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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Barfüßiger Visionär im Sonnenaufgang,
Rezension bezieht sich auf: Grace for Drowning (Audio CD)
"Grace for Drowning", das zweite Solowerk des Porcupine Tree-Masterminds und Tausendsassas Steven Wilson ist definitiv zur falschen Zeit erschienen. In einer Phase, in der sich die Hörerschaft inzwischen gespalten hat in Wilson-Verehrer und Wilson-Hater.Dementsprechend fallen die Reviews aus: wenig objektiv, entweder himmelhochjauchzend oder zutiefst sarkastisch. Ich oute mich an dieser Stelle als Wilson-Lover, die fünf Sterne für "Grace for Drowning" sind somit keine Besonderheit... oder? Mitnichten. Eine kreative Sackgasse war auf den letzten Outputs des Songwriters deutlich spürbar. "The Incident" bewegte sich zwischen proggiger Rafinesse und stumpfer Ideenlosigkeit, "Welcome to my DNA" von Blackfield verschwand ebenfalls schnell wieder im Regal und "Insurgentes", das erste Album unter seinem eigenen Namen, war zwar experimentell und weitaus spannender als die aktuelle Richtung von Porcupine Tree, erstickte die schönen und interessanten Momente leider zu häufig im Drone-Noise-Sumpf. Zumindest gab es da ein Lied - "No Twilight within the Courts of the Sun" - welches so überraschend aus "Insurgentes" mit seinem King-Crimson-Gedächtnisriff herausragte, dass jeder geneigte Prog-Hörer verzückt die Augenbraue hob. Da war es wieder, das Genie Wilson. Und da grinst er wieder, der Fanboy. "Grace for Drowning" stieß nicht nur bei Kost-Verächtern auf Ignoranz, auch in der Fanbasis war die Erwartungshaltung auf null gesunken. Es war völlig egal, was kommen würde, denn letztlich käme man sowieso wieder auf "Lightbulb Sun" und "Returning Jesus" zurück. Genau diese Einstellung dürfte bei vielen Hörern dafür sorgen, beim ersten Durchgang von "Grace for Drowning" mit einer offenen Klappe dazusitzen. "Fear of a Blank Planet", schön und gut. "Blackfield II", ganz nett. Aber hey: Seit wann hat Wilson nicht mehr so berührende Pink-Floyd-Balladen im Stile von "Deform to Form a Star" geschrieben? Und ist "Raider II" nicht auch irgendwie "Anesthetize" auf Speed, völlig bekloppt und wesentlich mutiger als nur eine Reihe von Metal-Riffs? Ist "Postcard" nicht besser als alles, was wir auf der letzten Blackfield zu hören bekamen? Man versteht schnell, warum Steven Wilson mehr als ein Jahr gebraucht hat, um "Grace for Drowning" auf die Beine zu stellen. Nicht nur die unzähligen Gastmusiker - darunter so nahmhafte Persönlichkeiten wie Jordan Rudess (Dream Theater), Trey Gunn, Pat Mastelotto, Tony Levin (alle drei King Crimson), Theo Travis (Quasi Stamm-Flötist bei No-man & Porcupine Tree) und Ex-Genesis Gitarrist Steve Hackett -, sondern auch das detailverliebte Arrangement und das ausgeklügelte Songwriting wissen von monatelanger Arbeit zu berichten. In anderen Reviews wird oft und gerne behauptet, die Musik brauche ihre "Zeit". Ich halte dieses Argument für unsinnig, natürlich muss der Hörer ein Album öfter auflegen, um alle Facetten zu entdecken. Diese Vorgehensweise ist allerdings nicht mit "Schönhören" zu verwechseln. Wenn man beim ersten Durchlauf nicht schon das Gefühl von "etwas Großem" hat, das über einen gerollt ist, so sehe ich auch keine Hoffnung für weitere Rotationen. "Grace for Drowning" ist kein schweres Album. Sicher laufen das jazzlastige "Sectarian", das geniale "Remainder the Black Dog" und das düster-kryptische Epos "Raider II" nicht so leicht ins Ohr wie vermeintliche Pop/Rock-Songs. Doch der Sound ist faszinierend. Da wird man gepackt, mitgenommen. Und mit "Deform to Form a Star", "Like Dust I have cleared from my Eyes" oder "Belle de Jour" gibt es genug melodiösen Stoff, der sich nebenbei angenehm konsumieren lässt. Als Wilson-Fan wird man sowieso für alle Rückschläge in den letzten Jahren mehr als entschädigt. Selbst das kleine, aber feine "Belle de Jour" ist kein Füller, sondern vollwertiges Songmaterial, das ähnlich wie der Titelsong, "Raider