Ich habe Graceling innerhalb von eineinhalb Tagen gelesen und ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand viel länger brauchen wird; um es besser auszudrücken: niemand wird es KÖNNEN, denn dieses Buch zieht einen wahrhaftig in seinen Bann.
Kristin Cashore hat eine Welt kreiert, die so ausgefeilt und mit den schönsten, passendsten Worten beschrieben ist, dass man gar nicht genug von diesem Ort und seinen Bewohnern lesen kann. Die Charaktere sind wohl überlegt, stark und überzeugend. Die Geschichte birgt Überraschungen, wo man keine erwartet, selbst für solche Leser, die den Ausgang einer Geschichte immer schon im Voraus erahnen - das weiß ich, weil ich selbst so jemand bin, der alles schon vorher weiß. ;)
Und obendrauf gibt es noch eine zum Träumen schöne Liebesgeschichte, die nicht ein einziges Mal kitschig oder überflüssig ist.
Kurz zum Inhalt:
In Kristin Cashores Welt gibt es sieben Königreiche, in denen immer wieder Kinder geboren werden, die eine Gabe haben (auf Englisch heißt es "grace", ich vermute mal die Übersetzung wäre in etwa "Gabe"). Diese Kinder erkennt man daran, dass sie zwei unterschiedliche Augenfarben haben und weil die Gaben so vielseitig und unvorhersehbar sind, werden die "Begabten" (auf Englisch "gracelings") gefürchtet und ausgenutzt. (Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Diese Gabe kann wirklich ALLES sein, zum Beispiel Schwimmen, Klettern, Kämpfen oder Gedanken lesen ... wirklich alles ist möglich.) Katsa, die Hauptperson, hat die Gabe zu Töten und der König, ihr Onkel, benutzt sie, um seine Feinde zu bestrafen und einzuschüchtern.
Die Geschichte beginnt damit, dass Katsa einen alten Mann aus dem Verlies eines anderen Königs befreit und dabei jemandem begegnet, der offensichtlich auch eine Gabe hat, denn er ist der erste, der in einem Kampf gegen sie wenigstens eine Zeit lang bestehen kann.
Das Buch entwickelt sich dann relativ rasant und Katsa lernt unter anderem Dinge über ihre Gabe, die sie nicht für möglich gehalten hätte.
Was mir am besten an diesem Buch gefallen hat war, dass Katsa ein so direkter Charakter ist - wenn sie etwas neues erfährt, konfrontiert sie andere damit und das gibt der Story gehörigen Schwung schon von Anfang an.
Ich war richtiggehend traurig als ich auf der letzten Seite war, weil Graceling eines der besten Fantasy-Bücher ist, die ich gelesen hab. Und zum Glück erscheint nächstes Jahr (allerdings erst im Herbst) die Fortsetzung, die aber, soweit ich das richtig gedeutet hab, nicht von Katsa handelt. Ich werde sie aber mit Sicherheit lesen, weil ich nach der Lektüre von Graceling bei weitem noch nicht genug von Kristin Cashore und ihrer wunderbaren Welt habe.