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Produktinformation
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Da andererseits Religion ganz offenbar zu den anthropologischen Grundkonstanten gerechnet werden muss, besteht die sich aus dieser explosiven Konstellation für die Kulturwissenschaft ergebende Frage darin, ob und gegebenenfalls wie die Religionen auf einen gemeinsamen zivilisatorischen Weg geführt werden können. Auf diesem allein nämlich ließe sich nicht nur das ihnen innewohnende Konfliktpotential einhegen, sondern, wenn überhaupt, so böte sich zugleich auch nur hier die Chance, das geistige Potential der Religionen zu heben und für die zivilisatorische Entwicklung nutzbar zu machen.
Mit Gottes Eifer hat Sloterdijk nicht nur eine überzeugende Fortführung seiner in Zorn und Zeit vorgetragenen Religionsphilosophie vorgelegt, der Band ist zugleich auch ein gelungener Auftakt für das Programm des neuen Verlags der Weltreligionen. -- Andreas Vierecke
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
73 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Rhetorisch so wie inhaltlich ein kleines Meisterwerk!!,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen (Gebundene Ausgabe)
Beim Lesen eines Buches habe ich es mir mittlerweile angewöhnt immer einen Bleistift zur Hand zu haben, um wichtige Textstellen markieren zu können. Bei besonders wichtigen Aussagen umkringele ich auch die Seitenzahl, um die entsprechende Stelle später beim schnellen Durchblättern problemlos wiederentdecken zu können. Nun ist das Problem jedoch, dass bei Peter Sloterdijks "Gottes Eifer - Vom Kampf der drei Monotheismen" so viele bemerkenswerte Dinge und rhetorische Bonmots enthalten sind, dass nun nahezu jede Seite markiert ist, was das obligatorische Schreiben einer Rezension, die ja bekanntlich eine kurze und präzise Zusammenfassung samt subjektiver Bewertung bieten soll, erschwert. Das ist natürlich kein Hinderungsgrund, sondern stellt vielmehr eine neue Herausforderung dar.Zunächst einmal: Was ist die Kernthese der Darstellung? Dazu muss erwähnt werden, dass Sloterdijk Religionen und alle anderen Weltanschauungen als durch unterschiedliche Faktoren motivierte menschliche Konstrukte ansieht. Diese Faktoren analysiert er im ersten Kapitel unter der Fragestellung "Wie entsteht Transzendenz?" (18) Allein die präzise Analyse der sieben für Sloterdijk entscheidenden Voraussetzungen für Transzendenz (Verkennung des Langsamen; Verkennung des Heftigen; Verkennung der 'Unerreichbarkeit des Anderen'; Verkennung der Immunitätsfunktionen; Fähigkeit des Menschen, sich Intelligenz vorstellen zu können; die Endlichkeit des menschlichen Lebens; die Frage nach dem 'Woher' einer bestimmten Botschaft) ist Grund genug, dieses Buch zu kaufen. Religiös motiviertes Zelotentum, so der Autor weiter, entstehe durch das Insistieren der monotheistischen Religionen, allein im Besitz einer bestimmten offenbarten Wahrheit zu sein. Eiferer seien nicht in der Lage, die Konstruiertheit ihrer Weltanschauung zu begreifen. Sie akzeptieren widerspruchslos den von den kirchlichen Institutionen geschaffenen und propagierten Wahrheitsanspruch einer Religion. Hier schließt sich Sloterdijk der These des Ägyptologen Jan Assmanns an, der in seinem Buch "Die mosaische Unterscheidung" darlegt, dass das Neue an den monotheistischen Religionen gewesen sei, dass sie die Prinzipien von wahr und falsch, und somit die Vorbedingungen für Intoleranz und Gewaltbereitschaft, geschaffen hätten (vgl. 54). Daraus entstehe eine "Genugtuung der Gläubigen, durch Unterwerfung unter den Höchsten einen wie auch immer bescheidenen Anteil an dessen Souveränität zu gewinnen" (41). Die vor allem im Islam stark ausgeprägte Neigung zur Ritualisierung des Glaubens (fünfmal täglich beten mit jeweils siebzehn Verbeugungen) dient dazu, den Glauben in das kulturelle Gedächtnis einer ideologischen Gemeinschaft zu prügeln. Wenn man gezwungen ist, sich 85 Mal am Tag zu unterwerfen, ist es ein Ding der Unmöglichkeit den Kitt zu verdrängen, der die Gemeinschaft konstituiert und zusammenhält. Bedenklich wird es, wenn diese strengen Regeln auf Dummheit treffen, oder in den Worten von Sloterdijk: "Wenn Strenge auf Unterkomplexität trifft, kommt das Eifern in sein Element" (136). Oder noch pointierter seine Bemerkungen zu Eiferern, die bereit sind, sich und Unschuldige zu ermorden: "Sie verkörpern die organisierte Form des mangelnden Willens, bis drei zu zählen" (147). Wem eine passendere Beschreibung von religiösen Fundamentalisten einfällt, der möge mir eine Email schicken. Brillant auch Sloterdijks Neuinterpretation von der Ringparabel aus Lessings Drama "Nathan der Weise". Der Taxt legt nahe, dass diejenige Religion die beste sei, die am meisten Zuspruch bekäme. Sloterdijk hingegen argumentiert, dass monotheistische Religionen aufgrund ihres alleinigen Wahrheitsanspruchs geradezu darauf angewiesen seien, sich unbeliebt zu machen, sich einen "Wettbewerb um nobel Verhaßtheit" (177) zu liefern. Der Widerstand gegen die eigene Position ist ein geradezu konstituierendes Element aller monotheistischen Religionen. Ohne die ungläubigen Anderen wäre es ja gar nicht nötig, für