Ja, auch ich gehöre zu denjenigen, welche die Schweiz sympathisch finden. Ja, auch ich gehörte zu denjenigen, die des Jobs wegen eine Zeitlang in der Schweiz gelebt und gearbeitet haben. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten mit den vom Autor beschriebenen deutschen Auswanderen auch schon wieder auf. Als ich das Buch in der (deutschen) Buchhandlung sah, war ich sehr interessiert und habe es mir blind gekauft. Schließlich war auch ich zeitweise beruflich in der Schweiz und habe dort die Resentissements gegenüber Deutschen selbst miterlebt. Also wollte ich mehr erfahren und erhoffte mir von diesem Buch die Antwort. Leider bleibt der Autor meines Erachtens die Antwort schuldig. Er wird zwar nicht müde, auf über 200 Seiten die vielfältigen Vorurteile zu nennen und auch weiter zu schüren, aber wieso/weshalb/warum, diese Fragen bleiben unbeantwortet. Denn ich gehörte sicherlich nicht zu denjenigen, die sich (wie im Buch genannt) den Schweizern anzubiedern versucht haben, ich habe nicht versucht Schwytzerdütsch zu sprechen und mit den Geschichten von vor über 60 Jahren und noch länger habe ich auch nichts zu tun. Warum gehen wir Deutschen den Schweizern denn nun auf die Nerven? Vermutlich, weil Schweizer Politiker aber auch leider Autoren wie Hr. Ziauddin nicht müde werden, Vorurteile durch entsprechende Beispiele zu belegen anstatt diese zu widerlegen. Im Kapitel Fußball legt er die wahrscheinlich am ehestens wahre Antwort nahe: nämlich die, dass es um das David-Goliath-Prinzip geht und man grundsätzlich gegen das Grosse ist und die Schweiz als kleines Land sich in vielen Belangen als Anhängsel Europas ständig und immerzu gegen Einflüsse der Nachbarn wehren muss. Abgesehen davon, dass der Schweizer der Welt beweisen will, dass er mehr kann als nur Kühe melken. Für diese Weisheit benötigt man aber keine 200 Seiten, die nichtmal flüssig und einfach zu lesen sind. Wer in die Schweiz möchte, erhält in diesem Buch keine nennenswerten Infos, wie der Schweizer seine Einwanderer am liebsten hätte (außer dem, dass die Schweiz am liebsten keine weiteren Einwanderer, schon gar nicht aus Deutschland möchte). Ich für meinen Teil werde auch weiterhin ein Fan der Schweiz bleiben, des Schweizerischen ebenfalls und auch meine Freundschaften (ja, man kann wirklich Freundschaften mit Schweizern schließen), weiter hegen und pflegen. So wie es solche und solche Deutsche gibt, so gibt es diese auch in der Schweiz. Ein Stern für das Buch (weniger geht ja nicht) und einen für die Literaturauswahl, die hoffentlich fundierter und ehrlicher ist und nicht auf Effekthascherei und hohe Auflage aus ist (was noch zu prüfen ist).