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Grüner Baum in Flammen: Erster Band einer Romantrilogie
 
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Grüner Baum in Flammen: Erster Band einer Romantrilogie [Gebundene Ausgabe]

Kenzaburo Oe , Annelie Ortmanns
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 347 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100552067
  • ISBN-13: 978-3100552068
  • Originaltitel: Moe Agaru Midori No Ki
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 187.748 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kenzabur? ?e
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Ermüdender Zickzack

Kenzaburo Oes Roman «Grüner Baum in Flammen»

Wie schon oft zuvor macht Kenzaburo Oe ein kleines Dorf in den Wäldern von Shikoku auch in «Grüner Baum in Flammen», dem ersten Band einer Romantrilogie, zum Ausgangs- und Mittelpunkt seines Erzählens. Die Wahl des Standpunkts gehört zu den plausibelsten – und Disparates verbindenden – Elementen dieses Romans, der sich sonst im Zickzackkurs durchs Hier und Da bewegt. Beim Ausmalen seiner Kulisse ergeht Kenzaburo Oe, japanischer Nobelpreisträger von 1994, sich nicht in weitschweifigen Landschaftsbeschreibungen, sondern zeigt die Natur als etwas Lebensbestimmendes, das die Menschen kleiner erscheinen lässt als Stadt- oder Grossstadtfiguren in ihrem selbst geschaffenen, scheinbar kontrollierbaren Ambiente: Das gelingt ihm ganz federleicht, ohne die allzu vielen Worte, die er sonst gern macht.

Der Blick auf die Metropole, Tokio, wird nicht ausgeklammert, aber es ist ein distanzierter, oft flüchtiger Blick: die Wahl eines zeitloseren, zurückhaltenderen Schauplatzes vor den Toren der grossen Städte erlaubt es, den Erscheinungen der nachmodernen Zivilisation Zeichen aus einer anderen, archaischeren Vergangenheit gegenüberzustellen. Denn Oes Roman beschäftigt sich nicht nur, wie in der japanischen Literatur des 20. Jahrhunderts geläufig, mit den Gegensätzen und Einflüssen moderner westlicher und traditioneller japanischer Kultur. Er erinnert an noch ältere, mythische Überlieferungen und umschreibt nie einlösbare Sehnsüchte nach einer Einheit von Mensch, Natur, den Göttern oder einem Gott.

Dabei erscheint das Dorf, der Ort an der Peripherie, keineswegs als Idyll, in dem die Menschen unverbogener sind und die Natur noch intakt ist. Doch lässt sich von dort aus nicht nur Vergangenes und Versunkenes zutage fördern, auch die Dinge des modernen Lebens können aus der leicht abgerückten Perspektive im Kleinen gespiegelt und aus der Distanz betrachtet werden. Der immer und betont gesellschaftskritische Kenzaburo Oe streift sie reihenweise: Probleme der Umweltverschmutzung, der Globalisierung, der Geschlechterrollenverteilung, des Glaubensverlusts, die Suche nach Ersatzreligionen.

Ein zentraler Charakter, der sich als solcher jedoch erst mit der Zeit erweist, wird schon im ersten Satz eingeführt: Er ist kein simpler Held, nein: ein (fast) Heiliger. Takashi, der sich für Mythen und alte Bräuche interessiert und einer Hundertjährigen nahezu vergessene Überlieferungen ablauscht, wird halb gegen den eigenen Willen von den Dorfbewohnern zu einer Art Medizinmann erkoren. Sie erklären ungewöhnliche, im Grunde natürlich erklärbare Ereignisse zu Wundern und beginnen in Takashi, der sich zunehmend überfordert fühlt, einen Erlöser zu sehen. Er besitzt Sendungsbewusstsein und Aufopferungsbereitschaft, ihm legt Oe seinen Lieblingsgedanken der Philosophie des Moments, der etwas länger als einen Augenblick dauert, in den Mund. Doch wo seine Grenzen sind, sieht Takashi selbst nicht mehr. Man gibt ihm den Namen eines Verstorbenen, Bruder Gii, der einmal im Dorf den Erlöser spielte und auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Auch Takashis Leben scheint von Anfang an bedroht, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Dorfbewohner herausfinden, dass er der erwartete Heilsbringer nicht ist. Daraus, ob es zu dem insinuierten Unheil wohl kommen mag oder nicht, bezieht der Text nicht nur seine Spannung: Diese latente Frage oder Sorge verbindet auch das Stückwerk der disparaten Erzählstränge und Einzelszenen und Einzelgedanken.

