Muss ich nach 41 Vor-RezensentInnen auch noch was schreiben? Eigentlich nicht. Ich mach's trotzdem. Ich habe "Grüne Tomaten" eben nochmal gesehen, zum ersten Mal auf DVD (wunderbare Erfindung übrigens!). Mit dem Abstand von ein paar Jahren kann ich diese wunderbare Geschichte immer wieder sehen und bin jedes Mal aufs Neue gerührt.
Im Grunde sind es ja zwei wunderbare Geschichten, die erzählt werden, die aber stimmig ineinander greifen und sich gegenseitig tragen. Familiengeschichten im weiteren Sinne.
Weiter unten ist zu lesen, diese seien teilweise zu platt-verkitscht (die "Robin Hood-Szene") bzw. zu klischeehaft (das traute Hausfrauenheim) dargestellt. Finde ich nicht: Das ist ein Film, das ist Phantasie, und am Ende zählt doch nur, was es mit einem als Zuschauer macht. Und ich bin davon berührt, weil dieser Film so viele Gefühle auslöst. Es geht um Jugend und Alter, um Krankheit und Tod, um Depression und Freude, um Zusammenhalt und Hass, um Konventionen und den Mut, anders zu sein... und vor allem und insbesondere um Freundschaft. Die Liebesbeziehung zwischen Ruth und ihrer Bienenbetörerin Idgie kann nur erahnen, wer will. Das war im Buch etwas anders (sofern ich mich noch richtig erinnere; es war auf jeden Fall auch sehr schön zu lesen!). Nebenbei wird einem die Rassentrennung in den Südstaaten der USA der 30er als Alltag "untergejubelt" - kaum zu glauben, dass das keine hundert Jahre her ist. Mir kommt es da auch nicht auf historisch genaue Umsetzung an, denn dies ist nur Teil des Rahmens. In der Bildmitte steht dick und fett "Freundschaft".
Das Geheimnis mag in der Soße liegen (oder in einem See irgendwo in Georgia), aber ich sage, es liegt auch daran, dass es mit mir als Zuschauer etwas macht. Nach dem Film ist hier nicht vor dem Film. Und solange das funktioniert, ist "Grüne Tomaten" einer meiner liebsten Filme.
Da bleibt nur noch zu sagen: "Seht es ein, Kinder: Ich bin älter und viel besser versichert!"