Andreas Englisch, seit 1987 Korrespondent im Vatikan und Autor des Buches "Gottes Spuren. Die Wunder der katholischen Kirche", hat auch mehrere Bücher über den 2005 verstorbenen Papst Johannes Paul II. verfasst und ist einer der renommiertesten Kenner des kirchlichen Staatswesens. Englisch, der verheiratet ist, hat einen Sohn. Durch ihn, seinen Sohn Leonardo, kam Englisch dazu, dieses großartige Buch zu schreiben. Aber nun der Reihe nach... .
Das Werk gliedert sich, wie ich es sehe, in vier große Teile:
Englisch beginnt im ersten Teil mit der Schilderung eines Wunders, das durch den in Italien hoch verehrten Pater Pio - wie der heilige Franziskus Träger der Wundmale Christi - an der Frau eines Elektrikers bewirkt wurde und dem Schicksal dieser Frau eine völlig unerwartete Wendung gab. Sodann kommt Englisch zum Gebiet des Exorzismus, das in Italien viel diskutiert wird, in Deutschland aber kaum mehr bekannt ist. Abschließend stellt er die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. vor, die beide, jeder für sich allein, mit Wundern in Verbindung gebracht werden.
Zweites großes Thema Englischs sind die Marienerscheinungen. Er geht dabei zunächst auf das kirchlich nicht anerkannte Medjugorje ein und stellt den Zusammenhang mit der Blut weinenden Muttergottesstatue im italienischen Civitavecchia dar. Darauf folgen ausführliche Berichte über die Wunder von Lourdes, Fátima und Guadalupe, dem Ort der ersten dokumentierten Erscheinung, einem Stadtteil des heutigen Mexiko-Stadt. Dieser Abschnitt lässt die Fähigkeit der Muttergottes erkennen, aktiv ins Weltgeschehen einzugreifen und auf das Schicksal einzelner Menschen, wie etwa auf das von Päpsten, Einfluss zu nehmen.
Im dritten Teil wendet sich der Autor, brillant in der Darstellung und in seinen Kenntnissen der Kirchengeschichte, den wichtigsten Reliquien der Christenheit zu. Stationen der "Reise", zu der uns Englisch einlädt, sind unter anderem: die in der Bibel dokumentierten Heilungswunder Jesu, die Geschichte der Heiligen Kreuzes und ein Bericht über das Grabtuch von Turin. Hier führt der Autor neben den wissenschaftlichen Gegenargumenten auch die - mich als Leser überzeugenden - Gesichtspunkte aus der Forschung an, die dafür sprechen, dass es sich bei dem Turiner Tuch tatsächlich um das Grabtuch Jesu handelt.
Schließlich, dies der vierte Abschnitt des Werks, erzählt Andreas Englisch die Geschichte seines ganz persönlichen Wunders, die mit einem gewissen Pater Pietro und der Entstehung eines Klosters zusammenhängt. Am Ende dieser Geschichte macht Englisch eine überraschende Entdeckung - eine Entdeckung, die er als definitive Spur Gottes zu deuten versteht... .
Das Buch ist so packend, dass es sich auch und vor allem für am Glauben zweifelnde Menschen empfiehlt. Hat man diese außergewöhnliche Abhandlung gelesen, liegt, so meine ich, der Schluss nahe: Gott selbst ist es, der Wunder wirken kann, wenn wir als Menschen uns ihm nur öffnen.