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5.0 von 5 Sternen
Weil ich nicht anders kann, 27. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Gottes Weber (Broschiert)
Der „Buchclub“ ist nicht die Erfindung des Bertelsmann-Konzerns. Schon im Jahre 1848 gründete der spanische Prediger Antonio Maria Klaret eine religiöse Verlagsbuchhandlung. Diese hatte zum Ziel, Spenden zu sammeln, Bücher zu verlegen und Schriften zu verbreiten. Dies ist nur eine der vielen Taten des Heiligen Claret, wie wir in Silvia Poraths historischem Roman „Gottes Weber“ erfahren. Doch obwohl schon früh in ihm der Wunsch bestand, Priester zu werden, schlug er zuerst einen anderen Weg ein. Als 12-jähriger begann er in der väterlichen Weberei seine Lehrzeit. Schon bald zeigte er eine außergewöhnliche handwerkliche Begabung. Um diese zu fördern und zu vervollkommnen, wird er zum Studium nach Barcelona geschickt. Doch als sein alter Vater nach ihm schickt, um ihm die Leitung der Weberei zu übertragen, widersetzt er sich dessen Wunsch. Stattdessen tritt er in das Priesterseminar in Vic ein und erhält bereits 1835 die Priesterweihe, obwohl er das Studium noch nicht abgeschlossen hat. Wenig später wird er wieder in heimatliche Gefilde versetzt. Hier, in Katalanien, wird schnell seine eigentliche Berufung erkannt. Als apostolischer Missionar durchwandert er zu Fuß ganz Katalonien und verbreitet den katholischen Glauben. 1849 gründete er den Orden der „Claretiner“ und 1855 den Orden der „Claretiner-Missionarinnen“. Sparkassen, Bibliotheken und Genossenschaften Doch war er kein fanatischer Theoretiker. Um der armen Bevölkerung zu helfen, gründete er Genossenschaften, Sparkassen mit ausgeprägtem sozialem Charakter und jedem zugängliche Volksbibliotheken. Er kämpfte gegen die Sklaverei, stiftete landwirtschaftliche Lehrgüter und sorgte für die Schulbildung der Jugend. Um die Krankenpflege zu verbessern, förderte er die Zusammenarbeit unterschiedlichster Orden und Glaubensgemeinschaften zum Wohl der einfachen Bevölkerung. Obwohl er sich gänzlich politischer Äußerungen enthielt und versuchte, eine neutrale Stellung einzunehmen, machte er sich durch sein Wirken immer mehr einflussreiche Persönlichkeiten zum Feind. Diese Feindschaften gipfelten in mehreren Attentatsversuchen, bei deren letztem er 1856 so schwer verletzt wurde, dass seine Genesung an ein Wunder grenzte. Die Päpstin und der Weber Um ihnen nicht die Spannung an der Lektüre zu nehmen, soll hier nicht mehr erzählt werden. Obwohl es sich hier um einen historischen Roman handelt, ist dieser kaum vergleichbar mit ähnlich postulierten Werken wie beispielsweise „Die Hüter der Rose“ oder der Bücher von Diana Gabaldon. Einzig „Die Päpstin“ von Donna W. Cross könnte man vergleichsweise heran ziehen. Auf den ersten Blick ist die Thematik ähnlich. Allerdings unterscheidet sich die Ausführung voneinander wie die Bildzeitung von der FAZ. Beide Autorinnen erzählen eine spannende Geschichte mit zahlreichen Wendungen vor historisch-religiösem Hintergrund. Doch anders als in „Die Päpstin“ merkt man Frau Porath den Respekt an, den sie vor der Haltung Clarets hat. Es geht hier weniger um „Erweckungserlebnisse“ oder vermeintliche Wunderheilungen sondern um einen Mann, der es sich zur Aufgabe machte, den Unterprivilegierten, Armen und Verstoßenen gegen die Widerstände der Mächtigen zu helfen. Diese Geisteshaltung hat bis heute zu in Lateinamerika ihre Tradition. Dort gehen noch heute Kirchenführer für ihre Überzeugung auf die Strasse und riskieren dabei oft ihr Leben und ihre Gesundheit. Ähnlich wie Claret ist ihre Motivation nicht das Streben nach weltlicher oder politischer Macht. Und doch ist ihre Wirkung auf politische Strömungen unleugbar und wird, damals wie heute, von den Staatenlenkern ungern gesehen. Somit ist „Gottes Weber“ nicht nur die mit künstlerischer Freiheit bearbeitete, spannende Biographie eines unbequemen Mannes, sondern auch das hervorragend gelungene Porträt eines frühen Verfechters des „Aufrechten Ganges“. (C) Wolfgang Haan
