Was bedeutet Grün? Wie ist sein Klang, sein Geruch?
Grün ist die Hoffnung, die Farbe der Natur, Frische, Erneuerung. Aber da ist auch das Grün der Dekadenz und Erotik. „Unser Lager ist grün“ steht schon im Hohelied Salomos, und im 17. Jahrhundert wurde Grün mit dem horizontalen Gewerbe assoziiert. Über purpurroten Unterröcken trugen die Damen grüne Kleider. Grün, die Farbe der Fruchtbarkeit und die Farbe von Vergänglichkeit, Krankheit und Tod. Die Gesichter seekranker Schiffsreisender, Schimmel, Eiter - auch hier hat Grün im Farbenspektrum seinen Anteil.
Alexander Theroux lädt ein zu einer Entdeckungsreise. Auf der Suche nach dem Wesen von Grün durchquert er die farbenprächtigen Länder der Kultur. Durchsetzt mit persönlichen Erinnerungen und Assoziationen schildert er die Bedeutung und Symbolik der Farbe in Literatur, Musik, Malerei und Religion. Der Autor, selbst Romancier und Lyriker, führt seine Leser anhand einer Fülle von Textausschnitten dabei en passant durch unterschiedliche Stile und Epochen, spürt dem nach, was alltäglich in unserem Umfeld grün am Leben teilhat. Die Zitate allein sind schon ein Genuss, sind sie doch alle im Original und Übersetzung abgedruckt. Die Anleitung eine Farbe zu lesen, wie der Untertitel lautet, ist mehr eine vergnügliche Schule des Sehens, des genauen Hinschauens, auch über die Lektüre hinaus. Jacques Le Rider, Professor für Kulturgeschichte, hat einmal formuliert: „Mit unserem Sinn für die Farben verbindet sich eine bestimmte Art und Weise, in der Welt zu sein. ... Es existiert eine Weisheit und ein Glück in den Farben.“ Ein großer Teil davon ist in Therouxs Essay eingefangen.