Wenn man es sich einfach machen will, drückt man "Graceland" einfach den Stempel "World Music" auf und zieht zufrieden von dannen...
Paul Simon, der einst mächtig Kritik dafür einstecken musste, dass er zur Zeit der Arpatheid nach Südarfrika reiste (wir befinden uns in den Mittachzigern), um dort mit einheimischen Musikern ein paar Tracks aufzunehmen, ist dabei aber weit mehr gelungen, als eine kommerziellere Form afrikanischer Musik. Es ist doch um einiges komplexer, um einiges "eigener" als das, was uns sonst (meist) in Dritte-Welt-Läden als "World Music" verkauft wird.
Es ist Herrn Simon außerdem hoch anzurechnen, dass er mit seinem Vorhaben mehr Menschen erreichte, als sich das viele Hilfsorganisationen wohl jemals träumen lassen...
Im Prinzip ist "Graceland" eine Popplatte, die gepaart mit schönen Texten, so leicht von der Seele geht, wie ein schöner Sommertag im Freien. Das schönste Beispiel hierfür ist mit Sicherheit der Ohrwurm "You Can Call Me Al" - das auch mein Favorit auf der Scheibe ist!
Hinzu kommen noch "afrikanische Elemente" - die keineswegs aber, so wie man vielleicht meinen könnte, müßig hineingemischt, sondern vielmehr selbstverständlicher Bestandteil der Songs sind - mal mehr mal weniger freilich. Paul Simon hat also die richtigen Leute zur richtigen Zeit um sich geschart!
Und so ungezwungen, wie hier Pop und Tradition aufeinandertreffen, so ungezwungen hört sich auch die Produktion der Platte an. Zwar kenne ich die vorherigen Versionen nicht, aber dieses "2011 Remaster" erfüllt alle Ansprüche, die einen entspannten Hörgenuss erfordern, problemlos.
"Graceland" ist für mich - und ich bin sicher kein eingefleischter Simon- und/oder Garfunkel-Fan - so eine Art afrikanisches Popsagenbuch, das Afrika musikalisch in unsere heimeligen Wohnzimmer transportiert.
Dass es viele Wohnzimmer sein müssen, die damit erreicht wurden, beweist die Tatsache, dass hier immer noch so ausführlich über die Platte geschrieben und diskutiert wird.
Ebenso ist festzuhalten, dass "Graceland" seinerzeit zudem ein großer kommerzieller Erfolg war - was (glaube ich) von vorn herein aber eher nicht unbedingt abzusehen war.
Nicht umsonst gilt "Graceland" - zumindest, wenn man dem Rolling-Stone-Magazine glauben möchte - auch als eine der 100 besten Rock/Pop-Platten aller Zeiten. Zurecht, würde ich meinen...
Resümee: Ein schönes, poppiges, abwechslungsreiches Album voller Schönheit und Tiefe. Gleichzeitig ein Gute-Laune-Album, für sämtliche Käuferschichten empfehlens- und besitzenswert!
5 STERNE also!