Aus der Amazon.de-Redaktion
Vor über 30 Jahren hat der schüchterne Boris (Alfred Molina) beim Tanz sein Herz an die entzückende Betty (Brenda Blethyn) verloren. Seitdem fristet er ein wenig aufregendes Leben als Bestattungsunternehmer in einem kleinen walisischen Dorf. Abends, wenn er sich unbemerkt wähnt, legt er in seeliger Erinnerung an die verpasste Gelegenheit einen eleganten Foxtrott aufs Parkett. Der einzige Augenzeuge bleibt sein treuer Weggefährte, ein schnurrender Kater, bis das Schicksal ihm eine zweite Chance gewährt. Als Bettys Schwiegermutter in einer skurrilen Szene an den ungeliebten Frühstücksflocken erstickt, wird er mit der Bestattung betraut.
Nick Hurran, der bislang in erster Linie als routinierter Fernsehregisseur in Erscheinung getreten ist, kann in Grabgeflüster auf ein bemerkenswertes Schauspielerensemble zurückgreifen. Neben Alfred Molina (Boogie Nights, Chocolat) begeistert Brenda Blethyn (Grasgeflüster, Little Voice) in der Rolle der vermögenden Betty, einer Frau, die ihre eheliche Pflichterfüllung über ihr eigenes Wohl stellt. Obgleich der ganze Ort von den amourösen Eskapaden ihres Mannes, des Bürgermeisters von Wrottin-Powys, mit seiner nuttigen Sekretärin (großartig: Naomi Watts aus Mulholland Drive und The Ring) Bescheid weiß, bleibt Betty genügsam an seiner Seite. Sie folgt in ihrem Verhalten damit einer Tradition, die sich hoffentlich nach der ersten Welle weiblicher Emanzipation für immer erledigt hat.
Der Film folgt augenzwinkernd diesem Ansatz und entwickelt aus ihm eine amüsante Geschichte. Boris und Betty planen gemeinsam Bettys tragischen Tod, um sich wenig später in die Karibik abzusetzen. Der Clou besteht in der Rahmenhandlung zweier konkurrierender Besattungsunternehmen. Während Boris als alteingesessener Traditionalist sein Terrain verteidigt, tritt sein Herausforderer aus der Neuen Welt mit innovativen Event-Bestattungen auf den Plan. Der wunderbare Christopher Walken spielt den verrückten Amerikaner mit grotesker Frisur, der mit seinem Sidekick Delbert (Komikerass Lee Evans) den Ort aufmischt. Das eröffnet dem Film nicht nur die Möglichkeit zu absurd-komischen Bestattungsorgien, sondern liefert auch die Grundlage für einen klassischen Comedyplot. Als Walken sich in Anbetracht der perfekt präparierten "Leiche" Bettys in seinem Selbstwertgefühl gekränkt sieht, kommt er dem wieder verliebten Paar in die Quere.
Auch wenn Grabgeflüster durch seine Beschränkung auf die heiter-ironischen Aspekte seiner Geschichte ein wenig bieder daherkommt, ist der Film gerade wegen seiner thematischen Verschränkung von Tod und Ehebruch ein gelungenes Beispiel für den viel beschworenen Sinn der Briten für schwarzen Humor. Dabei stört es auch nicht weiter, dass sowohl der Drehbuchautor als auch die Produzenten aus Hollywood kommen. --Thomas Reuthebuch
Kurzbeschreibung
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Blickpunkt: Film
Wenn es um Skurrilität geht, sind die Engländer Top. Und wenn die Handlung auch noch in einem kleinen Kaff in Wales namens Wrottin-Powrys spielt, darf man sicher sein, typisch starrsinnige Charaktere in urkomischen Situationen anzutreffen. Der Titel 'Grabgeflüster' erinnert bewusst an den Erfolg 'Grasgeflüster' mit seinen absurden Momenten und avisiert ein ähnliches Publikum.
Der Prolog lässt die Figurenkonstellation schon vermuten: Auf einem Tanzball beobachtet ein schüchterner Teenager ein Mädchen mit großen Augen. Doch bevor er sich traut, hat ein anderer ihm das Objekt der Begierde weggeschnappt. 30 Jahre später lebt Boris Plotz immer noch als Junggeselle und angesehener Bestattungsunternehmer, Betty ist mit dem Bürgermeister verheiratet, ein eitler Fatzke, der es mit der Treue nicht genau nimmt. Als dessen rabiate Mutter das Zeitliche segnet und Plotz das Begräbnis arrangiert, funkt's endlich bei den beiden verhinderten Königskindern, die flugs einen Plan entwickeln, wie sie doch noch zueinander kommen können.
Aber Pläne gehen meistens schief. Also ist Improvisation angesagt. Nach 'Remember Me?' und 'Girl's Night - Jetzt oder nie' arbeitet Nick Hurran zum dritten Mal mit Brenda Blethyn zusammen und trifft wieder voll ins Schwarze. Wer bei 'Girl's Night' Tränen der Trauer vergoss, wird hier Tränen lachen über das schräge Personal in Aktion. Subversiver Humor ist Trumpf.
Das Paar will ein neues Leben in der Karibik anfangen. Da Scheidung nicht infrage kommt, muss Betty pro forma sterben und Boris sie einsargen, um mit der quicklebendigen Toten dann abzudüsen. Die Inszenierung des eigenen Endes hat ihre Tücken. Der Ehemann besteht darauf, die Gattin offen aufbahren zu lassen und beichtet ihr am Sarg seine Affären, die Geliebte gesteht der Toten gar einen schiefgelaufenen Mordplan, was dieselbige vor Wut fast zittern lässt. Damit nicht genug, steckt die neumodische Konkurrenz (Christopher Walken als Event-Bestatter mit Sturmfrisur) auch noch die neugierige Nase in die Angelegenheit, um herauszufinden, welche Technik die Leiche so schön herrichtet.
Wenn Betty und Co. in einem pyromanischen Schlussakkord genüsslich Rache an den bösen Betrügern üben, Christopher Walken und sein Kompagnon mit knallenden Spezialeffekten aushelfen, dann ist die Welt wieder in Ordnung, dürfen die Liebenden durchstarten. Ein Finale voller Romantik, in dem Alfred Molina und Brenda Blethyn leichtfüßig wie die Broadway-Ikonen Fred Astaire und Ginger Rogers in den sSiebenten Himmel hineinschweben. mk.