Andrzej Sapkowski ist mein Lieblingsautor. Punkt. Nachdem ich jahrelang der Überzeugung war, Tolkien wäre das Nonplusultra (natürlich halte ich ihn immer noch für einen Fantasygott, immerhin ist er der Macher dieses Genres), empfiehl mir ein Freund den polnischen Autor, mit dem Hinweis "viel Politik". Na toll, dachte ich, das kann ja etwas werden. Wurde es auch, und zwar etwas Großartiges! Wenn man nichts dagegen hat, sich endlos viele Namen von Städten und Menschen zu merken, Geschichte zu lernen, vor allem - aber nicht nur - die Polnische und Schlesische, nebenbei auch noch das eigene Polnisch und Latein aufzufrischen (naja, in meinem Fall generell etwas von den beiden Sprachen zu lernen) und aufmerksam zu lesen, gibt es kaum einen besseren Autor. Dafür gibt es einige Gründe:
- Sapkowski beschreibt plastisch. Alles ist ausführlich beschrieben, was manchmal ein wenig unschön wird, wenn gerade wieder Krieg ist. Das ist ja im Mittelalter durchaus öfter der Fall. Aber auch sinnlichere Szenen werden gut dargestellt; gleiches gilt für Humor und bloße Umgebungsbeschreibungen. Wer diese - wie ich - vielleicht bei Tolkien etwas zu übertrieben, zu platt, zu ausschweifend fand, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Jedes noch so unscheinbare, von Spinnenweben verhangene Tor wird begehrenswert, wenn der Meister es beschreibt.
- Sapkowskis Charaktere leben. Ob es nun Geralt von Riva ist, der Held aus den Roman 1-7 (ab "der letzte Wunsch"), oder seine schöne Frau Yennefer... Oder aber auch der Hauptcharakter aus Narrenturm und sein Liebchen. Sogar 'langweilige' Nebencharaktere, die nur einige Seiten auftauchen oder gleich wieder sterben, sind greifbar. Wenn man die Bücher liest, lebt man sie. Jedes Wort.
- Sapkowski ist spannend. Sehr. Auch wenn es etliche Seiten gibt, die nur Reisen oder Gespräche, sogar Lieder sind. Kein Moment wirkt, als sei er nur für die Quantität zuständig. Laut Autor schreibt er nur, was ihm gefällt, und kümmert sich nicht um den Geschmack seiner Leser. Das fällt mir schwer zu glauben, denn es scheint mir, als ob er nur für mich alleine schreibt. Natürlich ist das schwachsinnig, aber dieses Gefühl einem Leser zu vermitteln, ist eine Gabe - da hilft keine Übung.
Eine wahre Lobtirade mag das hier sein, aber jedes Wort ist meine Meinung, die sich über mehrere Jahre und bisher 9 Romane gebildet hat. Ich kann es kaum erwarten, endlich Lux Perpetua zu lesen, sowie das bald erscheinende Sammelbuch seiner Kurzgeschichten. Wenn ich jemals so gut schreibe wie Sapkowski, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Wer Humor sucht, Liebe, Melancholie, Krieg, Blut, Ekel, Elend, Mittelalter, Zukunft, Magie, Realismus, Geschichte, Kultur, Gesellschaftskritik, Sprachen - der wird hier fündig. Für Sapkowski wünsche ich mir Lux Perpetua - ewiges Licht, auf dass er noch viele Bücher schreibe.