Denn der Roman konzentriert sich nicht auf Takashis ungewöhnliche Geschichte, sondern schwächt ihre Kraft unablässig, indem er ebenso ungewöhnlichen Nebenhandlungen, Betrachtungen und Figuren viel zu viel Raum gibt. Fast alle erscheinen sie gleichwertig, jede Sache wird zur Hauptsache, jede Figur, von der gerade die Rede ist, zur Hauptfigur. Doch eine Überfülle herrscht nicht nur im Deskriptiven; schwerfällig bewegt sich auch die Sujet-Fracht des Romans vorwärts.

Neben den genannten Zeitthemen, die eher sprunghaft verhandelt werden, und dem allgemeinen religiös-existenziellen Grundraunen geht es auch ständig ums Erzählen selbst. Es erweist sich, wenn auch nur als ein Subthema in Erscheinung tretend, als das Interessanteste und Originellste dieses erzählerischen Gebildes, das stellenweise wie eine überinstrumentierte Versuchsanordnung wirkt. Von mündlicher Überlieferung ist die Rede, die Macht von Gerüchten und Legenden wird wirkungsvoll durchexerziert, und ein Schriftsteller namens Onkel K. absolviert als Oes Alter Ego im Roman ein paar selbstironische Auftritte. Der Autor, dessen kompilatorische Begabung hier einsame Höhen erreicht, bringt es sogar fertig, neben allem anderen auch noch die Einflüsse literarischer Traditionen anhand von Cocteau, Rimbaud und Yeats – mehr oder weniger beiläufig – zu diskutieren. Ferner gibt es neben Takashi oder Bruder Gii, wie er genannt wird, eine Ich-Erzählerin, die sich zwar demütig und passiv im Hintergrund hält, aber viel übers Schreiben (und ihre Doppelgeschlechtlichkeit und ihre Verwandlung vom Mann zur Frau – also auch allerhand) nachdenkt. Sie versteht sich als Dokumentaristin des Geschehens. Onkel K. gibt ihr von Autor zu Autorin den Rat: «Denn die Kunst des Schreibens liegt nicht darin, abgedroschene Authentizität zu produzieren, sondern immer wieder neu geltend zu machen: Diese Geschichte habe ich erlebt.» Doch welche von den vielen Geschichten, die der Roman bruchstückhaft enthält und kaum je zwingend über Kreuz führt, hier eigentlich geltend gemacht werden soll, kann jeder Leser für sich selbst entscheiden, bestenfalls.

Marion Löhndorf

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 14.12.2000
Die Idee, die hinter Kenzaburô Ôes neuem Roman - dem ersten Teil einer Trilogie - steht, gefällt dem Rezensenten Ralph Rainer Wuthenow. Mit der Umsetzung kann er indes wenig anfangen. Es geht um die Bewahrung und Weitergabe des Wissens einer alten Frau, um Esoterik, um die "widersprüchliche Verflechtung von Mythos und Moderne". Komplizierte Themen, die auch für den Autor ein Wagnis darstellen, so Wuthenow. "Totale Entzauberung" kann "nicht das Ziel sein", aber "der nur scheinbar das alte Erbe rettende Betrug" eben auch nicht. Die übermäßige Konstruiertheit und Überfrachtung, mit der der Autor dieses Dilemma in der erzählerischen Umsetzung bearbeitet stört Wuthenow und auch die Übersetzung von Annelie Ortmanns findet er wegen "törichter Modernismen" nicht wirklich gelungen.

