Columbo oder Miss. Marple? Eine Frage die sich jeder Autor von Kriminalromanen stellen muss. Präsentiere ich den Mörder gleich zu Beginn der Geschichte, weihe den Leser also ein, und lasse ihn dann beobachten, wie die Ermittler Stück für Stück ihre Schlinge um den Hals des Mörders zuziehen. Oder aber lasse ich den Leser im Dunkeln und stelle ihn den Ermittlern nebenan, damit der Leser selbst Fakten kombinieren kann und bis zum Ende selbst im Ungewissen bleibt.
Letztlich ist es Geschmacksache. Jede Variante hat ihre Stärken und Schwächen, denen sich ein Autor bewusst sein muss. Beherzigt es diese nicht, kann passieren, was Tana French passiert ist.
Nicht zu wissen, wer der Mörder war, wie das Verbrechen geschah und von welchem Motiv der Täter getrieben wurde, ist spannend, keine Frage. Doch muss der Leser dann bei der Stange gehalten werden. Immer wieder muss man ihm Häppchen zuwerfen, kleine Mosaiksteinchen finden lassen, damit vor allem eines nicht auftritt: Langeweile.
Potential hat der Fall allemal. Ein kleines Mädchen wird auf dem Altar einer Ausgrabungsstätte entdeckt. Der Fall wird von den Detectivs Rob Ryan und Cassie Maddox übernommen. Erschwerend kommt hinzu, dass Rob vor 20 Jahren in genau diesem Wald ein traumatisches Erlebnis zuteil wurde. Er selbst kann sich nicht mehr daran erinnern, doch zwei seiner Freunde starben damals an diesem Tag, vor so langer Zeit. Immer wieder kommen Rob Erinnerungen aus dieser Zeit, immer mehr beginnt sich das Geschehne von damals ins Bewusstsein zu befördern. Neben dieser schrittweisen Erkenntnis ziehen sich die Geschehnisse des aktuellen Falls über weite Strecken des Buches zäh durch ein Aneinanderhäufen verschiedener Fakten. Dem Leser ist aber nie die Chance gegeben, wirklich mitzukombinieren. Natürlich, tägliche Polizeiarbeit mag so trist und erfolglos verlaufen, doch will der Leser keine reale Geschichte hören, er will unterhalten und gefordert werden. Die plötzlich offensichtliche Lösung lässt alles ganz schnell geschehen. Der Leser wird überrumpelt und auf einmal überschlagen sich die Ereignisse und nicht alles, aber vieles, liegt offensichtlich auf dem Tisch. Schade, dass der Leser um die Chance gebracht wird, selbstdenken tätig zu werden.
Leider bleibt auch das Interesse an den Figuren wage. Zu konstruiert und vor allem zu bekannt wirkt die Beziehung zwischen dem Ermittlerpaar; sie sind beste Kumpels, verstehe sich auch ohne Worte und doch kommt es im Laufe der Erzählung zu Problemen, über die an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gelegt werden muss.
Ganz allgemein kann es für Geschichten bereichernd sein, wenn sie zum Ende des Buches ein paar Fragen offen lassen. Doch darf es sich dabei nicht um Punkte handeln, die von Beginn an den Leser interessieren und die für ihn zentral sind. Ein paar kleine Gedankenanstöße, ausgelöst durch noch ungeklärte Dinge, lassen uns die Geschichte verinnerlichen, sie weiterdenken, uns sich mit ihr beschäftigen. Große Fragen, die jedoch unbeantwortet bleiben, wirken eher unbefriedigend. Und so schließt man am Ende das Buch mit einem unguten Gefühl voller unerfüllten Erwartungen.