Die erste Auflage des Kompass Wanderführers Gran Canaria beschreibt 28 Wanderungen. Davon sind 26 Wanderungen als leicht bis mittel schwer eingestuft. 5 bis 6 werden als "kinderfreundlich" gekennzeichnet. 12 Routen bin ich selbst gewandert.
Die Auswahl der Routen ist eine hervorragende Planungsgrundlage für Wanderferien auf Gran Canaria. Inwieweit das dem Autor zuzurechnen ist, bleibt fraglich, da ich häufig Wanderern begegnet bin, die andersfarbige Wanderführer in der Hand hielten.
Das enthaltene Kartenmaterial ist für eine grobe Orientierung geeignet. Die Höhenlinien sind im Abstand von 100 m eingezeichnet. Wegen der Topographie der Insel läuft man leider Gefahr, in ein falsches Tal zu wandern. Auch sind nicht alle Forststraßen und Wege eingezeichnet. Ein Wanderweg ist auch auf der falschen Seite der Straße eingezeichnet.
Die Höhenprofile geben nicht das Geländeprofil korrekt wieder, da nur die ausgewählten Punkte mit Geraden miteinander verbunden sind. Dabei hat der Autor nicht immer die tiefsten und höchsten Punkte der Wanderung berücksichtigt. Das trifft dann auch auf die angegebenen Höhenmeter der Routenvorschläge zu.
Die Beschreibungen der Wanderungen sind geeignet, die vorgeschlagenen Routen zu finden. Die Sicherheitshinweise sind zutreffend. Exakt sind die Beschreibungen aber nicht. Zur Abklärung muss man so Umwege in Kauf nehmen. Der Autor verwechselt rechts mit links, die Straßenbezeichnung ist nicht immer korrekt, die Zeitangaben sind sowohl zu großzügig als auch zu knapp, ein gelbes Gebäude entpuppt sich als weiß, die geographischen Bezeichnungen von Orten stimmt mit den vor Ort angebrachten Schildern nicht überein und Wegverzweigungen sind nicht vollständig oder nicht korrekt beschrieben.
Die Tour durch den Naturpark Tamadaba verläuft weitestgehend entlang der Rundstraße. Während der Autor vollkommen zurecht die Route abseits der Straße wenigstens durch die Siete Pietos beschreibt, bleiben die vom Naturpark eingerichteten Wanderwege rechts und links der Rundstraße vollkommen der Erkundungslust des Wanderers selbst überlassen.
Die Palmitos-Rundwanderung beginnt ohne Not auf dem Parkplatz des kommerziellen Palmitos Themenparks. Der Zugang zum Wanderweg wird durch ein abgeschlossenes Tor, Zaun und Kameraüberwachung versperrt. Selbst auf Nachfrage bei den Angestellten bleibt der Zugang verweigert. Hier steht aber ein öffentlicher Parkplatz an der Straße GC 503 zur Verfügung. Dadurch verkürzt sich der Anmarschweg zur eigentlichen Rundwanderung erheblich. Wer im Vertrauen auf den Autor den Parkplatz am Palmitos-Park erreicht hat, braucht einen eigenen PKW oder Taxi, um den Parkplatz an der GC 503 zu erreichen. In der zugehörigen Karte ist der Anmarschweg nicht exakt eingezeichnet, was die Orientierung noch zusätzlich erschwert.
Der Hinweis zum Palmitos-Park "Kompass Highlight" liest sich wie ein Werbeprospekt des Anbieters. Dabei bleibt vollkommen unberücksichtigt, dass dieser Themenpark Wasser und Landschaft in einem ökologisch sensiblen Bereich verbraucht hat, obwohl diese künstliche Oase an einem beliebigen anderem Ort der Insel hätte erbaut werden können.
Der Autor weiß dann noch zu berichten, dass sich im Meer vorgelagert Korallenriffe befinden, die dann durch die Kraft des Meeres zermahlen die Sanddünen von Maspalomas bilden würden. Sand wird von der Natur aus Sandstein gemacht und dieser ist reichlich auf Gran Canaria vorhanden. Auf der Wanderung durch die Pilancones Berge hätte sich der Autor mit eigenem Auge davon überzeugen können. Auch konnte ich vor Ort nicht feststellen, dass die Dünen aus feingemahlenem Kalk bestehen. Es ist Sand.
Insgesamt ist der Wanderführer ein eher durchschnittliches Büchlein, welches nur Wanderern mit ausreichendem Orientierungssinn empfohlen werden kann. Hinsichtlich der falschen Zeitangaben empfiehlt sich manche Tour nur bei ausreichender Kondition und mit Taschenlampe, wenn dann unvorhergesehen die Nacht einbricht. Wegen der im Detail beschriebenen Ungereimtheiten ist das Büchlein aber eher als unterdurchschnittlich mit zwei Sternen zu bewerten.