Zu allererst sollte das Buch nicht als Lehrbuch im Sinne eines Schulbuches zum Selbststudium verstanden werden. Es ist eher für wissenschaftliche Zwecke geeignet, daher nur für Fortgeschrittene und Kundige empfehlenswert. Bis auf einige kleine Unachtsamkeiten, die einem auffallen mögen, bietet das Buch einen passenden und ordentlichen Einblick in die Grammatik des Kirmanckî (Zazakî).
Der große Kritikpunkt allerdings: Das Buch diene ursprünglich rein linguistischen Zwecken! Herr Selcan maßt sich hierbei jedoch an, linguistische Fakten in politische umwandeln zu können und diskreditiert damit die Kurden in ihrer Integrität, besonders diejenigen, die das Kirmanckî zu ihrer Muttersprache zählen. Die grammatische Analyse des Zazakî beginnt erst ab Seite 123, bis dahin wird in der Einleitung eine Erörterung aufgeführt, die erstens die Sprecher des Zazakî als ein nicht-kurdisches Volkes zu klassifizieren und zweitens das Kurdische an sich als linguistisch fragwürdig zu deklarieren versucht.
Hierin liegt die große Enttäuschung dieses Werks. Die gesamte Einleitung liest sich wie eine Indoktrination der Ethnologie. Mögen auch gewaltige linguistische Diskrepanzen in den verschiedenen kurdischen Sprachen herrschen, so nehme sich Herr Selcan bitte nicht das Recht heraus, seine politische Meinung, nämlich dass die Zazakî-Sprecher keine Kurden wären, als repräsentativ für alle Muttersprachler gelten zu lassen. In jenem Buch aber scheint es so, als verstünden sich alle Kirmanckî-Sprecher unisono als Nichtkurden. Hierbei wurde wohl bewusst herausgelassen, dass die Mehrheit sich doch zum kurdischen Volke verbunden fühlt, trotz Kommunikationsschwierigkeiten. Diese unilaterale Darstellung der Tatsachen mag einiges über die Intention des Schreibers aussagen...
Zusammentragend kann gesagt werden, dass ein kompetenter Überblick in die Grammatik des Zazakî gegeben ist, jedoch alle nicht-linguistischen Behauptungen dieses Buches mit äußerster Vorsicht zu genießen sind.