eine bestimmte Wahrheit zu kämpfen. Sloterdijk schließt mit der Aufforderung, den Todeskult der Religionen zu bekämpfen, der die Wurzel zu religiös motivierter Gewalt darstelle: "Hierzu gehört die Dekonstruktion des Jenseitsfurors und jeder Form von Hinterweltlertum, das mit Verrat am diesseitigen Leben bezahlt wird" (213). Es wird höchste Zeit, dass sich Intellektuelle aus verschiedenen Disziplinen gegen den religiös begründete Vorzug des Jenseits vor dem Diesseits zur Wehr setzen. Denn mit Verweis auf das Jenseits lässt sich nahezu jedes menschenverachtende Verbrechen im Diesseits rechtfertigen. Wenn dieser "Gotteswahn" (So der Titel von Richard Dawkins furioser Abrechnung mit dem Konzept des Religiösen) nicht endgültig gestoppt wird, waren die Anschläge vom 11. September 2001 nur ein milder Vorgeschmack zu dem, was noch kommen wird. Fazit: Kurz, präzise und einfach nur brillant. Mit eine der stimulierendsten Analysen des monotheistischen Phänomens, die ich seit langem gelesen habe. Es bleibt zu hoffen, dass "Gottes Eifer" eine möglichst breite Leserschaft findet. Uns allen wäre es zu gönnen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Große Gedanken - mittelprächtig verpackt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen (Gebundene Ausgabe)
Keine Angst. Ich werde in meiner Kurzrezension die Ausführlichkeit meiner Vorredner nicht erreichen, unterstütze dennoch vorbehaltlos die meissten Kommentare. Ein wichtiges Buch, brilliant analysiert und eine scharf geführte Klinge bei der Sezierung des montheistischen Eiferertums. Soweit ein Volltreffer! Keine 5 Sterne also? Nein - drei mal unterstrichen. Warum? Ganz einfach Sloterdijk ist ein kommunikativ-semantisch-syntaktisches Wollknäuel. Das Buch könnte mächtig sein, 10000ende von Lesern finden, international für Furore sorgen, ein Meilenstein der Geistesgeschichte werden, all das - dennoch es wird ihm verwehrt bleiben, weil es sich in einer (für Sloterdijk sehr typischen) Sprache verfängt, die vom Leser immer eine gewisse Dechiffrierung erfodert. Ich könnte mir gut vorstellen, daß ein religiöser Eiferer nach der Lektüre des Textes nicht mal empört aufspringt - hat er es wirklich verstanden? Warum wollen manche wissenschaftlichen Abhandlungen immer stilistische Kapriolen schlagen, warum soll ein philosophischer Text sich sprachlich verkünsteln, wenn die Thematik doch so mächtig ist? Wir wissen es nicht, aber wir wollen auch nicht anfangen zu eifern,....
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Charmant und schonungslos,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen (Gebundene Ausgabe)
Es macht immer wieder Freude, wenn die eigenen Vorstellungen, die sich in langjährigen Studien mit Steuerungsprozessen der Kultur gebildet haben, durch heftige Bewegungen zu neuen und interessanten Bildern geformt werden.Diesen Kaleidoskop-Effekt verursacht Sloterdijks Betrachtungen der drei Offenbarungsreligionen mit dem reflexiv gesehen tiefdeutigen Titel "Gottes Eifer". Viele Ansätze der Religions- und Kulturkritik aus vergangener und aktueller Kulturbetrachtung einbeziehend, analysiert der Wissenschaftler und Literat Strukturen und Inhalte der Monotheismen sowie ihrer "eifernden" Vertreter. Er schafft für diese Kulturen ein mögliches und teilweise sehr überzeugendes Flussdiagramm, so dass die heutigen religiösbedingten Kulturkonflikte als transparent und logisch erkannt werden können. Offenbarungsreligionen als Vermittler psychologischer Nestwärme, Frustrationsausgleich und Welterklärung, die sowohl entmündigend als auch agitierend auf ihre Anhänger wirken und in ihrem absolutistischen Machtanspruch als Inhaber der alleinigen ewigen Wahrheit nicht nur zu Gewalt und Machtmissbrauch, sondern auch zu Entmündigung als zwingende Folge der bedingungslosen Unterwerfung führen müssen. Die Strukturen und Inhalte des Kommunismus, als gescheiterter Versuch einer profanen Ideologie, sieht Sloterdijk als schlüssige Folge dieser "Parodie der Religionsgeschichte", da auch jener durch seine Hohenpriester als Machtmittel zu Erreichung unumstößlicher menschlicher Wahrheit missverstanden und missbraucht wurde. Das Buch ist ein Plädoyer für Zivilisationsentwicklung als Zielsetzung für die Zukunft, statt alternativ die alten Werte" neu zu beleben oder gar neue Dogmen mit endgültigem Wahrheitsanspruch in die Welt zu setzen. Das Lebensbejahende an Sloterdijks Gedanken ist immer die Öffnung einer Tür, die den Beginn eines gangbaren Wegs für die Zukunft aufzeigt, ohne dass ihr Verlauf oder Ziele festgelegt werden, an denen diese Straße zu enden habe. So bleibt Kultur ein Versuch der Vervollkommnung im Hinblick auf ein sich laufend veränderndes Welt- und Menschenbild. Ein wichtiges Buch für jeden, der sich wirklich für das Hier und Heute und damit zwingend auch für die Vergangenheit interessiert. Und zu guter Letzt: Es begeistert mich immer wieder, Peter Sloterdijk auf seine rhetorisch gewandte und polemisch elegante Reise in brisante Themen zu folgen, die an manchem fremden Gestade verhält und bekannte Gebiete in neuem Licht erscheinen lässt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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