Wie sehr beneide ich jenen Rezensenten, der unten beschreibt, er hätte das Buch an einem Tag ausgelesen. Ich wünschte, ich hätte auch die Gelegenheit dazu gehabt.
Wer zögert, ob sich dieser Krimi wirklich lohnt, dem sei gesagt: ja, auf jeden Fall!
Geschmäcker sind, zugegeben, verschieden, doch für mich hat Erwin Kohl mit diesem Werk das ideale Verhältnis zwischen: Mordermittlung - Charakterbeschreibungen & persönliche Probleme der Protagonisten - Spannung hergestellt. Und all das mit einem Hauch von Charme und Humor. Es passt einfach.
Was mir am meisten imponiert: Kohl versucht nicht, unnötige Spannungsfaktoren einzubauen, die beim Lesen nur nerven - er belässt es dabei, dem Leser zum Beispiel nur soviel Einblick in die Privatsphäre der Ermittelnden zu geben, wie tatsächlich notwendig.
Auch probiert Kohl keineswegs, gezwungen literarisch modern zu schreiben, oder sich an zurzeit gefragten Mustern für anspruchsvolle Bücher zu orientieren. Kohl bietet seinen Lesern genau das, was ich mir von Kriminalliteratur erwarte: einen sprachlich gut beschriebenen spannenden Fall mit befriedigender Auflösung. Der Leser kann und darf mit seiner Konzentration ganz beim Wesentlichen bleiben.
Während das hier oben so einfach und lieblos dahingesagt klingt, möchte ich unbedingt hinzufügen, wie viel Respekt ich vor Erwin Kohls Bescheidenheit in jeglicher Hinsicht habe. Sein Krimi will gar nicht mehr sein, als ein Krimi. Aber gerade die kleinen pointierten Einblicke in das Leben von Joshua Tempe oder Karin Seitz sind es, die umso mehr beeindrucken und von ihrem Respekt voreinander zeugen. Genauso versteht es Kohl, Sprache gekonnt einzusetzen, ohne, dass es jemals unnatürlich wirkt.
Wenn Kohl so gut schreibt, weil er eben keine momentan thematisch gefragten Bestseller auf den Markt wirft, dann wünsche ich ihm auch für die Zukunft keine Massen sondern nur jene ausgewählten Leser, die Joshua Tempes Menschlichkeit und Kohls Schreibweise zu schätzen wissen.
Was bleibt mir da noch zu sagen:
Der nächste Erwin Kohl ist bereits bestellt.