Für alle, die es noch nicht wissen: Der vor einem knapppen Jahrzehnt verstorbene Ross Thomas ist bis heute de König des amerikanischen Thrillers. Seine wunderbaren, scheinbar beiläufig erzählten Romane mit den kaum je aus der Ruhe zu bringenden, cleveren und witzigen Helden, den Plots, welche stets auf eine ungeheuerliche, aber perfekt glaubhafte Pointe hinauslaufen, seine trockenen Dialoge...
"Gottes vergessene Stadt" (der Originaltitel "The fourth Durango" ist natürlich besser) ist nicht mein absoluter Favorit, aber immer noch klasse.
Er beantwortet eine auch von deutschen Kommunalpolitikern regelmäßig gestellte Frage: Wie bewahrt man eine Kleinstadt ohne Tourismus, Industrie oder nennenswerte Landwirtschaft vor der Pleite? Die Bürgermeisterin und der Sheriff von Durango haben darauf eine scheinbar schlaue Antwort gefunden: Sie schauen gelegentlich (gegen Entgelt im höheren sechsstelligen Bereich) weg, wenn sich gesuchte Kriminelle vorübergehend in der Stadt einquartieren; so können sie Krankenhaus und High School finanzieren.
Das Idyll wird allerdings durch die Ankunft eines ehemaligen Bundesrichters empfindlich gestört; denn der einstige Robenträger, der gerade 18 Monate in einem Hochsicherheitsknast abgesessen hat (was auch seine guten Seiten hatte: endlich konnte er er einmal abspecken...) ist auf der Suche nach dem Drahtzieher der Intrige, welche ihn das Amt kostete und hinter Gitter brachte...