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Ein Seitensprung der besonderen Art ..., 22. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Gottes Weber (Broschiert)
Obwohl 'Gottes Weber' lange auf meiner Wunschliste stand, habe ich mich nicht so richtig herangetraut. Wobei ich ganz sicher nicht an dem Buch, sondern vielmehr an meinem eigenen historischen Vorwissen zweifelte. Darauf verzichten wollte ich aber nicht. Gerade aufgrund der Tatsache, dass ich (was das Genre anbelangt) fremdgegangen bin, hat mich Silke Poraths Werk wirklich gefesselt und nachhaltig fasziniert. Besonders hilfreich und praktisch fand ich die Zeittafel im Anhang. Hier ist die Gratwanderung zwischen Wissensvermittlung und lebendiger Unterhaltung - weiß Gott - gelungen. Applaus!
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Auch ein Heiliger hat mal Blasen an den Füßen, 27. Dezember 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gottes Weber (Broschiert)
Seine Entwürfe sorgten für Furore in der Modewelt. Sein unerschütterlicher Glaube zog die Massen in den Bann. Und sein Einsatz gegen die Sklaverei hallt bis heute nach: Antonio Claret. Geboren 1807 als Sohn eines Webers im spanischen Sallent tritt er als Suchender ein in das Seminar der Jesuiten. Lebt als Wanderprediger und steigt auf zum Bischof von Kuba. Dort erreicht ihn inmitten von Armut und Krankheiten die Ernennung zum Beichtvater der Spanischen Königin Isabellas II. Doch mächtige Feinde und Intrigen bringen sein Leben immer wieder in Gefahr… „Gottes Weber“ der jungen Autorin Silke Porath spielt gekonnt mit Tabubrüchen. Der erste: anders als im historischen Genre üblich ist das Buch in Gegenwartsform geschrieben. Der nächste: Antonio Claret, der 1950 heilig gesprochen wurde, wird gezeigt als Mensch. Mit allen Schwächen und Ängsten. Herausragendstes Element des Romans aber ist der Blick hinter die Kulissen – Silke Porath nimmt den Leser mit in die Klosterzellen der Priester und in die privaten Kammern der spanischen Königin. Historisch fundiert recherchiert und basierend auf zum Teil nie veröffentlichten Dokumenten wird so eine Zeit lebendig, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Der Roman, der Ende 2005 erscheint, ist entstanden in enger Zusammenarbeit mit den Claretiner-Missionaren, die in der Nachfolge Antonio Clarets heute auf der ganzen Welt leben. Und auch sie sind überrascht von dem Roman, zeigt er doch ihren Ordensgründer auch als kleinen Jungen, der auf kindliche und naive Art erklärt, wie er mit Gott sprechen kann – indem er seine Gedanken wie an einer Schnur in den Himmel schickt und so auch die Antwort bekommt. Oder der Student Claret, der sich vom Glücksspiel locken lässt. Und dann der junge Priester Claret, der sich geißelt und nur den einen Wunsch hat – der Welt zu entfliehen und in die Kartause zu gehen. Hinter jeder Seite des Buches verbirgt sich eine neue Überraschung. Eine neue Wendung – geschickt eingebaut in die historischen Daten im Spanien zur Zeit Napoleons und der Kindkönigin Isabella II. Gefüllt wird der historische Rahmen mit Figuren, die plastischer nicht sein könnten. Silke Porath gelingt es, einen Heiligen darzustellen, der menschlich ist. Der Schwächen hat und Ängste – und der bis heute nichts von der Faszination seiner Persönlichkeit und seines bewegten Lebens verloren hat.
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