vergleich zu den Vorgängern nicht viel Neues. Das Zielsystem ist überarbeitet und funktioniert nun präziser denn je, Niko kann hinter Deckung Schutz suchen und die Fahrzeuge steuern sich nicht mehr ganz so einfach. Die Missionen haben zumeist den Ablauf „Fahre zu Arbeitgeber A, erledige Zielperson B oder Beschaffe Gegenstand C“. Doch die Missionen sind spannend und werden dadurch nicht langweilig. Das liegt auch daran, weil die Umwelt um einen herum in einer Mission weiterhin existiert. Es ist also möglich, dass man bei einer Verfolgungsjagd auch schon mal in den normalen Zivilverkehr reinfährt oder die Polizei Wind von einer Schießerei bekommt und einen verfolgt, was für zusätzliche Spannung sorgt. Abseits der Hauptmissionen gibt es wieder Nebenbeschäftigungen wie Polizeieinsätze und Taximissionen, aber auch Autorennen, Kurier- und Attentatsmissionen. Die bekannten Krankenwagen- und Feuerwehreinsätze sind allerdings gestrichen wurden. Ein neues Zentralelement ist die Freundesfunktion. Niko kann sich mit verschiedenen Personen anfreunden, die einem gewisse Boni verleihen. Freizeitbeschäftigungen wie Billard oder Bowling sind ebenfalls vorhanden.
Obwohl das Hauptspiel bereits über 4 Jahre erhältlich ist, kann sich die Grafik, welche durch die Rockstar eigene Rage-Engine sowie die Euphoria-Engine, welche Trefferverhalten und Bewegungen von Personen realitätsnah simuliert, immer noch sehen lassen. Liberty City ist eine der schönsten Städte, die es in einem Videospiel jemals zu sehen gab. Keine Ecke gleicht der anderen, überall gibt es viele Details zu entdecken. Da unterhalten sich Personen auf der Straße oder rufen ein Taxi, Hotdogs werden verkauft, mal jagen Polizisten einen Verbrecher oder die Müllabfuhr verrichtet ihre Arbeit. Dies erzeugt eine extrem dichte Stadtatmosphäre, wobei die Liste solcher kleinen Details endlos ist. Liberty City ist an New York angelehnt und die Entwickler fangen dieses Gefühl hervorragend ein. Außerdem gibt es schicke Licht- und Wettereffekte, detaillierte Fahrzeugmodelle (mit sehenswertem Schadensmodell) und Explosionen zu bestaunen.
Auf akustischer Seite gibt es wieder eine Reihe von Radiosendern. Hier ist von Techno, Beat, Hip Hop bis hin zu Pop und Rock bzw. Hard Rock alles dabei. Die Autos könnten ein wenig kraftvoller klingen, gehen aber trotzdem noch als gut durch. Überzeugend sind auch die Waffensounds, welche druckvoll aus den Lautsprechern ertönen.
Kritik kann ich wenig üben. Die vielen Details zollen in manchen Situationen ihren Tribut. Das Spiel lebt von einer generellen leichten Unschärfe. Dabei ist die Bildrate in vielen Momenten nicht immer konstant. Jedoch kommt es nur selten zu starken Einbrüchen, die den Spielfluss negativ beeinflussen. Die Texturschärfe könnte höher sein, aber es handelt sich um ein Open World-Spiel. Außerdem ähneln sich viele der Missionen in ihrem Ablauf. Ein wenig mehr Variabilität wäre gut gewesen.
R* typisch besitzen die Spiele nur eine englische Originalsynchronisation, aber mit deutschen Untertiteln. Es kann für Personen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, schwer sein dem Geschehen zu folgen, besonders während einer Verfolgungsjagd. Zum Glück lassen sich die Gespräche im Menü nachlesen. Eine deutsche Synchronisation vermisse ich nicht, da sie schon wirklich sehr gut sein müsste, um den Charakteren den gleichen Charme und Ernsthaftigkeit zu verleihen.
Wer noch nicht genug hat, kann sich in beide Zusatzepisoden stürzen. In „The Lost and Damned“ spielt man Johnny Klebitz, ein hochrangiges Mitglied der Bikergruppe „The Lost“. Der frühere Anführer der Gruppe Billy Grey saß im Knast. In dieser Zeit konnte Johnny Frieden zwischen „The Lost“ und der konkurrierenden Bikergruppe „The Angels of Death“ vereinbaren. Nach Billys Freilassung will er jedoch wieder der Chef sein und löst den Waffenstillstand auf. Die Gruppe beginnt sich zunehmend zu teilen. Manche sehen Billy als Anführer an, die anderen Johnny. Neben neuen Charakteren gibt es auch neue Schießeisen, Motorräder, Radiosender und Nebenbeschäftigungen (z.B. Motorradrennen).
Die zweite Episode beleuchtet das Nachtleben von Liberty City. Hier schlüpft man in die Rolle von Luis Fernando Lopez, dem Türsteher von zwei Clubs, die Anthony Prince, bekannt als „Gay Tony“ gehören. Gay Tony ist schwer verschuldet bei einigen Kriminellen und zudem durch seine finanzielle Lage noch drogenabhängig geworden. In der Geschichte muss man Gay Tony aus dem Schlamassel helfen, was wieder zu vielen Konflikten führt, zumal Luis Lopez jahrelang wegen Drogenhandels im Knast war, den er mit seinen Freunden Armando und Henrique betrieben hat.
In beiden Episoden trifft man auf Charaktere aus dem Hauptspiel und erkennt einige Situationen wieder. Das sorgt für nette „Aha“-Momente. Im Gegensatz zu GTA IV und The Lost and Damned ist The Ballad of Gay Tony nicht ganz so rau, sondern etwas humorvoller geworden. Zudem wurde der Grafikstil überarbeitet. Der Unschärfeeffekt (GTA IV) und Rauschfilter (GTA IV + TLAD) sind fast vollständig verschwunden, das Spiel ist schärfer. Hinzu kommen neue Waffen (eine vollautomatische Schrotflinte mit Sprengmunition!) und neue Fahrzeuge, darunter auch ein Panzerwagen. Für die Ohren gibt es ebenfalls neue Radiosender und die bereits bekannten bieten durch die Bank weg neue Lieder. Fans von GTA: San Andreas (PS2) begrüßen mit Sicherheit die Rückkehr des Fallschirms. R* hat zudem weitere Nebenbeschäftigungen wie Drogenkriege oder das Kämpfen in der Underground-Szene eingebaut.
Wer noch nie etwas mit der GTA-Serie anfangen konnte, wird wohl auch bei diesem Teil nicht wirklich umgestimmt werden. Alle anderen dürfen sich auf mindestens 50 Stunden (GTA IV + Episoden) voller Spielspaß freuen. Zusätzlich bieten GTA IV und die Episoden von Liberty City einen spaßigen Online für bis zu 16 Spieler. Hier kann man sich im freien Modus austoben und allen möglichen Schabernack treiben oder in Team-Deathmatch, Autorennen und anderen Spielmodi seinen Spaß haben. Privatspiele sind ebenso möglich wie benutzerdefinierte Einstellungen. Schön ist auch, dass R* Games die Complete Edition mit allen Patches (inkl. Trophäenpatch) ausliefert. Dem Spielvergnügen steht somit nach der Installation nichts im Wege.
Sonstige Informationen: 1152*640 Pixel, 1 Spieler (bis 16 Spieler online), Festplatten-Installationsgröße GTA IV 3339 MB, Zusatzepisoden zusammen ca. 2,5 GB, Dolby Digital 5.1