Ulrich Wickert, der jahrelange Frankreichkorrespondent der ARD, legt mit "Und Gott schuf Paris" sein zweites Werk über seine zweite Heimat Frankreich vor. Diesesmal konzentriert sich Wickert vor allem auf Paris, denn was wäre Frankreich ohne Paris. Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil befasst sich vor allem mit Paris selbst. Hier geht er auf bestimmte Stadtteile Paris' ein, erklärt ihre Entwicklungsgeschichte und die Situation in der Gegenwart. Desweiteren finden Künstler und Paris ihre Erwähnung, zwei seien hierbei herauszuheben, Christo(der mit dem Reichstag) und Eugene Ionesco, ein rumänischstämmiger Autor. Ihnen hat Wickert gleich zwei Kapitel gewidmet, in denen teilweise ganze Interview-Passagen abgedruckt sind. Dieser Teil des Buches läßt einen wirklich hinter die Kulissen von Paris schauen. Man erfährt Hintergründe und Geschichten, die dem normalen Paris-Touristen verborgen bleiben. Und all seinen Geschichten mischt Wickert immer noch eine Spur Ironie bei. Doch diese Ironie kann nicht den herhobenen Zeigefinger Ulrich Wickerts verbergen, der sich in diesem Buch doch all zu oft über skrupellose Kredithaie beschwert, das wird doch mit der Zeit etwas nervend. Der zweite Teil des Buches befasst sich mit den Franzosen selbst. Hier geht er auf verschidene Traditionen und Gebräuche ein, die Frankreich prägten. Es läßt einen schon erschaudern, wenn man über die Bizutage, "Weiherituale" an französischen Universitäten, lesen muss. Doch findet sich im gleichen Teil auch eine Geschichte über deutsche Champagner-Dynastien in Frankreich. An diesem Beispiel zeigt sich wiedereinmal die gesamte Vielfalt einer Gesellschaft. Der letzte Teil des Buches, und zugleich wohl seiner bester, beschäftigt sich mit Frankreich selbst. Wickert schreibt in diesem Teil über die französische Politik, und man merkt Wickert an, dass er einer unser kompetentesten deutschen Journalisten ist. Es ist schon spannend zu lesen, wie sich Frankreich und die französischen Politiker während des Umbruchs in Osteuropa verhalten haben. Fast minutiös schildert Wickert die Entwicklung in Frankreich während des deutschen Einigungsprozess. Das ist außerordentlich beeindruckend!!! Das gleiche trifft auch auf das nächste Kapitel, über die Freundschaft zwischen den ehemaligen Außenministern Dumas und Genscher zu. Der Leser gewinnt hier einen kleinen Einblick in das große Geschehen Politik. Wie Politik funktioniert, wird zwar nicht vollständig geklärt, aber man erhält eine gewisse Ahnung, was genau da ablaufen könnte. Herr Wickert von Kapiteln solcher Art bitte mehr! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)