Vorweg: Seit gut einem Jahr habe ich nun meine Graef und bin insgesamt sehr zufrieden mit ihr. Direkt davor hatte ich einen Siebträger von Pavoni, der zwar deutlich mehr Charme besaß, aber auch deutlich mehr Probleme und technische Ungereimtheiten.
Die Graef macht schon nach relativ kurzer Zeit (<7 Minuten mit einmal spülen) einen 1a Espresso, wenn die Rahmenbedingungen stimmen (Kaffeesorte, Frische, Mahlgrad, Anpressdruck, Temperatur). Sehr nützlich finde ich es (nachdem mir früher immer mal die Tassen übergelaufen sind weil ich "multitasken" wollte), dass die Graef 2 programmierbare Füllmengen (1 oder 2 Tassen) speichert, die Füllung erfolgt zuverlässig nach Wassermenge, nicht nach Zeit. Für ewige Spielkinder scheinen die weiteren Programmiermöglichkeiten zu sein, aber tatsächlich ist es nützlich, z.B. die Brühtemperatur in 5 Stufen an die Kaffeesorte anpassen zu können (ich verwende meist die beiden heißesten Einstellungen, je nach Sorte, habe aber auch schon runterregeln müssen, denn manche Sorten schmecken schnell verbrannt).
Licht und Schatten bei der Programmierbarkeit liegen dicht beieinander. So finde ich die Bedienungsanleitung in diesem Punkt unzumutbar, da man nirgends eine Schnellübersicht über alle Programmiermöglichkeiten und die dafür notwendigen Tastenkombinationen hat. Die Tasten auf der Oberseite sind vom Druckpunkt her leider nicht so präzise wie wünschenswert, zudem verdrecken / verkleben die Ritzen zwischen Taste und Gehäuse doch leicht.
Das Manometer ist ein schöner Gag und hat den guten Nebennutzen: wenn der Druck heftig schwankt, ist es wahrscheinlich Zeit das Brühsieb zu reinigen und auch mal wieder eine Rückspülung vorzunehmen. Der automatische Reinigungszyklus ist durchdacht und profitiert von der Elektronik der Maschine: eine (etwas sehr umständliche) Tastenkombination drücken, Siebträger mit Reinigungsscheibe und Reiniger (Puly Caff) rein, kleines Gefäß drunter und nach nicht mal 10 Minuten ist alles fertig, pikobello sauber gespült, es kommt beim nächsten Bezug klarstes Wasser ohne irgendwelche Kaffeereste aus dem Brühkopf. Allerdings lässt man die Maschine während der Reinigung am besten allein machen, denn: die Pumpe knattert schon heftig laut. Da gibt es deutlich leisere Modelle. Charakteristisch (und kein Fehler, sondern Konstuktionsmerkmal) ist zudem die "Preinfusion" genannte Technik: es werden beim normalen Bezug erst 6 kurze Pumpstöße nacheinander abgegeben (Intervall), dann läuft die Pumpe durch.
Was den Gebrauch der Maschine etwas trübt, ist die Oberflächenhärte. Mit der Zeit sind doch diverse kleinen Macken im weißen Lack, trotz pfleglichem Umgang. Und ein Nachteil zur normalen Edelstahlversion der Graef ist die Tropfschale: sie darf nicht in die Spülmaschine.
Positiv ist, dass die Füße vorn höhenverstellbar sind und hinten Rollen haben, so kann die Graef auch mal vorgezogen werden zum Putzen oder wenn der Wassertank mal ganz raus soll. Übrigens hat die Graef sowohl eine optische (rotes Blinklicht) als auch eine - nicht zu aufdringliche - akustische Warnung, wenn das Wasser im Tank zur Neige geht. Das finde ich sehr gut gelöst, denn nichts ist ätzender (und schädlicher) als die Pumpe einer Espressomaschine leerlaufen zu lassen.
Zur Qualität der Dampffunktion gibt es geteilte Meinungen. "Richtig" programmiert ("nasser" Dampf, hohe Temperatur) ist der Dampf ausreichend und schön gleichmäßig, aber nicht sehr stark. Mit anderen Maschinen kann man definitiv schneller aufschäumen als mit der Graef, aber der erzeugte Milchschaum ist prima. Übrigens ist im Lieferumfang ein Schäumkännchen, das zwar nicht die höchsten Weihen für Luxus verdient, aber für eine "Dreingabe" sehr gut ist. Ich nutze es jedenfalls häufiger als mein 39 EUR Hochglanz-Kännchen.
Gegenüber des Dampfauslasses liegt ein zweiter Knauf mit ebenfalls schwenkbarer Düse: hier soll man Teewasser beziehen. Diese Funktion ist meiner Meinung nach völlig überflüssig, da das Wasser so dermaßen quälend langsam in die Tassen gepulst wird, dass es noch nicht mal als Notbehelf taugt. Höchstens zum Tassen Vormwärmen zu gebrauchen.
Alles in allem: Sehr schönes Design und interessante Detaillösungen. Super Zubehör. Pumpengeräusche etwas laut, Dampfleistung etwas schwach, Heißwasserbezug witzlos. Sonst nichts zu meckern. Meine Empfehlung.