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48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Buch, gut geschrieben, absolut empfehlenswert!, 22. Februar 2004
Das Buch ist wirklich etwas besonderes, ich hab es kaum aus der Hand legen können. So etwas hab ich noch nicht gelesen. Ich bin zwar kein Priesterkind, finde aber als uneheliches Kind, dessen Vater abgehauen ist, vieles im Buch richtig spannend und erhellend. Beschrieben werden die Schicksale von etwa einem Dutzend Menschen, die mitten unter uns leben, aber wegen ihres Vaters unglaubliches erlebt haben und noch erleben. Keine Fiktion, sondern Realität und so hautnah beschrieben, dass man nicht weiß, ob man manchmal lachen oder nur noch wütend sein soll. Das Schicksal dieser Kinder wird bestimmt von der moralischen Institution katholischen Kirche. Für die gelten ihre strengen moralischen Maßstäbe in den eigenen Reihen offenbar nicht. Das Buch erlaubt wirklich einen sensationellen Blick hinter diese Kulisse. Man erfährt, worüber man sonst immer nur etwas ahnt, etwa wie es in katholischen Pfarrhäusern zugeht,wo vier Menschen heimlich als Familie zusammen leben. Echtes Lob für die schwierige Recherchearbeit. Die heimlichen Kinder der katholischen Priester können nichts für ihr Schicksal, müssen aber den Vater verleugnen, ihre Sehnsucht nach Nähe geht ins Leere, die Suche nach dem Vater hält oft ein Leben lang an. Das kenne ich auch. Ich fand viele Parallelen zu unehelichen Kindern, deren Väter auch verschwinden, oder sich ewig nicht für Frau und Kind entscheiden können. Das Buch ist einerseits Sachbuch, andererseits sehr ergreifend, teils wie ein biografischer Roman geschrieben. Besonders die Menschen, die in der "Ich"-Form erzählen, haben mir gut gefallen, sie sind mir sehr nahe gegangen. Ausser den abwechslungsreichen Beschreibungen der Menschen (zwischen 15 und 60 Jahren alt) fand ich auch noch die ergänzenden Kapitel ganz hilfreich, besonders das lange Gespräch mit dem Psychologen Petri über vaterlose Kinder. Endlich mal ein wichtiges Buch, das die Realität hierzulande abseits von Modethemen beschreibt und dennoch spannend, ergreifend und aufwühlend ist. Ich hab es wirklich gern gelesen und schon zwei Mal verschenkt.
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5.0 von 5 Sternen
Feinfühlig erzählte Lebensberichte, in denen die Kinder und auch ihre Eltern ausführlich zu Wort kommen., 12. Juni 2010
"Mein Papa ist ein Priester, und ich und meine Familie hätten gern, dass Priester heiraten dürfen", schreibt die achtjährige Gabriele an den Heiligen Vater in Rom. Eine Antwort hat sie freilich nie erhalten. So wie auch die beiden Autoren des Buches "Gottes heimliche Kinder" auf ihre Nachfragen in den deutschen Bistümern so gut wie nie eine Antwort erhielten. 13 Geschichten erzählen Annette Bruhns und Peter Wensierski in ihrem Buch über Töchter und Söhne katholischer Priester. Es sind feinfühlig erzählte Lebensberichte, in denen die Kinder und auch ihre Eltern ausführlich zu Wort kommen - so sie denn willens sind. Denn manch ein Priester, der sich vor die Entscheidung Kind oder Job gestellt sieht, hat sich für den Beruf entschieden. Der Priester Leonhard Modlmayr etwa, der seinen Sohn erst im Alter von 36 Jahren zum ersten Mal gesehen hat. Und auch der Vater von Catharina, der nun irgendwo in Lateinamerika arbeitet. Doch die Lebensläufe, die in dem Buch "Gottes heimliche Kinder" Erwähnung finden, gleichen sich allenfalls in Grundmustern. Sie zu lesen ist alles andere als langweilig, da man unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begegnet. Da ist der evangelische Pfarrer, der zum katholischen Glauben konvertiert und seine Familie - die er als Konvertit behalten darf - plötzlich