Eigentlich gibt es nur zwei wirklich gute, weil authentische und mitreißende Spielfilme, die das Rennsportmilieu beschreiben: Der eine ist (für die Langstreckenrennen) Le Mans mit dem Sportwagenfanatiker Steve McQueen, der andere (für die Formel-1) John Frankenheimers Grand Prix. Lange musste man auf eine DVD-Veröffentlichung dieses Films warten, die dafür umso überzeugender umgesetzt wurde.
Als Frankenheimer 1966 Grand Prix drehte, geschah dies in realen Rennen, mit den damaligen Top-Formel-1-Fahrern und Schauspielern, die (bis auf einen) die Fahrzeuge selbst über die Strecken pilotierten. Denn es ging Frankenheimer um eines: Authentizität. Dies überzeugte sogar den sonst so misstrauischen Enzo Ferrari, weshalb er dem Regisseur erlaubte, sein Werksteam zu nutzen und in seinen bislang der Öffentlichkeit verschlossenen Hallen in Maranello zu drehen. Ferrari war insbesondere von den Aufnahmen fasziniert, die durch spezielle, an den Rennwagen montierten Super-Panavison-Kameras möglich wurde. Weitere Szenen entstanden mit einer auf einem umgebauten Ford GT 40 montierten Kamera, den Rennfahrer Phil Hill bei den Dreharbeiten fuhr. Wenn man das Ergebnis dieser Anstrengungen heute sieht, ist man noch immer begeistert und teilweise verblüfft, wie dynamisch und mitreißend diese Fahrszene 40 Jahre nach ihrem Entstehen noch immer wirken. Höchst erfreulich, dass neben dieser Bildgewalt die Story selbst mit Tiefgang und auch kritischen Untertönen zu überzeugen weiß. So versucht er mit den Worten der Rennfahrer aus dem Off zu erklären, warum sie sich in diese filigranen, mit dünnen Blechen verkleideten Maschinen setzen und sich damit immer wieder aufs Neue einem möglichen Unfalltod aussetzen, der in den 60ern eine häufige Begleiterscheinung der Formel-1 war. Viele der in diesem Jahrzehnt berühmt gewordenen, aber auch verunglückten Fahrer sind in zahlreichen Nebenrollen zu sehen. Die berühmte Szene der Fahrerbesprechung zeigt das ganze Who-is-who der damaligen Formel-1-Piloten, das von Graham Hill, über Jack Brabham, Lorenzo Bandini, Jochen Rindt, Richie Ginter, Dan Gurney bis hin zu Jim Clark reicht. Selten gelang es, eine fiktive Handlung so eng mit der Realität zu verweben, wie es Frankenheimer glückte. Ob es Zufall ist, dass man bei James Garner in seiner Hauptrolle irgendwie ständig an Frankreichs Comic-Rennfahrer Michel Vaillant denken muss? Die Ähnlichkeit ist jedenfalls auffallend!
Mitte September d.J. wurde Grand Prix endlich in einer würdigen Special-Edition-2-Disc-Set veröffentlich. Wohl der hohen Datenmenge Willen, wurde der fast dreistündige Film auf zwei DVDs verteilt. Auf der zweiten DVD finden sich zudem ein Making of und diverse Dokumentationen über die Gestaltung und den Ton von Grand Prix, die Rennstrecke von Brands Hatch und anderes mehr. Der auf dem Cover als Special bezeichnete Punkt Speed Channel: Der Geschwindigkeitskanal entpuppt sich allerdings als äußerst kurzer Werbespot für den Satellitenkanal Speed Channel und ist völlig überflüssig. Da Grand Prix im Cinerama-Widescreen-Verfahren in Super-Panavision aufgenommen wurde, zeigt sich das Bildformat im extremen Verhältnis von 2,20:1. Wohl dem, der einen 16:9-Fernseher sein Eigen nennt. Da sich der Film Dank digitaler Überarbeitung in wirklich bestechender Schärfe und für sein Alter erstaunlich klaren und leuchtenden Farben zeigt, macht gerade die Verwendung eines Beamers für den maximale Genuss von Grand Prix Sinn, was auch dem von Frankenheimer oft (manchmal zu oft) eingesetzten Split-Screen-Effekt (mehrere Einzelszenen gleichzeitig nebeneinander) zu Gute kommt. Dabei gibt es manchmal so viel zu sehen, dass man schlichtweg überfordert wird. Es dürfte eine beabsichtigte Parallele zum Rennsport sein, bei dem man seine Augen auch nicht gleichzeitig auf alle teilnehmenden Fahrzeug richten kann. Vielleicht ist dies auch das Geheimnis, weshalb Grand Prix den Zuschauer in einigen Sequenzen regelrecht atemlos und schwindelig zurück lässt. Sicher ist, dass es einen Film von der Qualität und Klasse wie Grand Prix nie wieder geben wird, dafür ist die heutige Gelddruckmaschine Formel-1 zu unpersönlich und distanziert geworden. Daher wird John Frankenheimers Meisterwerk, der damals mit einem überzeugenden Konzept zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war, für immer der beste Spielfilm über die Formel-1 bleiben. Schon deshalb gehört diese grandiose DVD in die Filmsammlung eines jeden auch nur halbwegs am (historischen) Rennsport Interessierten!