Endlich ist es soweit! Nachdem für die Handheld-Konkurrenz aus dem Hause Sony bereits zwei Ableger der beliebten GTA-Reihe erschienen sind, sind endlich die NDS-Besitzer an der Reihe. Und obwohl der DS in Sachen Leistungsfähigkeit nicht an die PSP herankommt, demonstriert Rockstar erneut, weshalb sich ihre Spiele wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln verkaufen ...
In 'Chinatown Wars' besucht der geneigte Spieler Liberty City - zum mittlerweile fünften Mal in der Serie. Diesmal schlüpft er in die virtuelle Haut von Huang Lee, dessen Vater, ein reiches Mitglied der lokalen Triaden, ermordet wurde, um Rache zu üben. Kaum angekommen, erfährt Huang die amerikanische 'Gastfreundschaft': er wird überfallen, angeschossen und beinahe ertränkt. Auf der Suche nach den Mördern seines Vaters gerät Huang mitten in einen erbitterten Machtkampf, nicht nur zwischen den zahlreichen Gangs, sondern auch innerhalb der Triaden ...
Wie seine Vorgänger ist auch 'Chinatown Wars' ziemlich einsteigerfreundlich. Mittels Hilfstexten werden die Steuerung und Aktivitäten der Stadt erklärt, die ersten paar Missionen fungieren als reine Tutorials. Ist man mit dem Spiel vertraut, wird es ernst - man holt sich Aufträge, tätigt Drogendeals, klaut Autos und verdient Geld, während man versucht, nicht im Strudel aus Verbrechen, Betrug und Korruption, der Liberty City ist, unterzugehen.
Während PSP-Spieler auf ihrem Handheld die gleiche Engine geboten bekamen, die Rockstar für ihre 'GTA III'-Spiele benutzt hat, erhalten DS-Besitzer eine leicht schräge Topdown-Perspektive, die mich sofort an die Prä-'GTA III'-Teile, insbesondere 'GTA 2', erinnerte. Überhaupt hat 'Chinatown Wars' zahlreiche Anleihen an die Klassiker: holt man sich eine Mission, wird nicht, wie bei den großen Brüdern und den PSP-Ablegern, durch Cutscenes der Auftrag eingeleitet, sondern wird einem dieser mittels Text vermittelt. Zweifellos war auch dies eine Sparmaßnahme, genau wie die monotonen Radiosender. Doch Technik ist bekanntlich nicht alles.
Was 'Chinatown Wars' an technischen Stärken fehlt, macht es durch spielerische Qualität wieder wett. Das Gameplay ist, wie bei den meisten 'GTA'-Titeln, butterweich, die Missionen sind nicht zu schwer, aber fordernd, abwechslungsreich und motivieren zum Weiterspielen, der Humor des Spiels ist gewohnt schwarz und die Charaktere einmal mehr makaber genug, um interessant zu sein. Die DS-Steuerung ist gut umgesetzt; insbesondere aber ist der Einsatz des zweiten Bildschirms durchdacht: während die Action auf dem oberen Screen stattfindet, enthält der untere den HUD, zusammen mit dem Radar, sodass mein seine Position und Ziele stets gut im Blick hat. Dies ist aber nicht seine einzige Funktion: zahlreiche Minispiele wollen nämlich mit dem Stylus bestritten werden. So müssen manche parkenden Autos erst kurzgeschlossen werden - was in anderen Sandbox-Spielen nicht interaktiv war, muss der Spieler diesmal von Hand erledigen. Diese Minispiele sind keineswegs zu schwer, lockern das Gameplay durch ihren intelligenten Einsatz aber ungemein auf. Ferner dient der untere Screen zur Navigation, beispielsweise bei Drogendeals, beim Nutzen der Accessoires des Appartements - oder schlicht innerhalb des Pause-Menüs.
Obwohl 'GTA: Chinatown Wars' von der Technik oder Präsentation her nicht annähernd mit den PSP-Ablegern mithalten kann, spielt es eindeutig in der gleichen Liga, was den Spielspaß anbelangt. Die innovative, sinnvolle Nutzung der DS-Funktionen weiß zu gefallen und durch die Topdown-Perspektive kommt herrliches Retro-Feeling auf. Auch die Landzeitmotivation ist angesichts der zahl- und abwechslungsreichen Missionen sowie der Größe der DS-Variante von Liberty City absolut gegeben. Rockstar zeigte eindrucksvoll, dass der DS kein reiner Kinder-Handheld ist und auch Erwachsenen etwas bieten kann.