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Man kann die Frage auch so zuspitzen: Kann es eine atheistische Kunst geben? Steiner wagt es, dies zu bezweifeln. Genau mit dieser Frage muss sich aber seiner Auffassung nach die Kultur der Moderne konfrontieren, nachdem eine Ästhetik zur Herrschaft gelangt ist, die sich von der Verpflichtung auf das Ganze der Welt abgelöst hat.
Was Steiner auf mehr als 300 Seiten entwickelt, ist also nichts weniger als eine Onto-Theologie der Kunst, die von dem Gedanken ausgeht, dass die herausragenden Werke der bildenden Kunst und Literatur aus der ontologischen Fiktion der Analogie zur göttlichen Kreation der Welt ihren Wert, aber auch ihre Macht bezogen haben, Betrachter und Interpreten zu bewegen. Schöpfung war daher immer mehr als bloße Erfindung; Steiner verwendet den an Heidegger angelehnten Ausdruck "Ins-Sein-Treten", um die Analogie begrifflich zu erfassen. Man kann unmöglich die Etappen zusammenfassen, in denen Steiner seine Grundidee entwickelt: Wie Schöpfungsgeschichten in den großen kosmologischen Mythen mit theologischen, metaphysischen und ästhetischen Vorstellungen miteinander zusammenhängen und unser Bild von Kunst, Musik und Literatur geprägt haben.
Wer allerdings geglaubt hätte, dass zu den Klassikern der europäischen Literatur ohnehin schon alles Wichtige gesagt sei, wird bei der Lektüre eine angenehme Überraschung erleben. So gelingt es Steiner -- um nur ein Beispiel zu nennen -- auf wenigen Seiten eine subtile Interpretation zum Verhältnis von Schöpfung und Originalität in Dantes Divina Commedia zu entfalten, die auch dem Kenner dieses Werkes neue Aspekte vermittelt. Steiners perspektivenreiche Lektüren gehören denn auch zu den besonders erfreulichen Erfahrungen beim Lesen dieses an Fußnoten fast provokativ armen Buchs.
Man wird Steiners kulturkonservative Prämissen, seine Skepsis gegen die modernen Naturwissenschaften und die Errungenschaften der Technik nicht unbedingt teilen, und auch nicht allen seinen ästhetischen Werturteilen folgen. Trotzdem bleibt dieses Buch ein ebenso gedankenreiches wie respekteinflößendes Meisterwerk, das aus der trostlosen und uninspirierten Masse der literaturwissenschaftlichen Durchschnittsproduktion eindrucksvoll herausragt. Steiner erweist sich damit einmal mehr als einer der letzten Repräsentanten des alteuropäischen Humanismus. --Jens Kertscher -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
»Unmöglich, George Steiner nicht zu lieben. Weil er ein unvergleichlicher Kritiker ist, der den schwierigen Autoren der philosophischen Literatur, von Hegel bis Heidegger, von Spinoza bis Simone Weil, der ihren akademisch einbalsamierten Texten zu neuem Leben verhilft. Weil er ein Tiefensüchtiger ist, der die Tiefensucht des Geistes, speziell in seiner deutschen Ausprägung, ironisch an den Ohren zieht und dabei abgrundtief versteht.«
Süddeutsche Zeitung
»George Steiner gehört zu den wenigen Kulturkritikern, die ohne Wehleidigkeit und in einer zugänglichen Sprache die Grundfragen unserer Zivilisation verständlich machen, den Kontinuitätsbruch des 20. Jahrhunderts, die Entstehung neuer Wahrnehmungsmöglichkeiten, aber auch die damit einhergehenden Verluste.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Eine inspirierende Geschichte der Kreativität.«
Tages-Anzeiger, Zürich
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5 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
George Steiner: Grammatik der Schoepfung,
Rezension bezieht sich auf: Grammatik der Schöpfung (Taschenbuch)
George Steiner - Joschka Fischer nennt ihn den Meister des
Wortes, BBB verweist auf den Beiklang Dantes und auf den Riss Malewitschs - und Inka Bohl beginnt in der aktuellen Ausgabe des Literaten mit einem Ab- und Ausschnitt des Gespraeches Mattenklotts mit Steiners in der Akademie der Kuenste, dessen Ausgangspunkt das Buch "Warum Denken traurig macht" war: eine rhetorische Frage fuer Humanisten, da Barbarei und Tod eine stumme Endgueltigkeit auch in der neuen Geschichte behalten. Dennoch endet der "Untergangsgesang" "hinter Steiners Stirn" nicht hoffnungslos. "Die Hoeflichkeit unserem Gastgeber gegenueber gebietet es", Steiner. Was die Naturwissenschaft fuer illegitim haelt, wird bleiben: die Sterne und die Augen der Kinder. Siegfried Lebherz Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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