Kurzbeschreibung
Wolfgang Hilbigs neue Erzählungen beschreiben Deutschland kur vor, während und nach der Wiedervereinigung - ein ironisch funkelnder Prosazyklus über erzwungenen Stillstand, Aufbruch und erfolgreiche Veränderung.
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Der in Berlin lebende Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Wolfgang Hilbig ist einer der profiliertesten deutschen Schriftsteller und wurde bereits mit zahlreichen Preisen geehrt. Er wurde 1941 in Meuselwitz (Thüringen) geboren und emigrierte 1979 in die Bundesrepublik. Die Suche nach der eigenen Identität und Schreiben als Prozess der Selbstfindung stehen im Zentrum von Wolfgang Hilbigs literarischem Werk.
Immer wieder geht es ihm auch um die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit wie z.B. im Roman Ich, der Deformation, Verlust der persönlichen Identität und Vermischung von Erfindung und Realität beschreibt. Im selben Jahr wie Ich, nämlich 1993, erschien der Erzählband Grünes, grünes Grab. Auch die vier Geschichten dieses Buches drehen sich um zeitgenössische Wirklichkeit: Deutschland vor, während und nach der Wende.
Beschrieben wird die Phantasie-Reise eines Erzählers ("Fester Grund") oder die Rückkehr eines Schriftstellers in seine Heimat, wo ihn jedoch niemand erwartet (in "Grünes, grünes Grab"). Kennzeichnend für die Atmosphäre der Erzählungen sind düstere Bilder über Verfall, Verrottung, Düsterkeit und Identitätsverlust. Beinahe scheint es, als seien diese Bilder die einzige Bewegung in einem ansonsten nüchternen, fast stillstehenden Stil. Eine merkwürdige Mischung aus Nüchternheit, fast verfestigter Erstarrung und Leere kennzeichnet die Atmosphäre des Buches. Diese Leere ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn in den Erzählungen treffen die Figuren immer wieder auf ausgestorbene Straßen oder Plätze.
In der zweifellos faszinierendsten Erzählung mit dem Titel "Ich, nicht er" irrt ein Schriftsteller mit einem Brief in der Hand durch eine Stadt. Der erste Ort, an den er wirklich gelangt, ist bezeichnenderweise der Friedhof. In dem Brief, der an eine fast übermächtig erscheinende Verwaltung gerichtet ist, von der sich der Schriftsteller kontrolliert glaubt und der er sich ausgeliefert fühlt, gesteht er einen Mord, um ins Gefängnis zu kommen. Den richtigen Mörder hatte er zwar vor einigen Jahren gestellt, dieser hatte aber in einem absurden Moment ihn beschuldigt. Auf dieses Ereignis bezieht sich der Schriftsteller, weil er hofft, in der Haft freigekauft zu werden und in den Westen übersiedeln zu können.
Grünes, grünes Grab ist ein Erzählungsband über alltägliche Verwirrungen, übermächtige Einflüsse, sprachlich virtuos und äußerst genau beschrieben. --Christoph Steven
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.