Das Entscheidende für mich ist an diesem Buch, daß es genau schildert, in welch kleinen und präzisen Schritten Vertrauen zwischen Hochschulgelehrten und Armen aufgebaut wird. Die Grameen-Initiative legt wert darauf, Arme, die ja auch oft unter mangelnder Schulbildung leiden, an das System der Kreditaufnahme und regelmäßigen Rückzahlung zu gewöhnen, ja sie regelrecht darin zu schulen. Wesentlich ist die Bildung von Gruppen, die einzelnen Mitgliedern helfen können, die in Schwierigkeiten geraten, aber auch einen gewissermaßen moralischen Druck ausüben, damit sie mit ihren Kreditverpflichtungen nicht nachlässig umgehen. Die erfolgreiche Rückzahlquote verblüfft den Laien. Aber auch, dass Professor Yunus sich an die wirklich Armen wendet, ihnen mit geringen Summen schon die Ausübung eines kleinen Gewerbes oder Handwerkes ermöglicht und die Hoffnung selbst wiederholt vom Schicksal schwer Gebeutelter stärkt. Das Modell werde ich mir zuherzen nehmen, wenn ich einmal die Chance haben sollte, in einem armen Land etwas strukturell verbessern zu können. Jeder mit solchen Ambitionen mag sich dieses Buch durch den Kopf gehen lassen. Davon abgesehen ist es auch eine interessante Biografie über das Leben in Bangladesh, von dem wir ja meist nur Katastrophales in den Nachrichten erfahren, und ein Plädoyer für religiöse Toleranz. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)