Auf den Vorwurf, kalt, aufgeblasen und distanziert zu sein, antwortete Grace Kelly: "Ich finde nicht, dass ich das bin. Ich glaube einfach, dass es nicht zu viel verlangt ist, dass auch ich ein Privatleben habe." Über dieses Privatleben meinte Zsa Zsa Gabor: "Grace hatte mehr Liebhaber in einem Monat als ich in meinem ganzen Leben." Auch wenn Konkurrenzdenken die Wahrnehmung leicht verzerrt, gab es Zeiten, in denen die spätere Fürstin einen Ruf hatte, den Hitchcock zum eigentümlichen Statement "Ich brauche Damen, wirkliche Damen, die dann im Schlafzimmer zu Nutten werden" veranlasste. Doch genug der Zitate. Wer mehr davon will, hat einen weiteren Grund, sich diese schöne Hommage an einen wirklichen Star zu kaufen. Aber natürlich lässt die Herausgeberin Suzanne Lander nicht nur Prominente zu Wort kommen, sondern fand in Manfred Hobsch einen Autor, der sich Grace Kelly mit der Würde und dem Respekt nähert, den diese besondere Frau verdiente. Manfred Hobsch ist es zu verdanken, dass der Fokus nicht nur auf die außergewöhnliche Schönheit von Grace Kelly gerichtet ist, sondern ebenso auf ihren Stil, ihre Schauspielkunst und ihre ganz persönlichen Kämpfe mit dem Leben.
Wenige Frauen verkörpern das Märchen vom Aschenputtel so perfekt wie Grace Kelly. Auch weil sie von ihrer jüngeren Schwester vom Thron des Lieblingskindes gestoßen wurde. Der aufregende Weg von der Schauspielerin zur Prinzessin und ihr früher Tod ist der Stoff, aus dem die großen Dramen sind. Und wenn die Hauptdarstellerin ebenso majestätisch wie bodenständig auftreten kann, wie es der schönen Grace Kelly eigen war, wird eben eine andere Geschichte als die eines modernen Starlets erzählt.
Zum Konzept dieser Reihe gehört es, dass nach der biografischen Einführung mit passenden Bildern zum Ordnungsmuster Filme übergegangen wird. Und so kommt es auf Seite 76 zur Wiederbegegnung mit High Noon, Gary Cooper und anderen großen Stars der 1950er Jahre. Danach folgen Texte und Fotografien zu Mogambo - Bei Anruf Mord - Das Fenster zum Hof - Ein Mädchen vom Lande - Die Brücken von Toko-Ri - Über den Dächern von Nizza - Der Schwan - Die oberen Zehntausend. Ab Seite 142 dann der große Wechsel, als Grace Kelly Fürstin von Monaco wurde, was damals nicht nur Filmliebhaber eher mir Bedauern zur Kenntnis nahmen. Und bei diesem Lebensabschnitt überzeugen die Bilder ebenso wie die Texte. Am 14. September 1982 dann der tragische Autounfall, der ein Märchen beendete, das sich auch deshalb nicht wiederholen wird, weil die Zeit der Fürstenhäuser vorbei ist. Zumindest so, wie wir sie aus dem Leben von Grace Kelly her kennen.
Mein Fazit: Eine würdige Hommage an eine Frau, die in ihrer Art und mit ihrem Leben eine Faszination ausübte, wie es sie in modernen Zeiten nicht mehr gibt. Die Auswahl des Bildmaterials ist ebenso hervorragend wie die Arbeit des Texters. Nur wer unbedingt farbige Fotografien braucht, wird mit diesem schönen Bildband nicht restlos zufrieden sein.