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Gottes leere Hand, 11. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Gottes leere Hand: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderschöner Titel und ein wunderschönes, trauriges, lustiges, realistisches, aufrüttelndes, Ieises, manchmal schon lyrisches Buch! Dieses Buch ist so abwechslungsreich wie die Emotionen, die mich beim lesen befielen. Es geht um Manuel, ein Mann Ende 30, der die Glasknochenkrankheit hat. Bedingt durch einen Erstickungsanfall wird er in ein Krankenhaus eingeliefert. Er kann sich nichts schlimmeres vorstellen, da Krankenhaus für ihn, gleichbedeutend mit Keimen und Ansteckung ist. Dies kann für ihn tödlich enden. Im Krankenhaus selbst lernt man dann noch viele Charaktere des Buches kennen. Die Krankenschwester Dagmar, den Arzt in der Ausbildung und Wendelin Weihrauch, nur um einige zu nennen. Das Buch beschreibt den "tatsächlichen" Zustand unserer Krankenhäuser und unseres Gesundheitssystems. Da ich selbst Krankenschwester bin aber wegen genau dieses Mißständen den Beruf aufgegeben habe, war dieses Buch für mich persönlich sehr interessant und wie ein Segen. Allerdings sollte man dieses Buch gerade lesen wenn man keinen medizinischen Hintergrund hat! Ich glaube viele Menschen wissen gar nicht, was hinter der Fassade Krankenhaus los ist und was für ein System dieses ist. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass einige Passagen, in denen sehr auf die Krankenhauspolitik eingegangen wird, für manche etwas anstrengend bzw. langweilig sein könnte. Die Autorin schreibt wirklich toll, ohne ellenlange Auschweifungen. An einigen Stellen musste ich lachen, bei einigen Passagen konnte ich nur zustimmend nicken und weinen musste ich auch! Sie muss eine wirklich gute Beobachterin sein weil sie es hervorragend schafft, die Personen zu beschreiben, ihre Ängste und Fehler.. Dieses Buch ist kein reißerischer Thriller oder himmlischer Liebesroman. Es geht um Gesundheit, Krankheit und Tod. Dieses Buch beschäftigt sich mit ganz normalen Menschen, die versuchen, ihr Leben zu meistern. Jeder auf seine Art. Es zeigt uns auf eine sehr unaufdringliche aber doch bemerkenswerte Art, dass man auch manchmal hinterfragen soll, nicht immer stillhalten und vielleicht versuchen sollte, seinen Traum zu leben und Dinge aus einem anderen Blick zu sehen. Natürlich gelingt uns das im normalen Leben nicht oft aber dieses Buch trägt dazu bei, es mal wieder zu tun!
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4.0 von 5 Sternen
umfassend, 23. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Gottes leere Hand: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist in vielerlei Hinseit besonders interessant. Die Schreibart von Efinger ist sehr behutsam und teilweise leider etwas gezogen. Dennoch habe ich dieses Buch nicht als eines empfunden, bei dem man als Leser "aufgibt". Es steckt zu viel drin, das lesenswert ist und dem Leser zurückgibt. Das Thema ist brisant. Wem kann man nun wirklich die Schuld an den schwierigen Zuständen in Krankenhäusern geben. Patienten? Ärzten? Pflegepersonal? oder doch den Politikern? Womöglich der ganzen Gesellschaft? Man tut, was man kann, aber dennoch ist es nicht genug. Nicht ansatzweise genug. Anstatt den menschen zu helfen, werden sie krank gemacht. Zeit ist ein unrealistisches Gut. Der Tod emotionslos geworden. Doch das Buch ist nicht nur düster. Es tauchen auch menschen auf. Richtige Menschen. und die sind es, die die Wärme geben.
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3.0 von 5 Sternen
Ein seltsam unentschiedenes Buch, 18. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Gottes leere Hand: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein seltsam unentschiedenes Buch, so empfinde ich Marianne Efingers Gottes leere Hand. Manuel Jäger, ein Mann mit Glasknochen, erleidet einen Zusammenbruch und erklärt sich nach Drängen eines guten Freundes und Nachbarn wider seiner eigenen Überzeugung bereit, zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus zu gehen. Und in der Schilderung von Manuel, seinem Widerstand dagegen, immer nur als Behinderter oder auch nur Kranker verstanden zu werden, hat das Buch seine Stärken. Manuels Kampf, wenigstens für sich selbst und für seine Freunde einfach anders und nicht krank zu sein, ist einerseits beklemmend, andererseits aber auch mitreißend und überzeugend. Zumal er diesen Kampf trotz seines Todes gewinnt, zumindest was ihn selbst, seine Freunde Lothar und Linda und die Krankenschwester Dagmar betrifft. Die Schilderung des Krankenhausalltags hingegen leidet meiner Meinung nach unter völliger Überladung. Hier hat sich die Autorin scheinbar den verständlichen Frust von der Seele geschrieben. Aber durch die Vielzahl der Missgeschicke, Fehler, Fehlentscheidungen, Schlampereien, groben Kunstfehlern wirkt das Buch hier auf mich eher wie eine geschmacklose Slapstick-Komödie. Denn auch wenn jeder geschilderte Zwischenfall für sich durchaus realistisch ist, halte ich die Verengung der Zwischenfälle auf weniger als eine Woche schon für sehr unrealistisch. Schade, denn das sicherlich vorhandene Problem der Überlastung des Pflegepersonals und der Ärzteschaft hätte eine gelungenere Aufarbeitung verdient. Aber nicht nur, dass die (meiner Meinung nach) beiden Hauptthemen des Buches äußerst unterschiedlich gelungen sind, macht dieses Buch zu einem unentschiedenen Buch. Auch ansonsten finde ich das Buch stilistisch unentschieden: Von atmosphärisch dichter Belletristik wechselt es über sachbuchartige Textstellen hin bis zu Textstellen, die für mich den Charakter von TV-Doku-Soaps haben. Trotz aller Schwächen aber habe ich das Buch gerne gelesen und kann es auch guten Gewissens weiterempfehlen. Es nimmt Themen auf, die wir im Alltag allzugerne verdrängen und die einer Klärung auf dem Wege zu einer menschlicheren Gesellschaft benötigen.
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