Es gibt mindestens zwei Gründe, diesen Film zu kennen: Die Romanvorlage (bzw. das Drehbuch) von John Irving und die Regiearbeit von Lasse Hallström, der schon mit ,Gilbert Grape' (1993) ein Jahrzehnt-Werk hervorgebracht hat.
Darüber hinaus habe ich eine ganze Reihe von Gründen, diesen Film zu lieben. Da ist zunächst die Geschichte selbst: Homer Wells (Toby McGuire), ein Waisenjunge, wächst in einem Heim auf, das von dem eigenwilligen und und sanften Dr. Larch (Michael Caine) geleitet wird. Larch will seinen Liebling Homer als Nachfolger haben und bildet ihn zum Geburtshelfer und Arzt aus, doch Homer teilt die Auffasung seines Pflegevaters über die Abtreibung nicht, die Larch ohne das Wissen des christlichen Aufsichtsrats immer wieder durchführt. Eines Tages verschwindet Homer aus dem Heim, um seiner Liebe zu folgen. Er landet bei den Apfelpflückern und lernt das harte Leben von fahrenden Arbeitern kennen. Was er dort erlebt, erteilt ihm mehr als nur eine nützliche Lektion ...
Die typische Irving-Geschichte kommt im Film ohne die teilweise grotesken Ereignisse des Romans aus. Zahlreiche Streichungen von Handlungssträngen und Figuren wurden notwendig, um aus dem umfangreichen Werk einen zweistündigen Film zu machen. Irving ist das zweifellos gelungen, wenn auch das Ergebnis ohne die humorigen Elemente des Romans doch relativ ernst und melodramatisch daherkommt. Doch an dieser Stelle kommt Lasse Hallströms Stärke zum Tragen. In pastellartigen Farben, die viel Landschaft, Bewegung und Gesichter zeigen, erzählt er die im Grund wenig spektakuläre Geschichte so, dass sie im Gedächtnis haften bleibt und nachdenklich macht. Wer diesen Film gesehen hat, kann die Frage, ob Abtreibung erlaubt sein soll, nicht mehr so einfach beantworten. Homer Wells kommt zu einer eigenen Entscheidung, doch sie bleibt die Antwort eines einzelnen. Irvings Ansatz sucht nicht nach allgemein gültigen Aussagen, sondern geht von Figuren und Situationen aus.
Michael Caine als Dr. Larch ist absolut überzeugend. Er wirkt sanft, aber entschieden und schlitzohrig, genau wie der Larch des Romans. Auch Charlize Theron als Candy mit ihrer Mischung aus Mitleid und Erotik vermittelt eindrucksvoll den Konflikt der Figur. Toby McGuire als Homer bleibt dagegen ein bisschen farblos, doch er ist trotzdem die richtige Wahl gewesen. Auch der Homer des Romans wirkt brav, unentschieden, schweigsam und ein bisschen verklemmt. Wahrscheinlich muss McGuire aufpassen, dass er nicht nur solche Rollen angeboten bekommt. Ob natürlich ,Spiderman' die richtige Stoßrichtung war, bleibt dahin gestellt. Mir gefällt er als Homer besser, auch wenn er hier naiv und ein bisschen hölzern wirkt.
Der Film ist eine gelungene Umsetzung des Romans, kann aber durchaus auch für sich selbst stehen. Wer ihn mit Gewinn gesehen hat, kann sich durchaus auch mal den Roman vornehmen und dabei Neues entdecken - vor allem Irvings unnachahmliche Sprache. Beide, Film und Roman, sind groß, echt und gut gemacht.