Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ganz großes Kino!, 14. Oktober 2009
Walter Kowalski (Clint Eastwood), für seine wenigen Freunde Walt, war im Koreakrieg. Dort hat er vor bald 60 Jahren unsägliche Grausamkeiten erlebt, aber auch angerichtet. Seither ist Kowalski ein verbitterter Pedant. Sein Haus ist stets militärisch-makellos gepflegt, seine schon lang erwachsenen Kinder mit schärfsten Drill erzogen und daher entfremdet. Als seine Frau beerdigt wird, verhält sich auf der Trauerfeier vom Priester bis zum letzten Gast auch niemand respektvoll genug für seine Vorstellungen. Ganz klar: Walter Kowalski will man nicht als Nachbarn haben. Als im leerstehenden Nachbarhaus eine koreanische Familie einzieht, scheint für Kowalski entgültig der Siedepunkt erreicht worden zu sein. Spätestens als der Nachbarjunge Taoh, von einer lokalen Gang angestiftet, seinen 1972er Gran Torino beschädigt, droht das angespannte Nachbarschaftsverhältnis in einen Kleinkrieg umzuschlagen. Doch als die Gang seine Nachbarn anfängt zu terrorisieren, beginnt Kowalski einzuschreiten...
Mit 80 Lenzen zeigt Clint Eastwood mehr Biss beim Filmemachen als manche Regisseure, die dem Zuschauer das Blaue vom Himmel versprechen, dies aber meist nicht einhalten können. Sein geradezu kammerspielartiges Drama "Gran Torino" verknüpft die aktuellen sozialen Probleme von Amerikas Ballungsräumen, gekonnt mit den Dämonen, die ein alter Mensch und Kriegsveteran mit sich herumschleppt. Dass dadurch Walters Entfremdung von der eigenen Familie vorangetrieben wird, zeigt umso deutlicher, dass die "Abschiebepolitik" der westlichen Gesellschaft, die ihre Alten lieber in Heime verbannt, als sie im Mittelpunkt der Familie zu halten, bis ins Mark fehlgeleitet ist - ganz anders wie bei seinen koreanischen Nachbarn.
Besonderes Augenmerk legt Eastwood dabei auf die späte Annäherung der Kulturen zwischen seiner Figur, dem verbissenen Veteranen, und dem pickeligen, jungfräulichen und offensichtlich nichtsnutzigen Sohn seiner asiatischen Nachbarn, die offenbar gekommen sind, um sein geliebtes Amerika zu überfremden.
Eastwood inszeniert mit nur wenig Aufwand das Wesentliche einer jeden Szene, sein Film wirkt wie das 100-Prozent handgemachte Endprodukt eines Filmliebhabers - Old School, wie es sie nur selten gibt in Hollywood. Wenn Hauptdarsteller Eastwood dann noch knurrend den Mundwinkel verzieht, um seinen Unmut auszudrücken, dann merkt man warum der Mann eine Legende vor und hinter der Leinwand ist.
Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ansehen und genießen. "Gran Torino" ist wahrlich ein vielschichtiges Meisterwerk, an dem sich so mancher vermeidliche Filmemacher eine dicke Scheibe von abschneiden kann - 5 Sterne.
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108 von 139 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fremde, Verwandte, Freunde, Kirche, Vergebung, Rache und Mut: ein weiteres Meisterwerk., 2. April 2009
Clint Eastwood gelingt mit diesem Film etwas ganz Besonderes:er vermittelt Einblicke in die übersättigte amerikanische Mittelschicht und verknüpft damit fremde Welten in der Nachbarschaft, die einem oft näher stehen als die eigenen Verwandten.
Es ist kein Film über Rassismus, sondern eine Metapher zu Übersättigung, Macht und Rache. Macht ist in allen Schichten vorhanden, ganz unten ist sie nur besonders ersichtlich und direkt. Kowalski, der Korea-Veteran und treue Fordarbeiter gerät nach dem Tod seiner geliebten Frau unversehens in einen Bandenkrieg seines Viertels, das zunehmend von Fremden bewohnt wird. Dabei findet er keinen Halt bei seinen verzogenen, gierigen Kindern und Enkeln (wunderbar gespielt und in ihrer Übersättigung und Dekadenz kaum besser beschreibbar).
Die Handlung entwickelt eine unglaubliche Spannung, vermittelt intelligente Dialoge und lebt von dem Unterschied zwischen spießigem, viel zu sattem Amerika und der fremden chinesischen Welt. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass sich Kowalski mit der Familie nebenan anfreundet und dem Sohn, einem "Weichei", zur Seite steht und ihm - weil er wohl seine eigenen Kinder nie erzogen hat - den Weg in die Zukunft weist. Dabei sind wir beim Kernthema aller Eastwood Filme: sie machen Mut, wollen den Entrechteten helfen, in jedem Autonomie und die klare Sicht auf die Dinge wecken.
Clint Eastwood spielt einfach überragend und lässt sein bekanntes Spucken auch hier mit ein- bzw. ausfließen. Er setzt sich, wie so oft, mit der Kirche auseinander und zelebriert in den Dialogen mit dem Geistlichen höchste Schauspiel- und Philosophiekunst.
Das Ende ist sehr überraschend, ungewöhnlich und der Höhepunkt eines Plotts, der mich wirklich begeistert hat. Werde den Film öfters ansehen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bitte mehr davon!!, 11. Oktober 2009
Es gibt hier bereits viele Bewertungen zum Film. Dennoch kann ich es mir nicht verkneifen, den soeben erst gesehenen Film zu bewerten. Dafür war er einfach zu gut!
Diesen Film sieht man zu 85% mit einem Grinsen im Gesicht. Man schmunzelt über den schrägen, unausstehlichen Vogel, den Eastwood als Hauptdarsteller abgibt. Selbstgefällig, verbittert, engstirnig und ausländerfeindlich, zudem immer einen bösen Spruch auf den Lippen - das ist Walt Kowalsky. Er sagt den Leuten schonungslos was er gerade über sie denkt und macht sich damit natürlich keine Freunde. Bis eines Tages die Dinge ihren Lauf nehmen und der unausstehliche Kerl in Ereignisse verwickelt wird, die Schritt für Schritt zu einer Kettenreaktion führen...
Tja, mehr wird nicht verraten. Wirklich ganz großes Kino, keinen Moment langweilig. Über die Minuten wird man in den Film hineingezogen, fiebert mit. Wartet auf den nächsten sarkastischen Spruch und ist schon wieder nachdenklich über die nächste Szene... Es gibt jedoch auch Stellen, an denen sich eine eisige Kralle um das eigene Herz legt, weil man mit den Hauptcharakteren mitleidet, Angst um sie hat. Selbst Tränen sind geflossen, soviel darf ich hier verraten.
Ein grandioser Film, den man gesehen haben sollte. Ohne einen erhobenen Zeigefinger vorgeführt bekommen zu haben, denkt man während und nach dem Film darüber nach, wieviel ein einzelner Mensch bewirken kann - wenn er es nur zulässt...
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