© Perlentaucher Medien GmbH

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Der Japaner Kenzaburo Oé, den die königlich schwedische Akademie 1993 in den Literatenhimmel erhoben hat, hat mit dem Roman „Der atemlose Stern" seine Trilogie „Grüner Baum in Flammen" nun auch in deutscher Sprache abgeschlossen.
Die zur Rede stehende Trilogie machten schon allein die ersten beiden Bände, „Grüner Baum in Flammen" (deutsch, 2000) und „Der schwarze Ast" (deutsch, 2002), zu einem großartigen und wichtigen Werk; wichtig, weil es (zumindest in deutscher Sprache) kaum Romanzyklen gibt, die die 1945 begonnene systematische Verwestlichung Japans in dieser einzigartigen Verbindung moderner und traditioneller Lebensformen zum Inhalt haben; großartig aufgrund ihrer raffinierten Erzählweise, die zwitterhaft ist und sich dabei vom eher Maskulinen zum eher Femininen wandelt, genau wie es der Entwicklung des erzählenden Hermaphroditen entspricht; großartig aufgrund der besonderen Darstellung von Individualität, die im Kollektiven verwoben ist; großartig aufgrund des Aufspürens meist in Gegensätzen verwurzelter explosiver Elemente, die sich beispielsweise in der Gemeinschaft um den Bruder Gii ergeben; und nicht zuletzt großartig aufgrund der gekonnten Integration von Randfiguren, beispielsweise des Autors selbst als Schriftsteller Onkel K..
Den entstandenen Eindruck einer kaum mehr aufrecht zu erhaltenden Natürlichkeit hat nun der jüngst erschienene Roman „Der atemlose Stern" regelrecht weggefegt. Der bisherige Schauplatz, die ländliche Idylle der Insel Shikoku, wird größtenteils verlassen. Der Leser geht mit der Erzählerin Satchan nach Tokyo, die dort und in einem Buch über die Bekenntnisse des Augustinus zur Besinnung kommen will. Erneut werden die im Kollektiven, das nun in Tokyo ein Gesicht erhält, versteckten individuellen Ereignisse und Bedürfnisse ans Licht gezerrt. Aber gerade die bewusste Hinwendung zu neuen, teilweise völlig umgekehrten Innen- und Außenwelten setzt sowohl im Leser als auch in der Erzählerin eine Sinneswahrnehmung frei, die insbesondere den Charme des letzten Romans der Trilogie „Grüner Baum in Flammen" ausmachen. Die auch vom Vergleich der Romane getriebene Entwicklung zeigt es: So ist das Leben, weltweit! Nichts ist konstruiert! Die Trilogie gewinnt gerade dadurch, dass diese nicht mehr glaubhafte Diskrepanz zwischen konfliktreichen Ereignissen und friedlicher natürlicher Kulisse ersetzt wird durch alltägliche und grundsätzlichere Gegensätze, die es auch in Berlin, London oder New York geben könnte, an Natürlichkeit und Größe, wird zu einem außergewöhnlich echten Lebenslauf..
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ôe versteht es mit grosser naturalistischer Genauigkeit in seinem Buch Kleinigkeiten in ihrer unaufdringlichen Schönheit zu beschreiben, über die viele Autoren eilig hinweggehen würden. Er versteht es mit dieser Kontemplation auf das Einfache, Banale und Grundsätzliche im Leser Saiten zum Klingen zu bringen, ihn zum Philosophieren anzuregen und ihn über die Lektüre des Buches hinaus für die grossen Themen der Existenz zu sensibilisieren.
Absolut LESENSWERT.
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Format:Gebundene Ausgabe
Ebenso wie "Elfriede Jelinek" oder "Woody Allen" ist auch OE einfach überwertet:

INHALT:
OEs mystische Geschichte handelt zunächst vom Umgang mit Mythen: Die Geschichtenerzählerin im Dorf inszeniert ihre Bestattung post-mortum durch Bruder Gii, dem anschließend die übernatürlichen Kräfte zugesprochen. Infolge des zugesprochenen Vertrauens in seine Kräfte predigt Bruder Gii von einem Glauben mit dem Kern ANDERE MEHR ALS SICH SELBST ZU LIEBEN. Nachdem Bruder Gii einige Krankheiten nicht heilen konnte, verlieren alle "Gläubigen" ihren Glauben an Bruder Gii und steinigen ihn. Sls Jesusfigur nimmt er dies jedoch als göttliche Vision wahr.

INTERPRETATION:
(1) Der Autor stellt in Frage, wie eine (Post-)Moderne Gesellschaft mit ihrer mystischer Vergangenheit umgehen soll.
(2) Außerdem, stellt OE in Frage, OB und WIE man sein Leben mit zugesprochener Verantwortung führen soll: Nach dem dem Protagonisten Bruder Gii Heilkräfte zugesprochen werden, benimmt er sich so, als hätte es diese. Allerdings wird appelliert, dass er sein eigenes Leben führen solle, statt "blind" Erwartungen zu erfüllen.
(3) OE thematisiert wie Menschen, wider besserer Ratio (!), Glauben - in Menschen, Götter, was auch immer. Und wie Glauben Berge versetzen kann. Aber auch wie blinder Glauben schmerzhaft entlarvt wird, und zu nichts Gutem führt.
(4) Die einzige Quelle der Skepsis bleibt ein Mann der sich in eine Frau verwandelt hat (erinnert an Kafka).

FAZIT:
Interesantes Thema, langatmiger Schreibstil, schwach gezeichnete Charaktere, wenig überzeugend, kaum Inhalt, einfach seicht. Mir ist unklar warum OE einen Nobelpreis erhielt.
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