Schon wieder ein Buch zum Nürburgring - man fragt sich unwillkürlich, ob es nicht schon genug Literatur über Deutschlands berühmteste Rennstrecke gibt. Vielleicht sind einige Bände zu diesem Thema wirklich entbehrlich, dieser herrliche Bildband des zu Recht namhaften und stets gelobten Motorsport-Fotografen Ferdi Kräling mit knappen und informativen Texten von Gregor Messer ist es sicher nicht. Man kann sich an den rund 180 Fotos gar nicht satt sehen - brillante Motivauswahl und beste Reproduktion auf hochwertigem Papier prägen dieses Highlight der Ring-Literatur. Die Aufnahmen stammen ausnahmslos von der Nordschleife, die heute im Wesentlichen nur noch beim 24-Stunden-Rennen als Standort aktuellen Motorsports genutzt wird. Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert: Tourenwagen, Formel 1, Sportwagen, 24-Stunden-Rennen. Die Ablichtungen der ersten drei Kapitel stammen aus den 1960er und 1970er Jahren. Da sieht man ein riesiges Starterfeld aus der Deutschen Rennsport-Meisterschaft, da jagen sich zwei Abarth 1000 TC durch die Hatzenbach, da "hüpft" Hans-Joachim Stuck mit einem Ford Capri RS auf zwei Rädern über die Brücke bei Breidscheid. Im Formel 1-Kapitel sehen wir viele Bilder aus dem gerade wieder hergerichteten "alten" Fahrerlager, von der zierlichen 1,5-Liter Formel 1, von geradezu abenteuerlichen Luftflügen an den diversen Sprunghügeln und auch stimmungsvolle Aufnahmen vom Randgeschehen der großen Rennen. Der Abschnitt über die Sportwagenrennen begeistert mit zahlreichen Bildern vom 1000-km-Rennen, einem bei Kilometer 12,8 weit "fliegenden" Porsche 908/03, einigen Sequenzen aus der Interserie mit ihren mächtigen Boliden. In dieser Sektion habe ich den einzigen kleinen Fehler gefunden: Die Aufnahme vom Start des 1000-km-Rennens 1971 wird irrtümlich ins Jahr 1975 verlegt, aber das ist angesichts der sonstigen Genauigkeit der Informationen unbeachtlich. Einen Bezug zum aktuellen Nürburgring stellen die Aufnahmen vom 24-Stunden-Rennen her, die auch das Rennen 2010 schon berücksichtigen. Den Anfang dieses empfehlenswerten Buchs bilden das Vorwort des Nordschleifen-Maestros Jacky Ickx und einige großformatige und eindrucksvolle Fotos, die die Faszination Nordschleife mitreißend widerspiegeln - unter anderem auch von dem Parkplatz am Brünnchen aus dem Jahre 1979 mit farbenfrohen Autos der Zuschauer, kaum eines in Schwarz oder Silber; auch insoweit haben sich die Zeiten sehr geändert.