Prelude" und "Track One" mit Atmosphäre spielt. Das ist der Bereich, den Wilson immer noch am besten beherrscht. In meinen Augen liefert der Mastermind ein enigmatisches, vielfältiges und hochwertiges Album ab, das Schlenkerer wie "The Incident" schnell vergeben macht. Zwei CDs mögen für den einen oder anderen erschlagend viel Musik auf einmal sein, doch Wilson stopft unsere Ohren nicht penetrant mit seinen Ideen voll. Er lässt seiner Musik endlich wieder Raum zum Atmen, er bietet viel Platz für Improvisation - Live sicher eine interessante Erfahrung. Musik bleibt Geschmackssache, wer es nicht hören will, wird von niemandem gezwungen. Aber wer entweder mit Haut und Haaren den Projekten von Steven Wilson verfallen ist oder einfach nur nach gut gemachter, innovativer Musik sucht, wird zumindest auf "Grace for Drowning" fündig. Es ist ein Jahr der Extreme - extrem viele, neue Alben, im extrem engen Zeitrahmen, mit einem extrem schlechten Flop (Morbid Angel) und einigen extrem guten Alben (darunter die neue Textures, Arch/Matheos, Protest the Hero und Dream Theater). In dieser Flut von Releases stellt "Grace for Drowning" das definitive Highlight im Artrock-Sektor dar. PS: An die "Haters": seid doch nicht immer so... gemein. Die Leute haben eben ihren Spaß an einem barfüßigen Freak, der in letzter Zeit seinen Rasierapparat nicht findet, aber offensichtlich geniale Musik macht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schön und komplex aber nichts für Ungeduldige,
Rezension bezieht sich auf: Grace for Drowning (Audio CD)
Steven Wilsons zweites Soloalbum unter eigenem Namen >Grace for Drowning< klettert mit großartiger Cover- und Bookletgestaltung im üblichen Glover/Hoile Stil aus dem Briefkasten, sehr ästhetisch wenn auch Geschmackssache. Schon hier zeigt sich ein starker Zusammenhang zu Insurgentes, Wilsons 2009 erschienenem ersten Soloalbum.Der erste Höreindruck war zunächst unübersichtlich, für ein Werk Steven Wilsons erscheint Grace for Drowning auf den ersten Blick ungewöhnlich unstrukturiert, wenn auch auf der intuitiven Ebene sehr schön und emotional sehr ansprechend. Stilistisch fusionieren die Jazz-Einflüsse des frühen Prog (hier zeigt sich jahrelanges King Crimson remixen) mit neo-romantischen Chor-Arrangements, filigranen Art-Rock Passagen und der Faszination mit Industrial und Noise die sich schon auf The Incident und Insurgentes zeigt. Einige instrumentale Teile erinnern an Vertreter der klassischen Minimal Music wie Arvo Pärt und Philip Glass. Nach mehrmaligem Hören erschließt sich mir die Platte besser und besser. Wilsons Talent für lange, flache Spannungsbögen scheint mit seiner Vorliebe für kontrastreiche Strukturen und gigantischen Dynamikumfang in Konflikt, verbindet sich aber auf diesem Album ungewöhnlich gut. Das Ergebnis klingt gerade bei allem Genre-Widerspruch eben doch nach einer künstlerischen Einheit und, vor allem was die Schönheit der Melodien und Soundscapes angeht, unmisverständlich nach Steven Wilson. Die Kohärenz des Albums ergibt sich in erster Linie aus der Tongestaltung, den Texturen und der für Wilson typischen Verarbeitung von Stimmen und Gitarren. Textlich ist Grace for Drowning Welten entfernt von der intuitiven Gestaltung von Insurgentes (und wie ich finde überlegen) aber dennoch nicht so konkret wie man es von Porcupine Tree gewöhnt ist. Trotz der Gemeinsamkeiten mit anderen SW-Projekten ist Grace for Drowning ein selbstständiges Werk. Das Album erfordert Arbeit und Hartnäckigkeit vom Zuhörer und wird sich sicher nicht jedem eingefleischten Fan erschließen, es ist den Aufwand aber in jedem Fall wert. Um das Album in den Kontext zu rücken, empfiehlt sich eine Gegenüberstellung mit Opeth's Heritage. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grace For Drowning - Ein völlig aus der Reihe tanzendes Werk,
Von Alexander Hoefer "Animus" (Pähkinäkolo) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Grace for Drowning (Audio CD)
