Eigentlich ist die Geschichte von Fleischman sehr traurig. Er ist in seinem ganzen Leben noch nie aus seiner Heimatstadt Liberec, dem früheren Reichenberg in der heutigen Tschechischen Republik herausgekommen. Als sich seine Eltern das erste Auto kauften, machten sie an der Stadtgrenze Bekanntschaft mit einem russischen Panzer, seitdem lebt er ohne sie. Zuerst in einem Heim, später bei seinem entfernten Verwandten im Grandhotel, das wie eine Rakete auf dem Berg sitzt.
Fleischman, dessen Vorname keine Rolle zu spielen scheint, plaudert ungezwungen über sein Leben und seine Hobbys. Dabei erfährt der Leser nicht nur von seinen Besuchen bei Frau Doktor, sondern auch so einiges über die tschechisch-deutsche Vergangenheit.
Jaroslav Rudis ist ein hervorragender Beobachter und kann mitreißend erzählen, was ich an einem kleinen Ausschnitt verdeutlichen möchte:
"Dann fährt er mit der Hand übers Kinn und bürstet sich dabei die unrasierten Barthaare. Insgesamt hat er dort eintausendvierhundertdreiundfünfzig Haare. Echt, ich habe sie einmal gezählt, als er geschlafen hat. Vielleicht möchtet ihr wissen, warum ich das gemacht habe. Frau Doktor war auch neugierig. Keine Ahnung. Womöglich nur, weil es mir Spaß macht, alles Mögliche zusammenzuzählen. Ich habe zum Beispiel nur vierundneunzig Barthaare. Und auf der Brust insgesamt nur sechs. Unten sind es ein paar mehr, aber viel mehr auch nicht."
Fleischman, der Protagonist, ist ein Außenseiter der Gesellschaft und hat sich damit abgefunden. Doch wie er das beschreibt, hat mir teilweise Tränen in die Augen getrieben. Nicht aus Mitleid, sondern wegen des trockenen Witzes, der zwischen den Zeilen hervorlugt.
Ein Buch, das nicht nur Tschechienkennern Freude bereitet! Dieser Humor ist einfach umwerfend!