aufs Abstellgleis abschiebt, um den vielen Fragen zu umgehen. Dann ist da das Pfarrhaus, in dem der Priester mit seiner Haushälterin lebt - die Kinder seien vom ersten Mann der Frau, wird Neugierigen entgegengehalten. Und da ist der Priester Bruno Ix, der mit Billigung seines Bischofs zwei Kinder adoptierte. Doch es sind die zerrissenen Familien, die in dem Buch "Gottes heimliche Kinder" in der Überzahl sind. Es sind die Familien, in denen die Vaterfigur fehlt, weil der Vater abgehauen ist oder weil den Priester die neue Rolle als Vater völlig überfordert. Denn wenn der Vater sich für sein Kind entscheidet und der Kirche den Laufpass gibt, fangen für ihn die Probleme erst an. Mutter Kirche achtet sehr darauf, dass die Ex-Priester nicht in kirchennahen Einrichtungen eine Anstellung finden. So sind die Priester zunächst einmal die Hausmänner in der Familie - was viele von ihnen belastet. Einige der unfreiwilligen Väter, so berichten die Autoren, griffen ob ihrer ausweglosen Lage zur Flasche. Doch die Priester sind nicht die einzigen, die unter der besonderen Situation zu leiden haben. Die Frauen sind es, die mit einem hin- und her gerissenen Vater klarkommen müssen oder die mit Orden und Bistümern um Alimente für ihre Kinder prozessieren müssen. Die Kinder wiederum müssen schon früh lernen, ihr "kleines Geheimnis" für sich zu behalten. Das Urteil der beiden Autoren Annette Bruhns und Peter Wensierski ist klar: "Verschweigen, verleugnen, vertuschen - das ist die Devise der Kirche gegenüber den Nachkommen aus den eigenen Klerikerreihen." Die Konsequenz: Das Zölibat, für das es keine theologische Begründung gebe, gehöre endgültig abgeschafft. Im Anhang des Buches befinden sich nützliche Adressen von Initiativen, an die sich Betroffene wenden können. "Gottes heimliche Kinder" berührt und lässt den Leser oft ungläubig den Kopf schütteln angesichts der offenbarten Schicksale. (c) Thomas Sülzle von Literaturtipp.com
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Hervorragendes Buch Wiederauflage/Neuauflage wünschenswert, 6. November 2011
Völlig ohne Gehässigkeit oder Einseitigkeit beleuchtet das Buch durch seine verschiedenen Erzählungen mit sehr unterschiedlichen Diktionen und Perspektiven die Konsequenzen des Zölibates nicht nur für die betroffenen Kinder und "Familien", sondern auch mit seinen Auswirkungen auf die christliche Gesellschaft. Was ist ein Menschenleben, falls es nicht von einer wichtigen Religionsgemeinschaft akzeptiert wird, wert? Was sagen Abtreibungsgegner zu den Fakten des Zölibates? Es erstaunt mich nur, dass dieses Thema immer noch so wenig Beachtung findet. Nach meinen Gesprächen mit Theologen, die natürlich nicht repräsentativ sind, ist der heimliche Bruch des Zölibates weit verbreitet in Deutschland. In anderen Kontinenten sei angeblich das Zölibat gar kein wichtiges Thema, da sich unter der Hand sowieso keiner daran halte. Ich habe darüber nicht weiter recherchiert. Kurtisanen und Mätressen vom Päpsten und Bischöfen sind zwar bekannt, aber außer in antiklerikalen Streitschriften sind mir nicht weit verbreitete Diskussionen über dieses Thema bekannt: Der Roman Clochemerle von Gabriel Chevallier schildert liebevoll den Alltag in dem Dorf, auch den als selbstverständlich eingestuften, allerdings heimlich praktizierten und beichtenswerten Sexualverkehr zweier katholischer Pfarrer mit ihren Haushälterinnen. Nicht jeder Bischof legitimierte seine Mätresse so wie in Salzburg Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau seine Salome Alt mit ihren gemeinsamen 15 Kindern. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung und dem Thema insgesamt eine angeregte öffentliche Diskussion.
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