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Der vorliegende Roman "Brühl" erzählt den Aufstieg des langjährigen Premierministers Sachsens unter August III. und endet mit der Entmachtung seines langjährigen früheren Freundes und Widersachers Sulkokowski, dem Favoriten des trägen Thronfolgers und späteren Königs Friedrich August II. Durch List und Intrige erreicht es der durchaus fähige bildschöne Brühl, sich bei Friedrich unentbehrlich zu machen und aufzusteigen. Mit der Entmachtung Sulkowskis 1746 beginnt seine Herrschaft, die er bis zum Tode seines Gönners Friedrich Augusts II. 1763 (Brühl selbst stirbt drei Wochen nach dem König) ausübt. 1763 ist zugleich das Jahr des Endes des siebenjährigen Krieges, in dem Preußen und Brühls Gegner, Friedrich der Große, als Sieger hervorgeht. Diesen Teil ab 1746 schildert Kraszewski in dem Folgeband: "Aus dem siebenjährigen Krieg".
Nun entwirft Kraszewski, der - in der Tradition des Historienromans von Walter Scott sehr breit und ausführlich schreibt - kein angenehmes Bild des Emporkömmlings Brühl. Walter Fellmann gibt allerdings in seinem hervorragenden Nachwort zu bedenken, dass das negative Brühl-Bild, welches im 19. Jahrhundert unumstritten war, durch die Sicht der preußischen Sieger bestimmt worden ist. Heutige Brühl-Biographen zeichnen ein differenzierteres Bild dieses durchaus fähigen Politikers, der fleißig und organisatorisch talentiert an der Seite eines trägen Kurfürsten Sachsen regieren mußte und an der Übermacht Friedrichs II. von Preußen schließlich scheiterte. "SO er die Macht dazu besaß, bewegte er einiges: Die Meißener Porzellananufaktur, deren Direktor erwar, erlebte eine Blütezeit, und in Forst und in Pförten, dem Kern seines Privatbesitzes, entstand eine leistungsfähige Tuchproduktion. Daß den Wettinern nach dem Tode Augusts des Starken die Krone Polens blieb, war wesentlich Brühls Verdiensts. Er galt in Europa als fähiger Diplomat, nur versagte seine Diplomatie letztlich, und das allein zählte. Sachsen war unter den Druck erstarkter Nachbarstaaten geraten, besonders Preußens, das unter Friedrich II. zur "Abrundung des Staates" nach der Einverleibung Sachsens strebte. Brühl...war gegen den mit einsernem Besen herrschenden Preußenkönig chancenlos. Er maßte sich ein Amt an, das ihn überforderte." Diese - zutreffenden - Informatonen Walter Fellmanns muß man bei der Lektüre berücksichtigen, um ein differenziertes Bild Brühls zu bekommen.
Aber insgesamt ein fesselnder historischer Roman in der Tradition Walter Scotts, der - obwohl breit geschrieben - äußerst spannend zu lesen ist.
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