Ich weiß nicht, woher Steven Wilson diese Energie und Kreativität nimmt, so viel Musik, im Falle von - Grace Of Drowning - müsste es wohl heißen, so viel unterschiedliche Musik zu produzieren. Die Veröffentlichung des neuen Blackfield-Albums - Welcome To My DNA - das musikalisch ebenfalls in eine völlig andere Richtung geht, als seine beiden Vorgänger, ist gerade mal ein halbes Jahr her, da schüttelt das Musikgenie abermals ein völlig aus der Reihe tanzendes Solo-Album so mir nichts, dir nichts, aus dem Ärmel, als wenn es nichts einfacheres gäbe, als hoch anspruchsvolle und komplexe Songs zu schreiben, die den Hörer dieses Mal fordern, wie noch nie. Dass dieses Album bisher seine größte Herausforderung war, hat er ja bereits im Vorfeld schon angekündigt, und in der Tat, benötigte auch ich, als eingefleischter Wilson-Fan einige Durchläufe, um mir das neue Album zu erarbeiten. Mittlerweile höre ich es regelmäßig beim Walken kurz bevor es Dunkel wird, oder kurz bevor die Sonne aufgeht, und ich stelle fest, dass es hierbei die größte Wirkung erzielt, was übrigens bei fast allen Wilson-Produktionen der Fall ist. Steven Wilsons überwiegend in Moll gehaltenen und getragenen Songs, kommen einfach am Besten zur Geltung, wenn es dämmert oder wenn es dunkel ist.Das Album beginnt dieses Mal mit dem - Titeltrack - einem leisen und getragenen Piano-Instrumental, das mit einer samtweichen melancholischen Stimmenchoralbegleitung hinterlegt ist. Danach folgt mit - Sectarian - ein komplexes Instrumentalstück, das überwiegend aus harten Gitarrenimprovisation, Riffs und Querbeetsoli, sowie enorm kräftigen und spannungsgeladenen Keyboardsounds im Hintergrund besticht. Spätestens nach dem zehnten Hören wird man süchtig nach diesem Lied. Deform To Form A Star - das dritte Lied, beginnt wieder mit einem Piano-Intro, bei dem kein anderer als Dream-Theater-Keyboardteufel Jordan Rudess die Tasten bedient, und Steven Wilson gleich darauf den Song mit seiner wunderschönen Stimme zu einem gewohnten Gänsehautkino veredelt. No Part Of Me - beginnt ebenfalls ruhig, ist aber mit einem ungewöhnlichen und knisternden Drum-Beat hinterlegt. Auch hier veredelt Wilsons zerbrechliche Stimme den Song zu einem großartigen Hörerlebnis, wobei das Lied im zweiten Teil seine musikalische Richtung völlig verändert. Postcard - ist dann ein Song, der durchaus auch auf dem letzten Blackfield-Album hätte veröffentlicht werden können. Mit dem instrumentalen - Raider Prelude - läutet Wilson dann den gewöhnungsbedürftigsten Titel der ersten Seite - Remainder The Black Dog - ein. Diese 9 Minuten müssen wahrlich erarbeitet werden, und sind im ersten Moment nicht jedermanns Geschmack. Die zweite Seite beginnt mit einem kurzen aber traumhaft-schönen Akkustik-Gitarren-Piano-Instrumental - Belle de jour. Mit - Index - folgt gleich darauf ein Vokal sehr verstörtes und ebenfalls gewöhnungsbedürftiges Lied, das nicht nur mit sehr unruhigen Beats hinterlegt, sondern auch mit einem Drum-Stakkato versehen wurde, um die Spannung langsam zu steigern. Track One - der dritte Song (?) beruhigt dann erst einmal wieder für kurze Zeit die Gemüter, bevor er den Hörer bombastisch und mit einem schönen Gitarrensolo am Ende auf den bisher längsten Wilson-Song - Raider II - vorbereitet. 23-Minuten führt uns der Meister dabei in eine extrem schwierige Alternativsoundlandschaft. Absoluter Freestyle-Jazz mit psychedelischen Elementen erwartet den Hörer auf dieser musikalischen Reise. Dieser Song ist meiner Meinung nach bisher die größte Herausforderung für seine Musikfreunde. Mit dem ruhigen - Like Dust I Have Cleared From My Eyes - einem Song, der ebenfalls auf dem letzten Blackfield-Album hätte landen können, beendet Wilson seinen Doppeldecker, deren Musik man durchaus auf einen Silberling hätte pressen können. Aber vielleicht wollte er ja wirklich, dass seine Hörer nach den ersten 40 Minuten erst einmal eine Pause einlegen, bevor sie sich an die zweite CD heranwagen. Wer weiß? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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