Okay, das Album hat Schwächen, also 3 Sterne. Aber dann es gefällt mir doch wieder sehr gut, also lieber 5 Sterne?
5 Sterne:
Wenn man sich darauf einlässt, dass Grace/Wastelands ein Album voller romantisch-versponnener und opulent aufgemachter Tracks ist, dann kann man eine durchaus bereichernde Zeit damit zubringen, Mr Doherty beim Grübeln über Liebe, Freundschaft und Einsamkeit zuzuhören.
Jedes Stück für sich allein ist ein perfektes kleines Kunstwerk voll ätherischen Schönheit und zarter Melancholie. Bei seinen Texten hält Doherty sich klugerweise von gut abgehangenen Metaphern fern, sondern schafft Atmosphäre durch seine ausdrucksstarke und klare Sprache.
Die Arrangements verlieren trotz vieler Orgeln und Streicher nie ganz die Bodenhaftung, was wohl daran liegt, dass Mr Dohertys Gesang einfach nicht perfekt ist und man oft förmlich hören kann, wie er versucht, den richtigen Ton zu treffen. Das hält so sanfte, romantische Songs wie Sheepskin Tearaway" und New Love Grows On Trees" um Haaresbreite aus den Niederungen des Kitsches heraus - und Doherty nutzt seine nicht immer gehorsamen Stimme genial dazu, die Songs nackt, ehrlich und irgendwie so anrührend unperfekt klingen zu lassen, dass sie immer ihre Glaubwürdigkeit bewahren und am Ende doch noch großartig klingen. Wer sonst als Peter Doherty käme mit so einem Widerspruch durch?
3 Sterne:
Das Werk trägt sich schwer an Streichern und Orgeln und man fragt sich manchmal, ob nicht so manches Stück in seiner schnörkellosen Urform, die man bereits aus der Vergangenheit kennt, besser abgeschnitten hätte.
Bei Sheepskin Tearaway" müht Doherty seine Stimme auf schwindelerregende Höhen, was zwar Gänsehaut verursacht, aber nicht zwangläufig schön klingt. The Sweet By And By" ist ein Jazzstück, das zwar nett klingt, dem durch seine glatte Produktion aber leider die Individualität geraubt wurde. Die schon erwähnten Geigen, Orgeln etc. tränken die eigentlich perfekten Melodien manchmal arg in Pathos und Weltschmerz. Das ist schade, denn das Album ist voller großartiger Songs, denen die teils überfrachtete Umsetzung im Studio nicht immer gerecht werden kann und die sich in ihrer Opulenz gegenseitig zu ersticken drohen.
Das Booklet ist, wie auch schon bei "Shotters Nation" in Kollaboration zwischen Peter Doherty und der Französischen Künstlerin Alizé Meurisse entstanden. Mit seinen manisch kritzelten Texten, Skizzen, Collagen und zarten Bildern ist es beinahe allein schon ein Kaufgrund und passt, dank perfekter grafischer Umsetzung, exakt zur Stimmung des gesamten Albums.
Die Limited Edition beinhaltet eine DVD mit ausführlichem Interview und 4 Songs, die von Doherty als reine Akustik-Versionen im Studio eingesungen wurden. Im Interview spricht Doherty über die Entstehung und Geschichte der einzelnen Songs und die Zusammenarbeit mit Coxon und Street. Die Akustik-Songs beweisen, dass seine Musik auch ohne großes Drumherum großartig funktioniert.
P.S. Je öfter ich die CD höre, desto besser gefällt sie mir...