Wie Andreas R. Battlog und Albert Raffelt im Nachwort erwähnen, kann man diese Schrift Rahners als Kern seines Denkens betrachten. Seine pastoralen Ausführungen zur Gotteserfahrung spiegeln den Bruch in der Frömmigkeitstradition nach dem II. Vaticanum wider. "Gotteserfahrung heute" ist keine leichte Kost und die Unbeholfenheit Rahners, den Zeitnerv zu treffen, spürbar. Auf der einen Seite kann es als Warnung verstanden werden, auf der anderen Seite als hilfreiche Unterstützung, in der modernen Welt sich der Gotteserfahrung zu stellen. Gotteserfahrung geht einer Theologie voraus, sie ist Begegnung mit sich selbst. Dies jedoch in einer totalen Bezogenheit auf Gott. Nicht die Gefühle einer spirituellen Erfahrung sind ausschlaggebend, sondern die Erfahrung, dass Gott spricht und der Mensch hört. Wahrscheinlich wäre Karl Rahner heute wesentlich schärfer und würde die heutigen Erscheinungen der Religiosität auf ihren eigentlichen Kern hin befragen. Dieses Buch ist daher ein wichtiger Beitrag aus einer Zeit des Umbruchs, wo Impulse gelegt wurden, Entwicklungen initiiert wurden, die das heutige religiöse Leben bestimmen. Man versteht die Schwierigkeiten von Kirche und Glaube besser, wenn man dies aus der Perspektive Rahners tut, der in der Umbruchszeit bereits auf die Autorität Gottes verwies und Religion als Wellnessbewegung dechiffrierte. Es lohnt die Mühe, dieses kleine Bändchen zu lesen und sich zu erarbeiten.